Gifhorn. Die Warnschilder sind inzwischen entlang von Wäldern keine Seltenheit mehr. Der Eichenprozessionsspinner hat sich ordentlich breitgemacht – auch in der hiesigen Region. Der Landkreis Gifhorn sei gar besonders betroffen, erklärt Landtagsabgeordnete Lena-Sophie Laue (CDU), die mit einer Anfrage von der Landesregierung genauere Zahlen und mehr zu entsprechenden Maßnahmen erfahren wollte.
Die jetzt vorliegende Antwort fällt zumindest für die Abgeordnete enttäuschend aus. Die Landesregierung erklärt darin, dass ihr weder belastbare oder repräsentative Daten zur Entwicklung des Eichenprozessionsspinnerbefalls in Niedersachsen insgesamt noch im Landkreis Gifhorn für die vergangenen fünf Jahre vorliegen.
Eichenprozessionsspinner breitet sich aus
Nur für die Bereiche entlang der Bundes- und Landesstraßen liegen demnach Erkenntnisse vor. Und für die "wurde festgestellt, dass der Befall mit dem Eichenprozessionsspinner in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich" gestiegen sei. "Auch im Landkreis Gifhorn ist in den vergangenen Jahren eine zunehmend stärkere Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners entlang der Bundes- und Landesstraßen festzustellen. Der Befall hat sich räumlich ausgeweitet, während gleichzeitig die Anzahl betroffener Bäume und Standorte angestiegen ist", heißt es in der Antwort der Landesregierung.
Gesundheitliche Auswirkungen: Keine Fallzahlen
Zu gesundheitlichen Auswirkungen dieses Anstiegs der kleinen Raupen hat die Landesregierung kaum etwas vorzulegen. Entsprechende Fälle werden jedenfalls nicht gesondert erfasst. Schließlich gebe es auch keine entsprechende Diagnose.
„Die Landesregierung bestätigt selbst, dass der Befall entlang der Bundes- und Landesstraßen in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Auch im Landkreis Gifhorn haben sich die betroffenen Bereiche ausgeweitet und die Zahl befallener Bäume und Standorte ist gestiegen. Trotzdem gibt es bis heute keine belastbaren landesweiten Daten zur Entwicklung“, lautet die Kritik an der Landesregierung, die Laue jetzt äußert. Gerade im Landkreis Gifhorn sei das Problem seit Jahren bekannt. Besonders im Raum
Rühen, Parsau und Kaiserwinkel würden Kommunen und Anwohner regelmäßig mit einem starken Befall kämpfen.
Kommunen müssen den Befall bekämpfen
Für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners sind meist die Kommunen zuständig. Diese werden dafür keine finanzielle Unterstützung aus Hannover bekommen, teilt die Landesregierung mit. Dort heißt es: "Die Landesregierung plant keine finanzielle Unterstützung der Kommunen für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners. Die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners auf öffentlichen Flächen fällt in die Verkehrssicherungspflicht der Kommunen und damit in die kommunale Selbstverwaltung."
Auch das zieht Kritik der Landtagsabgeordneten aus Gifhorn nach sich. Laue meint: „Wenn unsere Kommunen Jahr für Jahr erhebliche Summen für die Bekämpfung aufbringen müssen, reicht es nicht, ihnen zu erklären, wie sie damit umgehen sollen.“ Dass finanzielle Unterstützung möglich sei, zeige das Beispiel Sachsen-Anhalt, das Laue anführt. Dort habe das Land 2026 eine Million Euro für Bekämpfungsmaßnahmen bereitgestellt. Laue fordert deshalb eine finanzielle Unterstützung besonders stark betroffener Kommunen sowie eine bessere landesweite Datengrundlage: „Die Kommunen handeln längst. Wenn sich der Eichenprozessionsspinner immer weiter ausbreitet, muss auch Niedersachsen seinen Teil dazu beitragen.“

