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Erster GRÜNEN-Dialog: Pro und Contra der Fahrradzone „Okerumflut“

Alle Parteien konnten ihre Meinung sachlich vortragen.

von Anke Donner


Geschäftsmann Harald Borm, Pierre Balder (FDP), Thilo Neumann (ADFC) und Stefan Brix und Ulrike Krause (Grüne) diskutierten am Donnerstagabend über das Pro und Contra einer Fahrradzone. Moderiert wurde der Dialog, der live über das Internet ausgestrahlt wurde, von Werner Heise.
Geschäftsmann Harald Borm, Pierre Balder (FDP), Thilo Neumann (ADFC) und Stefan Brix und Ulrike Krause (Grüne) diskutierten am Donnerstagabend über das Pro und Contra einer Fahrradzone. Moderiert wurde der Dialog, der live über das Internet ausgestrahlt wurde, von Werner Heise. Foto: Anke Donner

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04.09.2020

Wolfenbüttel. Zum ersten GRÜNEN-Dialog lud am Donnerstagabend die Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen ein. Gemeinsam mit Pierre Balder (FDP), Einzelhändler Harald Borm (Erdbrink & Vehmeyer) und Thilo Neumann (ADFC Wolfenbüttel) diskutierten Ulrike Krause (Fraktionsvorsitzende der Grünen) und Stefan Brix (stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen) über das Pro und Contra einer Fahrradzone „Okerumflut“.


Zur Erklärung: Bei dem Bereich "Okerumflut" handelt sich hauptsächlich um die Straßenzüge Schulwall, Harztorwall, Lange Herzogstraße, Breite Herzogstraße, Rosenwall und Schiffwall. Mit ihrem Antrag, über den am 8. September im Ausschuss für Bau, Stadtentwicklung und Umwelt beraten wird, möchten die Grünen bewirken, dass den Radfahrern mehr Raum eingeräumt wird und Autofahrer nicht weiter die Straßen der Innenstadt "beherrschen". 70 Jahre habe man das Auto gefördert, nun seien auch andere Verkehrsteilnehmer dran, waren sich Brix und Krause einig und erörterten ihren Antrag. Laut Bündnis 90/Die Grünen würde sich bei einer Fahrradzone für den Kraftverkehr nicht wirklich viel ändern. Tempo-30-Zonen würde es im ohnehin fast überall geben und Fahrradfahrer dürften bei Gegenverkehr auch jetzt schon nicht überholt werden, da dann der Mindestabstand nicht eingehalten werden könne. Für den Radverkehr aber würde das Sicherheitsgefühl wachsen, da er konkret immer Vorrang habe. Radler dürften dann auch explizit nebeneinander fahren.


Die grün markierten Bereiche sollten laut Antrag der Grünen Fahrradzone werden. Foto: Grüne Stadtratsfraktion Wolfenbüttel



Brix und Krause machten während der sachlichen Diskussion immer wieder deutlich, dass es nicht das Ansinnen der Grünen sei, den Autoverkehr komplett aus der Innenstadt zu verbannen. Vielmehr ginge es darum, mehr Rücksicht unter allen Verkehrsteilnehmern zu erzeugen und so für eine gewisse Entspannung zu sorgen, betone Ulrike Krause. "Wenn wir alle mehr Rücksicht und Nachsicht aufeinander nehmen, dann würden wir uns ja gar nicht stören im öffentlichen Raum. Und das erwarte ich einfach auch von dem klassischen Autofahrer", machte Ulrike Krause deutlich. Zudem soll mehr Aufenthaltsqualität und Entschleunigen im Innenstadtbereich geschaffen werden und den einen oder anderen Bürger dazu bewegen, einmal mehr das Rad zu benutzen.

Einer Innenstadt, in der Fahrradfahrer Vorrang haben, oder zumindest gleichberechtigt sind, standen an diesem Abend Harald Borm (Erdbrink & Vehmeyer) und Pierre Balder (FDP) skeptisch gegenüber. Borm betonte, dass er die Idee der Grünen grundsätzlich für eine gute hielte, dennoch aber einige Gefahren für die Verkehrsteilnehmer und Nachteile für den Handel sehe. Gerade die Tatsache, dass Radfahrer nebeneinander fahren dürften, sei laut Borm eine Gefahrenquelle und ein zusätzliches Hindernis. Das Argument Borms, weniger oder keine Autos, würden dem Handel schaden, konnte Thilo Neumann vom ADFC Wolfenbüttel entkräften. Er erklärte, dass ein Test in Hannover ergeben hatte, dass genau das Gegenteil der Fall sei.


Sachlich sprachen Harald Borm, Pierre Balder, Thilo Neumann, Stefan Brix und Ulrike Krause über das Für und Wider einer Fahrradzone. Foto: Anke Donner



Nicht nur der Handel und die Sicherheit würden leiden, so Balder, auch das mühsam erarbeitete Stadtbuskonzept würde seiner Meinung nach dadurch ins Schwanken geraten, so Balder. Am Ende des Dialogs konnte Balder für sich feststellen: "Überzeugen konnte mich das jetzt nicht. Ich bleibe dabei, dass ich gerade diese Entschleunigung als Problem sehe. Gerade für den ÖPNV", schloss er.

Während des Dialogs, der über unsere Online-Tageszeitung und über die Internetseite der Grünen Stadtratsfraktion ausgestrahlt wurde, konnten die Zuschauer Fragen stellen oder Anregungen geben. So schlug ein Zuschauer vor, die Fahrradzone in einer Pilotphase zu testen. Dies würde dann möglicherweise zu einer höheren Akzeptanz führen. "Man muss es sogar in einem Pilotprojekt einrichten, weil es die derzeitigen Regelungen der Straßenverkehrsordnung nicht zulassen, eine Fahrradzone in der Form einzurichten, wie wir uns das wünschen", so Brix und merkte an, dass man das auch so im Antrag formuliert habe.

Den GRÜNEN-Dialog gibt es hier noch einmal zum Anschauen.

Der GRÜNE-Dialog geht weiter. Die Fraktion plant weitere Diskussionsrunden zu verschiedenen Themen im selben Format.


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