Diese Kinos öffnen heute - Doch viele Filme fehlen im Programm

Filme wie Fast & Furious 9 stehen entgegen der Ankündigungen nicht im Programm. Grund ist offenbar ein Streit hinter den Kulissen.

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(Symbolbild) | Foto: Pixabay

Region. Am heutigen 1. Juli öffnen die meisten Kinos wieder ihre Türen. Hierzu gehören alle Häuser von Cinemaxx und Cinestar, das Cineplex Goslar und das Astor-Filmtheater in Braunschweig. Die Häuser Roxy und Camera in Helmstedt und der Filmpalast Wolfenbüttel schließen sich dem ebenfalls an. Das Universum Filmtheater in Braunschweig fällt hier aus der Reihe - es öffnete bereits 3. Juni. Kleinere Lichtspielhäuser haben teils abweichende Termine, wie das Delphin (24. Juli) und das Metropol in Wolfsburg (29. Juli). Doch hinter den Kulissen scheint es zwischen Filmverleihern und Kinos zu krachen - Titel wie Fast & Furious 9 und Nomadland fehlen offenbar aus gutem Grund in den Programmen der meisten regionalen Lichtspielhäuser.


Doch warum der 1. Juli? "Als national funktionierender Markt ist es für die Lichtspielhäuser zwingend notwendig, gemeinsam zu öffnen, denn nur dann können neue Filme gestartet werden", erklärt das Cinestar in Wolfenbüttel. "Die Verleihfirmen benötigen die notwendige Vorlaufzeit und Sicherheit das genügend Kinos geöffnet sind, um große Starts zu realisieren", fügt Harald Pape, Geschäftsführer der Helmstedter Kinos Roxy und Camera, hinzu.

Welche Einschränkungen erwarten die Besucher


"Es soll so sicher wie möglich und so einschränkungsfrei wie möglich für unsere Gäste sein, damit sie sich bei uns wohlfühlen und das Kinoerlebnis genießen können", erklärt Florian Wildmann, Geschäftsführer des Cineplex Goslar. Der niedersächsische Stufenplan schaffe dafür die richtigen Rahmenbedingungen. "Mit der aktuellen Corona-Verordnung des Landes bin ich sehr zufrieden, weil sie eine Auslastung bis 50 Prozent ermöglicht und keine Testpflicht unter einer Inzidenz von 35 vorsieht. Außerdem darf die Maske am Platz abgenommen werden, das heißt, Verzehr (Anm. d. Red.: im Kinosaal) ist möglich", erklärt Volker Kufahl, Geschäftsführer der Filmland MV gGmbH, dem auch das Universum Filmtheater in Braunschweig angehört. Bis zu einer Inzidenz von 100 können die Kinos generell geöffnet bleiben. Danach würde dem das Bundesinfektionsschutzgesetz einen Riegel vorschieben. Wohl für viele Kinobetreiber spricht Pape an dieser Stelle: "Ein wirtschaftlicher Betrieb ist trotz allem nur schwer zu erreichen aber darum geht es jetzt am Anfang meiner Meinung auch noch gar nicht. Viel wichtiger ist es zur Zeit, Präsenz zu zeigen. Der Bedarf bei unseren Besuchern ist auf jeden Fall vorhanden." Einzig das Delphin in Wolfsburg antwortet mit einem klaren "Ja" auf die Frage, ob ein wirtschaftlicher Betrieb realisierbar sei.

Das schlimmste Szenario


Das Cineplex in Goslar.
Das Cineplex in Goslar. Foto: Anke Donner



Der niedersächsische Stufenplan ermöglicht ein Öffnen der Kinos, das an die regionale Inzidenz gekoppelt ist - mit Abstufungen. Das schlimmste Szenario, so sind sich alle angefragten Lichtspielhäuser einig, wäre eine schwankende Inzidenz um die 100. "Der Kinobetrieb und die Kosten daraus lassen sich mit einem Containerschiff vergleichen, es benötigt eine gewisse Anlaufzeit, um auf Touren zu kommen und hat einen sehr langen Bremsweg", erklärt Florian Wildmann vom Cineplex Goslar. Es benötige nach Angaben der Betreiber eine Vorlaufzeit zwischen zwei und vier Wochen, um ein Kino wieder in Betrieb zu nehmen. Im Falle der Helmstedter Kinos wären es kurze zwei Wochen. Pape dazu: "Die Technik muss aus dem Standby geholt und überprüft werden. Die Projektoren und Filmserver sind auf einen kontinuierlichen Betrieb ausgelegt." Er fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: "Längere Stillstandszeiten können zu unerwarteten Ausfällen führen. Aus diesem Grunde gab es bei uns auch jedes Wochenende eine interne Vorstellung!"

Das Cinestar in Wolfenbüttel
Das Cinestar in Wolfenbüttel Foto: Anke Donner



Weiterhin mussten die Kinos auch die Kühlschränke wieder befüllen. "Auch dies benötigt Zeit, da unsere Lieferanten für die kinotypischen Waren wie Popcorn und Nachos den Betrieb auch erst wieder hochfahren müssen", so Pape weiter. In der vergangenen Woche hat außerdem die Disposition des Filmprogramms stattgefunden, sodass die Kinos morgen Filme wie Godzilla vs. Kong, Catweazle, Conjuring 3 und A Quiet Place 2 zeigen können. Pape erklärt abschließend: "Kleinere Kinos - zu denen ich uns zähle - können in gewissen Grenzen etwas flexibler darauf reagieren als die größeren Ketten. Ein ständiges auf und zu hätte fatale folgen für die gesamte Branche." Insgesamt zeigt man sich an der Inzidenzentwicklung aber optimistisch, dass die Öffnung nun von Dauer sein wird.

Zoff um Exklusivität im Programm


Das Programm vieler Kinos unterscheidet sich deutlich von dem durch die Branchenverbände angekündigten. So fehlen beispielsweise Filme wie Fast & Furious 9 oder Nomadland im Programm der meisten Anbieter. Wie es auf der Website des Astor-Filmtheaters in Braunschweig heißt, schwelt hinter den Kulissen wohl ein Streit um die Vermarktungsrechte: "Endlich können wir Filme wieder an dem Ort erleben, für den sie eigentlich gemacht werden - auf den großen Leinwänden in unseren Kinos. Leider gilt das nicht für alle Filme, da das bisher geltende Modell seitens einiger Filmverleiher infrage gestellt wird", heißt es in den Programmhinweisen. Das Astor erklärt: "In der Vergangenheit haben wir hohe Preise für Filme bezahlt, weil mit diesem Preis auch eine mehrmonatige Exklusivität für die Auswertung im Kino verbunden war. Produktionen, die bereits zeitnah zum Start im Kino auch auf Streamingplattformen verfügbar sind, haben für uns allerdings ein geringere Besucherpotenzial und somit einen geringeren Wert." Zur Wahrung der Interessen müsse man daher auf den Einsatz dieser Filme im Kino verzichten, "um damit letztlich unser Geschäftsmodell zu sichern."


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