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Die Spitzenkandidaten zum Rat im Interview: Nordost



Braunschweig

Die Spitzenkandidaten zum Rat im Interview: Nordost

von Robert Braumann


Das Braunschweiger Rathaus, wer wird in den Rat einziehen? Foto: Archiv
Das Braunschweiger Rathaus, wer wird in den Rat einziehen? Foto: Archiv

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Braunschweig. In unserer Reihe zur diesjährigen Kommunalwahl hat regionalHeute.de den Spitzenkandidaten für den Rat der Stadt die Möglichkeit gegeben, sich und ihren Blick auf Braunschweig vorzustellen. Insgesamt gibt es für den Rat der Stadt acht Wahlbereiche. Der Kandidat auf dem jeweils ersten Listenplatz konnte sich äußern. Im Nachfolgenden äußern sich die Spitzenkandidaten aus dem Wahlbereich 11/Nordost zu verschiedenen Fragen.

Fünf allgemeine Fragen wurden an die Spitzenkandidaten gerichtet, die nicht nur Aufschluss über deren Person geben, sondern auch die persönliche Sicht auf Braunschweig widerspiegeln. Eine Woche lange hatten die Spitzenkandidaten die Möglichkeit, folgende Fragen zu beantworten: „Was hat Sie dazu bewogen, zu kandidieren?“, „Welches Projekt liegt Ihnen besonders am Herzen?“, „Warum ist die Kommunalwahl wichtig für die Bürger?“, „Was macht Braunschweig für Sie besonders?“ und „Wo liegen aus ihrer Sicht die Stärken und Schwächen der Stadt?“ Das sind die Statements der Spitzenkandidaten aus dem Wahlbereich 11.

Claas Merfort, CDU



Claas Merfort, Foto: Björn Küssner



Was hat Sie dazu bewogen zu kandidiere? Mir haben die letzten Jahre gezeigt, dass man viel bewegen kann. Themen, die mich erreichen, umzusetzen, macht nicht nur Spaß, sondern verstehe ich auch als mein Auftrag. Ich habe große Achtung davor, wenn ich diesen Auftrag weiter ausführen darf.



Welches Projekt liegt Ihnen besonders am Herzen? Die Wieder-Abschaffung der kürzlich von rot/grün eingeführten Kita-Entgelte und eine guteBaulandpolitik, die hohen Mieten vorbeugt.

Warum ist die Kommunalwahl wichtig für die Bürger? Ganz alltägliche Themen wie Busverbindungen, Begegnungsstätten oder auch die Kita-Entgelte werden in der Kommune entschieden. Das betrifft praktisch jeden. Für mich und vermutlich auch für viele andere sind das wichtige Themen.

Was macht Braunschweig für Sie besonders? Für mich ist Braunschweig etwas Besonderes, weil es meine Heimat ist und ich mich hier zu Hause fühle.

Wo liegen aus ihrer Sicht die Stärken und Schwächen der Stadt? Braunschweig hat eine reiche Geschichte, moderne Forschungseinrichtungen und starke Unternehmen und ein großes kulturelles Angebot: Dies sind echte Stärken. Die größte Schwäche ist, dass wir uns manchmal zu sehr mit anderen Städten vergleichen, anstatt unseren eigenen Weg zu gehen.

Angaben zur eigenen Person: 31 Jahre, ledig, Diplom-Ökonom, sozial- und gesundheitspolitischer Sprecher der CDU- Ratsfraktion, Mitglied im Bundesvorstand der Jungen Union, Stellv. CDU-Kreisvorsitzender

Cornelia Seiffert, SPD



Cornelia Seiffert, Foto:





Was hat Sie dazu bewogen zu kandidieren? In der Kommunalpolitik bin ich dicht an den Bedürfnissen, Wünschen und Ideen der Bürgerinnen und Bürger dran. Das ist spannend und man lernt sehr viel. Durch die Arbeit in den Ausschüssen bleibt man immer „am Ball“ und kann aktiv gestalten.

Welches Projekt liegt Ihnen besonders am Herzen? 
Als kulturpolitische Sprecherin bin ich froh, dass ein Soziokulturelles Zentrum mit Veranstaltungshalle gebaut werden kann. Hier stecken unendlich viele Überlegungen wie die Konzeption, der Standort, die Kosten und der Betreiber drin, was viel Zeit gekostet hat. Aber wie heißt es doch so schön? „Gut Ding braucht Weile.“

Warum ist die Kommunalwahl wichtig für die Bürger? 
Weil sie hier die Partei und ihre Kandidaten wählen können, von denen sie annehmen, dass sie – in ihrem Sinne – die Geschicke ihrer Stadt entscheiden und voranbringen können.

Was macht Braunschweig für Sie besonders? 

Braunschweig ist eine Forschungsstadt. Eine Stadt mit vielen kulturellen Höhepunkten – für jedes Alter, Interesse und jeden Geldbeutel. Es wird sehr viel getan dafür, dass Familie und Beruf zusammen passen. Braunschweig ist meine Heimat, hier fühle ich mich wohl.

Wo liegen aus Ihrer Sicht die Stärken und Schwächen der Stadt?

 Wir sind die zweitgrößte Stadt Niedersachsens, dennoch ist unsere/meine Stadt überschaubar. Es gibt viele grüne Plätze, die zu Freizeitaktivitäten einladen. Und gleichzeitig gibt es viele Institutionen, die weit über unsere Stadtgrenzen bekannt sind, so wie das Julius-Kühn-Institut, die HBK oder der Kunstverein. Wir sind auch eine begehrte Unistadt. Leider wird bei jedem Semesterbeginn klar, dass Wohnraum fehlt. Dieses Problem wird von uns ganz intensiv angegangen, ist aber noch nicht gelöst.

Angaben zur Person: Alter: 60 Jahre, Beruf: Dipl.-Sozialarbeiterin., Familienstand: zwei Kinder. Auch bedingt durch meine berufliche Tätigkeit engagiere ich mich bei der AWO als stellvertretende Präsidiumsvorsitzende und im Hospizvorstand. Bisherige wichtigste Funktionen: kulturpolitische Sprecherin. Seit wann in der Partei: seit 1994

Dr. Ing. Rainer Mühlnickel, Grüne



Rainer Mühlnickel, Foto:



Was hat Sie dazu bewogen zu kandidieren? Ich möchte an Entscheidungen in meiner Geburtsstadt beteiligt werden, deshalb möchte ich gern kandidieren. Außerdem möchte ich meine bisherigen beruflichen und kommunalpolitischen Erfahrungen gern in den Abstimmungsprozess mit anderen Parteien einbringen.

Welches Projekt liegt Ihnen besonders am Herzen? Im Rahmen einer nachhaltigen Stadtentwicklung möchte ich gern die Themen sozialer Wohnungsraum, städtebauliche Entwicklung, schöne Grünflächen, gute Verkehrsanbindung (Rad / Bus / Bahn / Auto) und gute Infrastruktur (Einkaufen, Schule, Schwimmbad) in konkreten Projekten umsetzen.

Warum ist die Kommunalwahl wichtig für die Bürger? Die Bürgerinnen und Bürger müssen für die Kommunalpolitik begeistert werden. Habe ich etwas davon, wenn ich mich einbringe? Ich werde zufriedener sein, wenn ich vor Ort oder in der Stadt etwas verbessern oder verändern kann.
Was macht Braunschweig für Sie besonders? Braunschweig hat die richtige Größe, schöne Plätze und Sehenswürdigkeiten. Die Verkehrswege sind kurz und Braunschweig hat ein schönes Umland (z. B. Elm / Asse, Harz).

Wo liegen aus ihrer Sicht die Stärken und Schwächen der Stadt? Braunschweig muss sich noch stärker vermarkten. Die Naherholung und die Freizeitgebiete spielen eine zu geringe Rolle. Ganz anders z. B. der Allersee in Wolfsburg. In Süddeutschland verbinden oft Arbeitskollegen mit Braunschweig nichts. Das ist schade. Die Forschungsstandorte und die Hochschulen werden nicht mit Braunschweig verbunden. Das liegt oft an der fehlenden Bindung der Führungspersönlichkeiten in den entsprechenden Instituten. Braunschweig wird von diesen nicht selten als reine Arbeitsstätte definiert.

Angaben zur Person: Alter: 59 Jahre, Beruf: Selbständiger Landschaftsplaner, Familienstand: Verheiratet, zwei Kinder im Alter von 17 und 15 Jahren. Bisherige wichtigste Funktionen: Stellvertretender Bezirksbürgermeister im Stadtbezirk 112 Wabe-Schunter-Beberbach, Bürgermitglied im Wirtschaftsausschuss der Stadt Braunschweig. Seit wann in der Partei: Seit 1991. Ich bin immer neugierig und interessiert, wenn es um neue Ideen und Ansichten geht. Alles genau zu ergründen und zu hinterfragen ist mir durch meine "Lernjahre" an den Reformuniversitäten in Kassel und Oldenburg sowie später an der Technischen Universität (TU) Berlin selbstverständlich und führte mich auch zur Politik. Meine Work-Life-Balance finde ich neben meinem Beruf, der Politik und meiner Familie im Freizeit- und Sportbereich. Außerdem lache und feiere ich gern.“

Henning Jenzen, BiBS



Henning Jenzen Foto: BIBS


Was hat Sie dazu bewogen zu kandidieren? Die Beseitigung von Ungerechtigkeiten und Fehlentwicklungen aus der Ära Hoffmann. Als Beispiele seien hier genannt: die Schließung von Stadtteilbädern bei gleichzeitiger Kosten-Verdoppelung für das Spaßbad von Sage und Schreibe 100% (geplant für 17 Mio. Euro, am Ende 35 Mio. Euro) oder die nachhaltige Schädigung zukünftiger Generationen durch Privatisierungen kommunalen Eigentums in Höhe von 800 Mio. Euro.


Welches Projekt liegt Ihnen besonders am Herzen? Eine lebenswerte Stadt für alle BürgerInnen (Integriertes Stadtentwicklungskonzept ISEK). Zurückholen städtischen Eigentums.


Warum ist die Kommunalwahl wichtig für die Bürger?  Wenn der politische Wille der Bürger umgesetzt werden soll, muss jeder wählen gehen und geeignete Vertreter entsenden. Ansonsten werden Populisten oder Lobbyvertreter die Politik in Braunschweig machen. Die Politik darf nicht nur allein den Politikern überlassen werden.


Was macht Braunschweig für Sie besonders?  Braunschweig ist meine Geburts- und Heimatstadt.


Wo liegen aus ihrer Sicht die Stärken und Schwächen der Stadt? Vorteile: Braunschweig ist eine Stadt mit genau der richtigen Größe, die dadurch nicht die Anonymität einer Großstadt besitzt. Es gibt ein vielfältiges kulturelles, sportliches und soziales Angebot für jeden Geldbeutel. Nachteil: wenige, einflussreiche Player bestimmen die Stadtpolitik.




Daniel Klöpfel, Piraten



Daniel Klöpfel, Foto:



Was hat Sie dazu bewogen zu kandidieren? Ich möchte die Ideen und Ziele der Piratenpartei weiterhin im Rat vertreten sehen und dazu meinen Teil beitragen.

Welches Projekt liegt Ihnen besonders am Herzen? Durch die aktuelle Haushaltslage besteht die Gefahr des Kultur- und Sozialabbaus. Das zu verhindern und mich dafür einzusetzen, dass die Vergabe von öffentlichen Geldern transparenter sowie sozial gerechter erfolgt, liegt mir am Herzen.

Warum ist die Kommunalwahl wichtig für die Bürger? Durch die Wahl entscheiden die Bürger über die Zusammensetzung des Rates und der Stadtbezirksräte, die wiederum an den Entscheidungen der Stadt massgeblich beteiligt sind. Somit haben es die Bürger durch ihre Wahlentscheidung in der Hand, unter welchen Schwerpunkten in Braunschweig die nächsten 5 Jahre Politik gemacht wird, vorausgesetzt Wahlversprechen werden auch umgesetzt.

Was macht Braunschweig für Sie besonders? Für mich ist Braunschweig besonders, weil die Stadt übersichtlich, aber nicht klein ist. Besonders die Grünflächen tragen zu einer Lebensqualität bei, die andere Großstädte nicht aufweisen können.

Wo liegen aus ihrer Sicht die Stärken und Schwächen der Stadt? Stärken: Zukunftsfähiger Forschungs- und Lehrstandort mit innovativen Arbeitgebern. Gute Autobahnanbindung. Vielfältige Kulturen. Schwächen:
Zu wenig alternative Abendveranstaltungen. Zu viel Individualverkehr in der Innenstadt.

Gerald Molder, Die Linke



Gerald Molder, Foto:



Was hat Sie dazu bewogen zu kandidieren? Ich bin davon überzeugt, dass nur DIE LINKE  eine Kommunalpolitik für Braunschweig macht, bei der die sozialen Probleme der Bürger und die Umweltbelange im Mittelpunkt stehen,

Welches Projekt liegt Ihnen besonders am Herzen? Die 6. IGS, die aufgrund der letzten Anmeldezahlen kommen muss.

Warum ist die Kommunalwahl wichtig für die Bürger? Viele Fragen, die den Bürger direkt betreffen, von der Kita- und Schulsituation über die Straßenausbaubeitragskosten bis zur Verkehrsanbindung werden nicht in Berlin oder Hannover entschieden, sondern vor Ort in Braunschweig.

Was macht Braunschweig für Sie besonders? Das Spannungsfeld einer überschaubaren Großstadt, bei der aktuell prosperierende Wirtschaft, wichtige Forschung, anregende Kultur und schutzsuchende Flüchtlinge wachsender Wohnungsnot, zunehmender Armut und stärker werdender extrem rechter Bewegung gegenüberstehen. Außerdem die zahlreichen Bürgeraktivitäten und -initiativen.

Wo liegen aus ihrer Sicht die Stärken und Schwächen der Stadt? Stärken: Standort von wichtigen Industrie- und Wirtschaftsbetrieben, technische Universität, mehrere wichtige Forschungseinrichtungen, gutes Kulturangebot, Eintracht Braunschweig und andere attraktive Sportvereine, grüne Inseln in der Stadt. Schwächen: Krise von VW, geschönter Haushalt, PPP im Schulbereich, zu wenig bezahlbare Wohnungen für Normalverdiener, vernachlässigte Infrastruktur (zum Beispiel viele sanierungsbedürftige Schulen, aber auch Straßen), Radwegenetz.

Angaben zur Person: Alter: 73 Jahre, Beruf: Diplommathematiker, Oberstudienrat, Familienstand: verheiratet, zwei Söhne. Ich mag Mathematik und Physik, aber wichtiger ist mir eine Gesellschaft um mich herum, die ein Gespür für die sozialen Ungerechtigkeiten und die Sünden an der Umwelt hat. Als 1943 Geborener weiß ich, was Krieg bedeutet. Deshalb unterstütze ich die Friedensbewegung und sage aus eigener Erfahrung: Nie wieder Krieg!

Anikó Merten, FDP



Anikó Merten. Foto: Peter Sierigk



Was hat Sie dazu bewogen zu kandidieren? Wie wichtig politisches Engagement ist, zeigt sich gerade auf der kommunalen Ebene. Dort werden wichtige Entscheidungen für das Zusammenleben innerhalb der örtlichen Gemeinschaft getroffen. Daher halte ich es für besonders wichtig mich dort zu engagieren, wo ich mit meiner Familie lebe.

Welches Projekt liegt Ihnen besonders am Herzen? Ich habe an der Hochschule für Bildende Künste Kunstwissenschaft studiert. Schon aus dieser Verbundenheit liegt mir diese Hochschule und noch viel mehr die Kreativen in dieser Region sehr am Herzen. Ihnen ein Umfeld zu schaffen das sie in ihrem kreativen Schaffen bereichert und stärkt, ist mir ein großes Anliegen.

Warum ist die Kommunalwahl wichtig für die Bürger? Entscheidungen, die in Berlin oder Hannover getroffen werden, haben unmittelbare Auswirkungen auf die Kommunen und Städte bis hinein in die einzelnen Stadtteile. Daher geben auch gerade die Kommunalwahlen die Richtungen vor, wie diese im Bund oder Land vorgegebenen Entscheidungen möglicherweise umgesetzt werden. Ein starker Rat der Stadt, der für seine Entscheidungen und deren Umsetzungen durch die Bürger ermächtigt wird, kann daher nur durch ein starkes Votum am Wahltag entstehen. Daher bitte ich alle Wahlberechtigten ihre Stimme auch wahrzunehmen. Sie entscheiden ganz unmittelbar über den Ort in dem sie leben.

Was macht Braunschweig für Sie besonders? Braunschweig ist die liebenswerteste Stadt, die ich in Deutschland kenne. Ich bin mit meinem Mann für das Studium hierher gezogen und die Stadt hat es mir leicht gemacht, mich wohl zu fühlen. Und dass durch ihren ganz eigenen Charme, die Menschen und ihre Kultur.

Wo liegen aus ihrer Sicht die Stärken und Schwächen der Stadt? Die Schwächen sehe ich zum Beispiel in einer Verwaltung, die noch nicht im digitalen Zeitalter angekommen ist und das sie aus den Stärken, die wir hier haben, nicht alle Potentiale ausschöpft. Es ist alles hier, wir müssen es nur erkennen und sichtbar machen.
Die größte Stärke ist das gesellschaftliche Engagement. Da ich selbst oft als Zeitstifterin bei der Bürgerstiftung Braunschweig aktiv bin, weiß ich wie viele Menschen sich für diese Stadt, Projekte und andere Menschen einsetzen. Dieses Engagement gilt es anzuerkennen.

Angaben zur eigenen Person: Ich bin 34 Jahre alt, verheiratet und promoviere an der Hochschule für Bildende Künste im Fachbereich Kunstwissenschaft. In meiner Freizeit reise ich gern, besuche Ausstellungen oder treffe mich mit meinen Freunden. Unser roter Kater Rémy ist ein wichtiger Anker in meinem Leben, der mir zeigt, dass es auch mal gelassener zugehen kann.

 Auch die AFD und Die Partei erhielten Anfragen der Redaktion, bis zur gesetzten Frist gingen aber keine Antworten bei der Redaktion ein. Die AFD teilte mit, dass der Kandidatenkreis übereingekommen sei, an diesem Vorstellungsformat nicht teilzunehmen.


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