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Gesamtschulen: Kreis will Schulträgerschaft nicht abgeben

von Jan Borner


Um die Schulträgerschaft der Wolfenbütteler Schulen möglichst in einer Hand zu vereinigen, möchte die Stadt Wolfenbüttel die Trägerschaft der beiden Integrierten Gesamtschulen übernehmen. Symbolfoto: Archiv
Um die Schulträgerschaft der Wolfenbütteler Schulen möglichst in einer Hand zu vereinigen, möchte die Stadt Wolfenbüttel die Trägerschaft der beiden Integrierten Gesamtschulen übernehmen. Symbolfoto: Archiv Foto: Anke Donner

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18.03.2016




Wolfenbüttel. Der Rat der Stadt Wolfenbüttel hat kürzlich aufgrund eines Antrages der CDU-Fraktion beschlossen, die Übernahme der Trägerschaft der beiden Integrierten Gesamtschulen "Henriette-Breymann-Gesamtschule und "IGS Wallstraße" zu beantragen (regionalHeute.de berichtete). Landrätin Christiana Steinbrügge äußert sich nun in einer Pressemitteilung zu dieser Entscheidung und erklärt, dass der Landkreis weiterhin Schulträger für die beiden Schulen bleiben möchte.

Um die Schulträgerschaft der Wolfenbütteler Schulen möglichst in einer Hand zu vereinigen, möchte die Stadt Wolfenbüttel nun die Trägerschaft der beiden Integrierten Gesamtschulen übernehmen. Während die Stadtratsfraktionen von CDU und den Grünen darin vor allem Planungsvorteile für den Schulstandort Wolfenbüttel sehen, ging Rudolf Ordon von der FDP in der jüngsten Sitzung des Stadtrates auch so weit zu sagen, dass der Landkreis gezeigt habe, "dass er Schulpolitik nicht kann“. Deswegen sei es wichtig, so der Schulleiter des Theodor-Heuss-Gymnasiums, die Hoheit und somit die Trägerschaft über die Schulen zu erlangen. Die SPD-Fraktion sprach sich allerdings gegen die Übernahme der Schulträgerschaft der beiden Gesamtschulen aus, unter anderem auch um das Verhältnis zwischen Landkreis und Stadt nicht zu verschlechtern. Wie Dörthe Weddige-Degenhardt von der SPD-Fraktion bereits erklärte, wolle der Landkreis nämlich die Trägerschaft der Schulen behalten. Da man bezüglich der Schulpolitik auch weiterhin auf den Landkreis angewiesen sei, so Dörthe Weddige-Degenhardt, „sollte man die Zusammenarbeit nicht auf’s Spiel setzen“.


Landrätin Christiana Steinbrügge. Foto:


"Wir werden dem Vorhaben der Stadt, sich 'ins gemachte Nest legen zu wollen' nicht entgegenkommen"


Nachdem die Stadt nun beschlossen hat, die Schulträgerschaft bei der Landesschulbehörde zu beantragen, äußert sich auch Landrätin Christiana Steinbrügge zu dem Beschluss. Sie erklärt: "Aus mehreren guten, sachlichen Gründen lehnt der Landkreis das Ansinnen der Stadt Wolfenbüttel ab." Die Pressemitteilung der Kreisverwaltung soll an dieser Stelle ungekürzt und unkommentiert veröffentlicht werden:
Landkreis will weiterhin Schulträger für Integrierte Gesamtschulen bleiben


Der Rat der Stadt Wolfenbüttel hat in der Sitzung vom 16.März beschlossen, die Übernahme der Trägerschaft der beiden Integrierten Gesamtschulen Henriette Breymann und Wallstraße zu beantragen.
Dazu stellt Landrätin Christiana Steinbrügge fest:
• Wir bewerten es als Kompliment, dass die Stadt jetzt, da sie sieht, dass die IGS’en auf große Nachfrage stoßen und gute Arbeit leisten, die Trägerschaft für diese Schulform übernehmen will. Zeigt das Begehren der Stadt Wolfenbüttel, dass der Landkreis in den letzten Jahren auch in der Schulpolitik die richtigen Akzente gesetzt hat.
• Aus mehreren guten, sachlichen Gründen lehnt der Landkreis das Ansinnen der Stadt Wolfenbüttel ab:
• Der Landkreis Wolfenbüttel ist gemäß Schulgesetz der „geborene“ Schulträger für sein Gebiet. Er hat die Aufgabe, für ein regional ausgeglichenes Bildungsangebot zu sorgen.
• Der Landkreis übernimmt Verantwortung für das Bildungsangebot im gesamten Landkreis, nicht nur für einzelne Räume. Er hat eine Ausgleichsfunktion und sorgt dafür, dass die Belange aller kreisangehörigen Gemeinden adäquat berücksichtigt werden.
• Der Landkreis hat die Schulform IGS bereits frühzeitig gefördert, weil er erkannt hat, dass sie für Eltern und Kinder attraktiv ist: keine frühe Selektion, stattdessen längeres gemeinsames Lernen, gezielte Förderung durch differenzierten Unterricht, dadurch sehr gute Entwicklungsmöglichkeiten, ganztägige Betreuung der Schülerinnen und Schüler.
• Der Landkreis hat in den letzten fünf Jahren für die beiden Gesamtschulen rund 23 Millionen Euro ausgegeben, rund 14 Millionen Euro für Investitionen und cirka 9 Millionen Euro für Personal, Ausstattung, Abschreibungen und sonstige laufende Kosten. Damit hat der Landkreis die Gesamtschulen für den Ganztagsbetrieb hervorragend ausgestattet.
• Aktuell geplant ist der Neubau eines Oberstufen-Campus für die beiden IGS‘en auf dem Gelände der Schule am Teichgarten für weitere 5 Millionen Euro. Damit bleibt der Landkreis konsequent bei seiner Linie: Zu einer vollwertigen IGS gehört auch eine Oberstufe.
• Es geht bei der Frage nicht um städtische Interessen, sondern um die Interessen des gesamten Landkreises. Denn die IGS-Schülerinnen und Schüler kommen zu knapp 60 Prozent aus dem Landkreis. Auch aus diesem Grund sollte die Trägerschaft der Schule beim Landkreis bleiben.
• Der Landkreis Wolfenbüttel versteht sich als Bildungslandkreis und verfolgt das Ziel eines bedarfsgerechten, vielfältigen und hochwertigen Bildungsangebotes, um Bildungschancen für alle zu ermöglichen. Diese erfolgreiche Bildungspolitik werden wir fortsetzen.
Aus den genannten Gründen wollen wir, dass die Integrierten Gesamtschulen Henriette Breymann und Wallstraße in Trägerschaft des Landkreises bleiben und sehen der Entscheidung der Landes-schulbehörde mit Interesse entgegen.
Selbst wenn die Landesschulbehörde dem Ansinnen der Stadt nachgeben sollte, stehen harte Gespräche an. Der Landkreis ist erheblich in Vorleistung getreten. Zum einen ginge es dann um den Ausgleich der getätigten Investitionskosten, zum anderen um eine faire Aufteilung der laufenden Kosten. Wir werden dem Vorhaben der Stadt, sich „ins gemachte Nest legen zu wollen“ nicht entgegenkommen.
Wolfenbüttel, 18. März 2016

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