Braunschweig/Berlin. Der Anschlag beim Christopher Street Day in Berlin am vergangenen Samstag hinterlässt in ganz Deutschland Entsetzen – wieder einmal. regionalHeute.de Leserin Sandra aus Braunschweig war in Berlin und beschreibt in einem emotionalen Post auf der regionalHeute.de-Instagramseite, wie sie Berlin in den Stunden vor und nach dem Anschlag erlebte. Mit ihrem Einverständnis veröffentlichen wir ihren persönlichen Bericht.
Es sollte ein Fest der Freiheit, des Stolzes und der Gemeinschaft werden. Hunderttausende Menschen strömten am Samstag zum Christopher Street Day nach Berlin, um Vielfalt zu feiern. Doch die ausgelassene Stimmung schlug schlagartig um, als ein schrecklicher Anschlag die Hauptstadt bis ins Mark traf. Wo eben noch Musik die Straßen erfüllte, herrschten plötzlich Panik, Blaulicht und unfassbares Leid.
Ein Tag voller Freude und Zusammenhalt

Unsere Leserin Sandra zeigt, wie die Stimmung vor dem Anschlag auf der Leipziger Straße kurz vor dem Potsdamer Platz gegen 12:30 Uhr war. Foto: Privat
Wie brutal dieser Umschwung die Menschen vor Ort traf, zeigt die Erfahrung von Sandra aus Braunschweig. Am Mittag war Sandra beim CSD unterwegs. Geplant war das nicht. Sie hatte sich ganz spontan dazu entschieden. „Wenn ich schon mal in der Stadt bin, dann kann ich mir das auch anschauen.“
„Was ich dort erlebt habe, war klasse“, schreibt sie weiter. Sie habe Menschen gesehen, die voller Freude gewesen seien, das Leben gefeiert und sich gegenseitig angenommen hätten. Überall seien Lachen, Musik und ein starkes Gefühl von Freiheit und Zusammenhalt zu spüren gewesen.
Aus Unbeschwertheit wird Fassungslosigkeit
Am Abend führte ihr Weg mit der U-Bahn am Potsdamer Platz vorbei. Die vielen Menschen an den Bahnhöfen nahm sie zunächst als Teil des ausklingenden CSD wahr. Sie ging davon aus, dass Besucherinnen und Besucher nach einem schönen Tag zufrieden nach Hause unterwegs waren. Dass sich nur wenige Meter entfernt eine Tragödie ereignet hatte, wusste sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Als Sandra wenig später von dem Anschlag erfuhr, der sich nur drei Kilometer von ihrem Hotel ereignete, sei sie fassungslos gewesen. "Der Kontrast zwischen den Bildern des Tages hätte größer nicht sein können: Auf der einen Seite Freude, Liebe und das Feiern des Lebens. Auf der anderen Seite Schmerz, Angst und unfassbares Leid."
Am nächsten Tag nahm Sandra am Trauermarsch vom Alexanderplatz bis zum Brandenburger Tor teil. Dieser Weg werde ihr lange in Erinnerung bleiben, schreibt sie weiter. "Die Stille tausender Menschen, die Nachdenklichkeit in den Gesichtern, das Läuten der Glocken des Berliner Doms und schließlich das Blumenmeer am Brandenburger Tor. All das ging tief unter die Haut. In diesem Moment wurde mir bewusst, wie nah das alles war. Die Trauer war überall spürbar. Menschen weinten, lagen sich in den Armen und suchten Trost beieinander. Es waren Augenblicke voller Mitgefühl, aber auch voller Fassungslosigkeit. Gefühle wie diese lassen sich kaum beschreiben. Man spürt eine tiefe Traurigkeit, aber auch eine Verbundenheit mit all den Menschen, die dort standen. Niemand möchte jemals Teil eines solchen Moments sein und doch war er plötzlich erschreckend nah."


