Wolfenbüttel. Der südliche Eingang in die Innenstadt könnte künftig deutlich anders aussehen. Wo heute die Lange Straße den Stadtgraben und den Harztorwallpark voneinander trennt, sehen die Experten des Freiraumentwicklungskonzepts (FREK) Möglichkeiten für einen stärker zusammenhängenden Stadtraum. Vorgeschlagen werden unter anderem eine neue Gestaltung der Straßenquerung, eine Baumallee und der Rückbau von Parkplätzen.
Das Freiraumentwicklungskonzept umfasst insgesamt 26 Steckbriefe mit Ideen und möglichen Ansätzen zur Weiterentwicklung der Grün- und Freiflächen im Stadtgebiet. Einige dieser Vorschläge haben wir bereits vorgestellt – darunter die mögliche Umgestaltung des Rosenwalls, die Entwicklungsperspektiven für die Fläche hinter dem Wettbüro am Bahnhof sowie die Ideen für den Bereich rund um Jugendgästehaus. Ein weiterer Blick richtet sich auf die Parkanlage am Harztorwall. Auch für diesen Bereich zeigen die Experten Möglichkeiten auf, wie die Fläche künftig stärker genutzt und aufgewertet werden könnte.
Nur eine Orientierungshilfe
Ob aus den Ideen tatsächlich konkrete Projekte entstehen, ist derzeit offen. Wie bei den anderen Vorschlägen aus dem FREK dienen die Überlegungen nur als Grundlage für künftige Diskussionen. Die Ideen aus dem Konzept verstehen sich also lediglich als Orientierung und keineswegs als festgelegtes Maßnahmenprogramm. Sie sollen künftig herangezogen werden, wenn in den jeweiligen Bereichen konkrete Planungen anstehen. Am Ende entscheidet die Politik darüber, ob, wann und wie einzelne Vorschläge umgesetzt werden.
Die Lange Straße soll weniger trennen
Der Steckbrief „Stadteingang Süd“ beschäftigt sich mit dem Bereich rund um den Harztorwallpark, das Lessingtheater, das Kaffeehaus und den Robert-Everlien-Platz. Die heutige Situation ist dabei auch Ergebnis einer Entwicklung aus der Vergangenheit.
Der ehemals zusammenhängende Stadtgraben wurde in den 1960er-Jahren durch den Bau der Langen Straße als zentrale Stadteinfahrt durchschnitten. Parkplätze, Zufahrten und weitere Einbauten verstärkten die Trennung. Aus einer zusammenhängenden Anlage wurden so zwei deutlich voneinander getrennte Bereiche. Nach den Vorstellungen der Experten könnte dieser Zusammenhang zumindest gestalterisch wieder stärker hergestellt werden. Die verkehrliche Erschließung der Langen Straße soll und muss dabei grundsätzlich erhalten bleiben.
Im Video: So sah es am Lessingtheater vor 100 Jahren aus
In unserer Reihe "anno dazumal zeigten wir, wie verschiedene Gebäude, Straßen und Plätze in Wolfenbüttel vor 100 Jahren ausgesehen haben. Auch den Bereich um das Lessingtheater und das Kaffeehaus stellten wir vor.
Neue Gestaltung für die Straßenquerung
Ein wichtiger Punkt ist die Verbindung zwischen den beiden Seiten der Straße. Der bestehende Ampelübergang könnte verbreitert und durch einen veränderten Fahrbahnbelag stärker in eine platzartige Situation eingebunden werden.
Auch der vorhandene Zebrastreifen soll Teil dieser Gestaltung werden. Die Platzfläche vom Lessingtheater könnte über die Straße hinweg fortgeführt werden. Dadurch soll die Querung nicht mehr allein wie ein Übergang zwischen zwei Straßenräumen wirken, sondern stärker als Verbindung zwischen den angrenzenden Grün- und Freiflächen.
Eine beidseitige Baumallee könnte zusätzlich für eine sichtbare Verbindung sorgen. Vorgesehen ist, die Bäume über den Straßenraum hinweg fortzuführen und so einen markanten Eingang in die Innenstadt zu schaffen.
Parkplätze am Robert-Everlien-Platz könnten verschwinden
Auch die Parkplatzsituation ist Teil der Überlegungen. Im Bereich des Robert-Everlien-Platzes sieht der Steckbrief einen Rückbau der bestehenden Stellplätze vor. Stattdessen könnten die Parkmöglichkeiten im Umfeld des Hotels neu geordnet und gebündelt werden.
Dadurch würde an dieser Stelle Raum für eine neue Gestaltung entstehen. Am Übergang zum Harztorwallpark könnte eine gestufte Böschung einen neuen Auftaktplatz bilden. Dieser soll als einladender Zugang zum Park dienen und gleichzeitig einen Gegenpol zu dem Platz am Stadtgraben auf der anderen Seite der Langen Straße bilden.
Auch die bestehende Bushaltestelle wird in den Überlegungen berücksichtigt. Eine Verlegung könnte geprüft werden, wenn dadurch die Gestaltung des Bereichs verbessert und klarere Raumkanten geschaffen werden könnten.
Langfristig könnte auch das Jugendzentrum verlagert werden
Noch weiter reicht eine Überlegung für das Jugendzentrum. Langfristig könnte geprüft werden, ob dieses in den Bereich des sogenannten „Trashparks“ verlagert werden könnte. Damit würden weitere Flächen für eine Neugestaltung des heutigen Bereichs frei. Auch dieser Vorschlag ist allerdings zunächst nur Bestandteil des Konzepts und keine beschlossene Maßnahme. Zumal es derzeit Sanierungspläne für das Jugendzentrum gibt.
Rund 1,7 Millionen Euro geschätzt
Für die vorgeschlagene Neugestaltung des südlichen Stadteingangs haben die Experten eine grobe Kostenschätzung vorgenommen. Rund 1,7 Millionen Euro inklusive Baunebenkosten und Mehrwertsteuer werden für die beschriebenen Maßnahmen angesetzt. Der Steckbrief „Stadteingang Süd“ hat im Freiraumentwicklungskonzept die Priorität A erhalten. Das bedeutet jedoch nicht, dass die beschriebenen Veränderungen nun umgesetzt werden. Ob überhaupt Maßnahmen folgen und wie diese gegebenenfalls aussehen könnten, muss zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.

