Region. Ein Drittel der 284 befragten Unternehmen im Wirtschaftsraum Braunschweig-Wolfsburg plant, seinen Personalbestand zu reduzieren. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern Braunschweig und Lüneburg-Wolfsburg für das dritte Quartal 2026 hervor.
Wie viele Arbeitsplätze tatsächlich wegfallen könnten, lässt sich aus den Ergebnissen nicht ableiten. Auch eine statistisch belastbare Aufschlüsselung nach einzelnen Städten und Landkreisen ist laut IHK Braunschweig nicht möglich. Ob beispielsweise Braunschweig, Salzgitter oder die Landkreise Peine und Wolfenbüttel besonders stark betroffen wären, bleibt deshalb offen.
Industriebetriebe blicken pessimistisch in die Zukunft
Der regionale Konjunkturklimaindikator erreichte im dritten Quartal 80 Punkte und verbesserte sich damit gegenüber dem Sommer lediglich um einen Zähler. Die neutrale Marke von 100 Punkten wird bereits seit mehr als vier Jahren unterschritten. Besonders deutlich verschlechterte sich die Stimmung in der Industrie, wo der entsprechende Wert von 83 auf 74 Punkte zurückging.
Bei der Bewertung ihrer aktuellen Geschäftslage zeigen sich die Unternehmen zwar etwas zufriedener als im Vorquartal, für die kommenden Monate überwiegt jedoch die Skepsis. 41 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung, nur zehn Prozent erwarten bessere Geschäfte. Im Vorjahresquartal hatten noch 35 Prozent eine negative Entwicklung vorausgesehen.
Auch im Vergleich zum niedersächsischen Durchschnitt schneidet die Region schlechter ab. Landesweit stieg der Konjunkturindikator laut einer am 9. Oktober veröffentlichten Umfrage der IHK Niedersachsen von 84 auf 87 Punkte. An dieser Erhebung hatten sich 1.958 Unternehmen beteiligt.
Zu den größten Belastungen zählen nach Einschätzung der Kammern hohe Energie- und Arbeitskosten, eine schwache Nachfrage sowie wirtschaftspolitische Unsicherheiten. Hinzu kommen die Veränderungen in der Automobilindustrie, deren Auswirkungen auch Zulieferer und andere Wirtschaftszweige zu spüren bekommen.
Dr. Florian Löbermann, Hauptgeschäftsführer der IHK Braunschweig, hält deshalb grundlegende Reformen für notwendig. „Die Konjunkturdaten machen Mut, ersetzen aber keine grundlegenden Reformen, um die strukturellen Probleme anzugehen und eine Trendwende zu ermöglichen“, erklärt er gegenüber regionalHeute.de.
Fast jedes dritte Unternehmen will weniger investieren
Die zurückhaltenden Geschäftserwartungen wirken sich auf die Investitionsbereitschaft aus. Nach Angaben der IHK wollen 31 Prozent der befragten Betriebe ihre Ausgaben reduzieren. Weitere 41 Prozent rechnen mit unveränderten Budgets, während 28 Prozent höhere Investitionen vorsehen.
Die geplanten Anschaffungen dienen überwiegend dem Ersatz veralteter Maschinen oder der Senkung betrieblicher Kosten. Erweiterungen bestehender Produktionskapazitäten und die Entwicklung neuer Produkte spielen dagegen eine untergeordnete Rolle.
Ob Unternehmen angesichts der schwierigen Wirtschaftslage Produktionsbereiche oder ganze Standorte verlagern möchten, ist der IHK nicht bekannt. Das niedersächsische Wirtschaftsministerium verweist auf Anfrage von regionalHeute.de allerdings auf die bereits angekündigten Beschäftigungs- und Kapazitätsanpassungen bei Volkswagen. Auch in Teilen der Automobil- und Zulieferindustrie seien Restrukturierungsprozesse bekannt.
Die Landesregierung stehe deshalb im engen Austausch mit betroffenen Unternehmen, Betriebsräten, Gewerkschaften und Kommunen. Für die Chemie- und Papierindustrie liegen dem Ministerium hingegen derzeit keine konkreten Erkenntnisse über geplante Stellenreduzierungen, Investitionskürzungen oder Standortverlagerungen in Südostniedersachsen vor.
Rund sechs Millionen Euro für regionale Unternehmen bewilligt
Welche finanziellen Mittel Niedersachsen zur Unterstützung der regionalen Wirtschaft bereitgestellt hat, geht aus einer weiteren Antwort des Wirtschaftsministeriums hervor. Demnach wurden 2025 und 2026 im Rahmen der Förderprogramme „Niedersachsen Invest EFRE“ und „Niedersachsen Invest GRW“ insgesamt rund 6,04 Millionen Euro für Investitionsvorhaben von 16 kleinen und mittleren Unternehmen bewilligt.
Den größten Anteil erhielt der Landkreis Goslar mit rund 3,79 Millionen Euro. Zu den geförderten Betrieben gehören die Böhm Feinmechanik und Elektrotechnik Betriebs-Gesellschaft mbH mit 1,55 Millionen Euro sowie die Baumschwebebahn Bad Harzburg GmbH, für die 750.000 Euro bewilligt wurden.
Im Landkreis Helmstedt betrug das Fördervolumen rund 1,36 Millionen Euro. Davon entfielen 311.310 Euro auf die Amino GmbH. Weitere Mittel gingen nach Braunschweig (464.000 Euro), in den Landkreis Peine (rund 261.000 Euro) und nach Salzgitter (160.000 Euro). In Wolfsburg sowie den Landkreisen Gifhorn und Wolfenbüttel wurden im betrachteten Zeitraum keine Projekte über die beiden Programme unterstützt.
Insgesamt ist mit den geförderten Vorhaben nach Ministeriumsangaben ein Investitionsvolumen von rund 26,4 Millionen Euro verbunden. Die Projekte sollen zur Schaffung von 58,5 zusätzlichen Arbeitsplätzen beitragen und mehr als 131 bestehende Stellen sichern. In welchem Umfang diese Beschäftigungseffekte bereits eingetreten sind, geht aus der Stellungnahme nicht hervor.
Wirtschaftsministerium verweist auf bestehende Hilfen
Neben finanziellen Zuschüssen setzt Niedersachsen auf Beratungs- und Qualifizierungsangebote. Insbesondere Unternehmen der Automobil- und Zulieferindustrie sollen dadurch neue Geschäftsfelder erschließen und ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern können.
Unterstützung erhalten sie unter anderem durch die Automotive Agentur Niedersachsen und die Transformationsagentur Niedersachsen. Beide Einrichtungen begleiten Betriebe bei Innovationsvorhaben, der Entwicklung neuer Produkte und dem Zugang zu Fördermitteln. Nach Auskunft des Ministeriums besteht über die Automotive Agentur auch ein direkter Austausch mit der IAV am Standort Gifhorn.
Für energieintensive Branchen wie die Stahl- und Chemieindustrie verweist die Landesregierung zudem auf Innovationsförderprogramme und die Begleitung größerer Transformationsvorhaben. Bei wettbewerbsfähigen Energiepreisen, dem Bürokratieabbau und schnelleren Genehmigungsverfahren sieht sie allerdings auch den Bund und die Europäische Union in der Verantwortung.
Viele Unterstützungsangebote könnten Unternehmen bereits nutzen. Weitere Verbesserungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien dagegen teilweise von Entscheidungen auf Bundes- und EU-Ebene abhängig und würden sich daher erst schrittweise auswirken. Wann daraus konkrete Entlastungen für die regionale Wirtschaft entstehen, lässt das Ministerium offen.
Konkrete Beschäftigungsziele bis 2027 fehlen
Auf die Frage, an welchen messbaren Ergebnissen sich der Erfolg der Landesregierung bei der Sicherung von Investitionen und Arbeitsplätzen in Südostniedersachsen bis Ende 2027 überprüfen lassen soll, nennt das Wirtschaftsministerium keine regionalen Zielwerte.
Stattdessen verweist es auf die günstigeren gesamtwirtschaftlichen Aussichten. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen für Deutschland im laufenden Jahr mit einem Wachstum von 1,3 Prozent. Niedersachsen verzeichnete nach vorläufigen Angaben des Landesamtes für Statistik im ersten Halbjahr 2026 einen preisbereinigten Anstieg der Wirtschaftsleistung um ein Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Wie viele Beschäftigungsverhältnisse durch die Maßnahmen des Landes in Südostniedersachsen langfristig erhalten oder neu geschaffen werden können, lässt sich aus diesen Wachstumszahlen allerdings nicht ableiten.

