Dividenden-Stopp bei der Volksbank BRAWO – Mitglieder gehen leer aus

Die fetten Jahre sind vorbei. Nach zuletzt 10 Prozent Dividenden-Freude gibt es jetzt den harten Schnitt. Die Bank ist in die Krise gerutscht.

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Symbolbild. | Foto: Rudolf Karliczek

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Braunschweig. Für die Mitglieder der Volksbank BRAWO beginnt bei der Dividende eine neue Zeitrechnung. Nachdem die Genossenschaftsbank in der Vergangenheit Ausschüttungen von bis zu zehn Prozent gezahlt hatte, müssen sich die knapp 55.000 Mitglieder künftig auf deutlich geringere Erträge aus ihren Geschäftsanteilen einstellen. Für das Geschäftsjahr 2025 wird es keine Dividende geben.



„Bei dem Jahresergebnis, was wir für 2025 ausweisen, wird es definitiv keine Dividende geben“, sagte Vorstandssprecher Dr. Lars Berkefeld beim Bilanzpressegespräch der Bank am heutigen Dienstag. Die Vertreter seien darüber bereits bei fünf regionalen Vertreterforen informiert worden.

Sanierung geht vor Ausschüttung


Auch für die Folgejahre dämpft der Vorstand die Erwartungen erheblich. Eine Ausschüttung werde stark von der jeweiligen Ergebnislage abhängen. Zugleich wolle sich die Bank zunächst an der Thesaurierung erwirtschafteter Gewinne orientieren. Das bedeutet: Gewinne sollen möglichst im Unternehmen verbleiben und zur Stabilisierung der Bank beitragen.

Berkefeld sprach deshalb von einer „Sanierungsdividende“. Nach derzeitiger Einschätzung könne diese in den nächsten Jahren im Bereich von ein bis zwei Prozent liegen. Eine verbindliche Zusage ist damit nicht verbunden. Klar sei jedoch, dass mögliche Ausschüttungen „weit ab von den zehn Prozent“ liegen würden, die die Volksbank BRAWO in der Vergangenheit gezahlt habe.

Der Vorstand der Volksbank BRAWO bei der Bilanz-Pressekonferenz am 15. September (v.l.n.r.): Dr. Heiner Arnoldi (Vorstandsmitglied), Jürgen Wache (Generalbevollmächtigter, designierter Vorstandsvorsitzender), Dr. Lars Berkefeld (Vorstandssprecher) und Carsten Ueberschär (Vorstandsmitglied) gemeinsam mit Pressesprecher Daniel Dormeyer.
Der Vorstand der Volksbank BRAWO bei der Bilanz-Pressekonferenz am 15. September (v.l.n.r.): Dr. Heiner Arnoldi (Vorstandsmitglied), Jürgen Wache (Generalbevollmächtigter, designierter Vorstandsvorsitzender), Dr. Lars Berkefeld (Vorstandssprecher) und Carsten Ueberschär (Vorstandsmitglied) gemeinsam mit Pressesprecher Daniel Dormeyer. Foto: Volksbank BRAWO


Der Kurswechsel steht im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Bank und insbesondere mit Belastungen aus Beteiligungen sowie Immobilienaktivitäten. Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit für 2025 beläuft sich nach Angaben des Vorstands auf minus 131,8 Millionen Euro. Unter Berücksichtigung der teilweisen Auflösung des Fonds für allgemeine Bankrisiken und der Stützungsmaßnahmen der genossenschaftlichen Sicherungseinrichtung weist die Bank laut offizieller Ergebnistabelle einen Jahresüberschuss von 192.000 Euro aus.

608,1 Millionen Euro Bewertungseffekte


Das Ausmaß der Belastungen wird an einer weiteren Zahl deutlich: Ohne die Auflösung offener Reserven und die Garantien der Sicherungseinrichtung hätte sich nach Angaben der Bank ein negativer Bewertungseffekt von 608,1 Millionen Euro ergeben.

Dabei handelt es sich um Bewertungseffekte aus Neubewertungen des Kredit-, Immobilien- und Beteiligungsportfolios – nicht um den ausgewiesenen Jahresverlust der Bank. Die Summe darf außerdem nicht mit einem bereits ausgezahlten Finanzierungsbetrag gleichgesetzt werden.

Die Bank teilte mit, dass 96 Prozent der Bewertungseffekte aus den bankfernen Geschäftsfeldern stammten. Rund 80 Prozent entfielen auf den Bereich Real Estate, 13 Prozent auf Corporate Investments, 3 Prozent auf Green Energy und 4 Prozent auf das klassische Bankgeschäft.

Nach Darstellung des Vorstands resultierten die Belastungen überwiegend nicht aus dem klassischen Privat- und Firmenkundengeschäft. Die Bank will sich deshalb künftig wieder stärker auf ihr regionales Bankgeschäft konzentrieren, Beteiligungen reduzieren und nicht zum künftigen Kerngeschäft passende Immobilien- und Energieaktivitäten verkleinern oder veräußern.

Unterstützung der Sicherungseinrichtung


Die Sicherungseinrichtung des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken hat der Volksbank BRAWO Garantien über 473 Millionen Euro gewährt. Diese Garantien dienen nach Angaben der Bank zunächst der Abschirmung potenzieller Risiken. Die Garantiebeträge würden erst dann wirksam, wenn entsprechende Risiken tatsächlich schlagend werden.

Hinzu kommen Genossenschaftsguthaben des BVR von bis zu 250 Millionen Euro. Zum Zeitpunkt des Pressegesprächs waren diese Guthaben noch nicht gezeichnet. Die endgültige Höhe sollte von der Entwicklung der Kapitalquote zum 30. September abhängen und konnte daher auch unter 250 Millionen Euro liegen. Der mögliche Gesamtumfang beider Maßnahmen beträgt damit höchstens 723 Millionen Euro; die Garantien und die Genossenschaftsguthaben sind jedoch unterschiedliche Instrumente.

Für die Garantien wurde nach Angaben der Bank eine Laufzeit von insgesamt fünf Jahren zugrunde gelegt. In diesem Zeitraum sollen Risiken reduziert und die bankfernen Geschäftsfelder deutlich verkleinert werden. Für die Genossenschaftsguthaben wurde zunächst kein fester zeitlicher Rahmen genannt. Die Bank erklärte außerdem, einen Besserungsschein unterzeichnet zu haben. Garantiebeträge, die tatsächlich wirksam werden, sollen nach Darstellung des Vorstands in den folgenden Jahren zurückgeführt werden.

Neuaufstellung der Bank


Die Volksbank BRAWO will sich künftig stärker auf das klassische Firmen- und Privatkundengeschäft konzentrieren. Beteiligungen und Geschäftsfelder außerhalb des Bankgeschäfts sollen reduziert werden. Im Green-Energy-Bereich würden derzeit Gespräche mit strategischen Investoren über einen vollständigen Verkauf des Geschäftsbereichs oder einzelner Gesellschaften laufen.

Auch im Immobilienbereich sollen nicht zum künftigen Kerngeschäft passende Objekte und Projekte vermarktet werden. Die Bank betonte, dass keine Notverkäufe geplant seien. Stattdessen solle in einem schwierigen Marktumfeld möglichst wertschonend verkauft werden.

Bereits laufende Immobilienprojekte sollen voraussichtlich fertiggestellt werden. Wesentliche neue Projektentwicklungen sollen dagegen nicht begonnen werden. Für den ersten Bauabschnitt der BRAWO Arkaden in Wolfsburg bekräftigte die Bank, dass dieser fertiggestellt werden solle. Über einen zweiten Bauabschnitt soll erst später entschieden werden. Die weitere Zukunft der dortigen BRAWO City befand sich nach Angaben des Vorstands noch in der Prüfung.

Fast 55.000 Mitglieder betroffen


Von der neuen Ausschüttungspolitik sind viele Menschen in der Region unmittelbar betroffen. Trotz der wirtschaftlichen Probleme ist die Zahl der Mitglieder 2025 nach Angaben der Bank leicht gestiegen und liegt bei knapp 55.000. Zugleich zählt die Volksbank inzwischen mehr als 166.000 Kunden.

Für die Mitglieder bedeutet die angekündigte Sanierungsdividende: Der finanzielle Ertrag ihrer Beteiligung dürfte zumindest für einige Jahre deutlich geringer ausfallen als gewohnt. Ob und in welcher Höhe künftig eine Dividende gezahlt werden kann, hängt nach Darstellung des Vorstands von der Ergebnisentwicklung und dem Fortschritt der Sanierung ab. Für die Kunden der Bank hingegen soll es keine Änderungen geben und alle Einlagen seien sicher.

Transparenzhinweis: Die Medien für die Region GmbH, als Herausgeberin von regionalHeute.de, ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Volksbank BRAWO.

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