Meine/Oschersleben. Wenn beim Twin Cup die Motoren gestartet werden und sich die Fahrer auf Rennstrecken in Deutschland und Europa um Positionen duellieren, laufen organisatorisch viele Fäden im Landkreis Gifhorn zusammen. Hinter der Rennserie steht PS Track Events aus Meine. Das Unternehmen organisiert nicht nur den Twin Cup, sondern auch die Pro Superstock 1000 und verschiedene Renntrainings. Ende Juli und Anfang August führte der Weg für den Twin Cup fast vor die eigene Haustür: Vom 31. Juli bis 2. August machte die Serie im Rahmen der EuroMoto Station in der Motorsport Arena Oschersleben. Für PS Track Events war es damit eines der regional nächstgelegenen Rennwochenenden im Kalender 2026.
Der Twin Cup versteht sich nicht ausschließlich als Bühne für erfahrene Rennfahrer. Die Serie richtet sich auch an Einsteiger, Wiedereinsteiger und ambitionierte Aufsteiger, die unter professionellen Bedingungen in den Motorradrennsport einsteigen wollen. Ein technisch ausgewogenes Reglement soll dafür sorgen, dass nicht allein das Budget über die Chancen auf der Strecke entscheidet. Gleichzeitig legt der Veranstalter großen Wert auf den sogenannten „Family Spirit“ im Fahrerlager. Konkurrenz auf der Rennstrecke und ein familiäres Miteinander daneben sollen sich ausdrücklich nicht ausschließen. Markenoffen ist der Cup ebenfalls. In der Saison 2026 dürfen unter anderem die Honda CB750 Hornet, Yamaha MT-07, Kawasaki Z650 sowie Suzuki GSX-8S und SV650 eingesetzt werden. Für die Motorräder gilt eine maximale Motorleistung von 78 PS an der Kurbelwelle.
Von Meine auf die europäischen Rennstrecken
Verantwortlich für die Organisation ist die PS Track Events UG mit Sitz in der Hafenstraße in Meine. Hinter dem Unternehmen stehen die Geschäftsführer Roger Plath und Sascha Schoder. Neben dem Twin Cup organisieren sie auch die Rennserie Pro Superstock 1000 sowie verschiedene Renntrainings. Der Kalender zeigt, dass Motorsport aus dem Landkreis Gifhorn dabei längst nicht auf Niedersachsen beschränkt bleibt. Für den Twin Cup stehen 2026 unter anderem Veranstaltungen im tschechischen Brünn und Most sowie in Schleiz, Oschersleben und auf dem Frohburger Dreieck auf dem Programm. Neu ist dabei die stärkere Einbindung in die EuroMoto. Der Twin Cup wird 2026 vorrangig im Rahmen dieser europäischen Motorsport-Serie ausgetragen.
Alte Suzuki, noch immer schnell
Auch aus regionaler Sicht hatte das Rennwochenende in Oschersleben eine besondere Geschichte zu bieten. Mit Justus Weinke aus Salzgitter-Bad ging ein alter Bekannter des Twin Cups als Gaststarter an den Start. Weinke gewann bereits 2018 die Gesamtwertung der Serie. Bemerkenswert war dabei nicht nur seine Rückkehr, sondern auch sein Arbeitsgerät: Weinke trat mit derselben Suzuki SV650 an, mit der er bereits in den frühen Jahren des Twin Cups auf der Rennstrecke unterwegs war. Dass Fahrer und Motorrad noch immer konkurrenzfähig sind, zeigte sich eindrucksvoll. Im ersten Rennen musste sich Weinke nach zwölf Runden lediglich Timo Krüger geschlagen geben. Gerade einmal 1,015 Sekunden trennten die beiden im Ziel. Andreas Enderle belegte Rang drei und fuhr mit 1:36,703 Minuten die schnellste Rennrunde.
Am Sonntag wiederholte sich die Reihenfolge auf dem Podium: Erneut gewann Krüger vor Weinke und Enderle. Dieses Mal betrug Krügers Vorsprung 2,880 Sekunden. Die schnellste Rennrunde ging mit 1:36,805 Minuten an Weinke. Damit wurde aus dem Gaststart für den Fahrer aus Salzgitter-Bad weit mehr als eine nostalgische Rückkehr: Mit seiner vertrauten Suzuki fuhr Weinke in beiden Rennen auf Gesamtplatz zwei. Weinke war dabei nicht der einzige erfahrene Pilot aus der Region im Feld. Mit der Startnummer 68 ging auch Uwe Kantimm aus Celle, ebenfalls ein langjähriges Gesicht des Twin Cups, an den Start. Der Yamaha-Pilot belegte in beiden Rennen Rang 14.

Justus Weinke aus Salzgitter (Startnummer 44) war mit seiner alten Suzuki am Start. Ebenfalls im Bild: Timo Krüger (Startnummer 28), Sascha Schoder (Startnummer 2) und Andreas Enderle (Startnummer 42). Foto: @fotobully
Der Veranstalter selbst auf der Strecke
Dass PS Track Events den Rennsport nicht nur vom Schreibtisch aus organisiert, zeigte sich in Oschersleben ebenfalls. Geschäftsführer Sascha Schoder griff selbst ins Renngeschehen ein und ging mit einer Honda CB750 Hornet an den Start. Im ersten Rennen gelang ihm dabei ein bemerkenswertes Ergebnis: Schoder brachte seine Maschine über die vollen zwölf Runden und belegte im Gesamtklassement den vierten Platz. Am Sonntag endete sein zweites Rennen dagegen vorzeitig nach sieben Runden. Damit verschwimmen beim Twin Cup die Grenzen zwischen Organisation und aktivem Motorsport. Die Verantwortlichen hinter der Serie kennen das Geschehen im Fahrerlager und auf der Rennstrecke nicht nur aus Veranstaltersicht, sondern teilweise aus dem eigenen Cockpit.
Mehr als nur ein Rennwochenende
Der Twin Cup verbindet damit professionell organisierten Motorsport mit einer vergleichsweise zugänglichen Rennserie. Für einige Fahrer kann der Cup zugleich ein Schritt auf dem weiteren Weg im Motorradrennsport sein. Nach Angaben des Veranstalters haben in den vergangenen Jahren bereits Teilnehmer den Twin Cup als Sprungbrett in höhere Rennklassen genutzt. Hinter den Rennwochenenden auf bekannten Strecken steckt damit auch ein Stück Motorsportorganisation aus der Region: Während die Fahrer um Sekunden und Positionen kämpfen, kommt ein wichtiger Teil der Arbeit hinter den Kulissen aus Meine im Landkreis Gifhorn.


