Gifhorn. Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen lädt das NETZwerk GEGEN häusliche und sexuelle Gewalt ein, sich als Zeichen gegen Gewalt an Frauen unter der Fahne „Frei leben - ohne Gewalt“ zu versammeln.
Im Vorfeld der Theateraufführung „Sex-is-mus(s)“ wurde auf dem Schlosshof die Fahne „Frei leben ohne Gewalt!“ gehisst. Sie soll Passant/-innen darauf aufmerksam machen, dass Alltagssexismus und Gewalt gegen Frauen in häufig hohem Maße tagtäglich zu ihrer Lebenswirklichkeit gehört. Die Fahnenaktion findet seit 2001 statt. „Dass psychische oder physische Gewalt bis hin zur Prostitution zum Alltag vieler Menschen gehört – und hier zu einem sehr hohen Maße bei Frauen – ist beschämend für eine hochmoderne Gesellschaft wie der unsrigen. Es ist längst überfällig, dass hier deutliche Grenzen gesetzt werden. Und die sind erst sichtbar, wenn wir diesen Gedenktag nicht mehr brauchen!“ – so Landrat Andreas Ebel. Dazu braucht es ein gutes Hilfesystem, aber auch die Courage der ganzen Gesellschaft. “Das ist auch eine Frage der Haltung jedes einzelnen hierzu. Und die sollte sich jeder immer wieder stellen und für sich mit einem klaren Nein gegen jede Form von Gewalt beantworten!“
Die Situation in Zahlen:
Die Situation im Bereich der häuslichen/sexuellen Gewalt bei der Polizeiinspektion und den Gewaltberatungsstellen im Landkreis Gifhorn sah in 2016/2017 wie folgt aus:
Frauenhaus Gifhorn:
Bewohnerinnen 2017: bisher 23 Bewohnerinnen, davon 14 mit Migrationshintergrund und mit oft sehr wenig Sprachkenntnissen. Ohne Kinder kamen 7 Frauen, alle anderen mit einem Kind bis zu 4 Kindern. Auch ambulante Kontakte prägen den Alltag der Sozialarbeiterinnen des Frauenhauses: 79 Frauen mit insg. 119 Kontakte wurden beraten.
Biss –Beratungsstelle:
In 2017: bis Mitte November waren es 102 Fälle, die Unterstützungs- und Beratungsbedarf hatten.
Polizeiinspektion Gifhorn
Häusliche Gewalt -Erläuterungen
Nach einem Abwärtstrend der Fallzahlen in den Jahren 2013 und 2014 stiegen auch die Fallzahlen der „Häuslichen Gewalt“ in 2015 und 2016, parallel zu den Rohheits- und Körperverletzungsdelikten, an. Dieser Trend ist mit Stand November 2017 wieder rückläufig: Rohheitsdelikte -19,2%, Körperverletzungsdelikte -22,35%, Fälle mit häuslicher Gewalt -16,5%.
Von den z.Zt. 157 Fällen „Häuslicher Gewalt“ sind 125 Fälle bei den Körperverletzungen, die unter die Rohheitsdelikte fallen, angesiedelt. Insbesondere im Hinblick auf die Weihnachtsfeiertage, zu denen allgemein ein Anstieg häuslicher Gewalt zu beobachten ist, dürfte eine Prognose von zirka 180 Fällen mit „HG“ am Jahresende realistisch und somit im Bereich der Fälle von 2012 und 2015 angesiedelt sein.
Anteil Opfer gesamt:
weiblich männlich
2014 78,91% 21,09%
2015 76,80% 23,20%
2016 74,30% 25,14%
2017 70,48% 29,51%
Zahl der weibl. Opfer kontinuierlich rückgängig – der männlichen Opfer kontinuierlich ansteigend!
Anteil Tatverdächtige gesamt:
weiblich männlich
2014 14,10% 85,90%
2015 22,95% 77,05%
2016 20,44% 79,56%
2017 22,3% 77,7%
Die Anzahl der weibl. sowie der männlichen TV sind in ihrem jeweiligen Segment leicht schwankend und befindet sich, wie die Anzahl der Gesamtfälle auf dem Niveau der Jahre 2012 und 2015. Jedoch überwiegt die Anzahl der männlichen Täter deutlich.
Alle Hilfs- und Beratungsangebote bei sexueller und/ oder häuslicher Gewalt sind zu finden auf der Internetseite www.gegen-häusliche-sexuelle-gewalt.de
Am Dienstag, 28. November, 19 Uhr laden die Akteure zum Theaterstück „Sex-is-mus(s) ein. Es umreißt umfassend das Thema Sexismus in all seinen Facetten mit seinen manifestierten Prägungen, die als selbstverständlich, normal oder geschlechtsspezifisch in unserer Gesellschaft immer noch auftreten.
Weitere Informationen sind erhältlich bei der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Gifhorn unter Tel. 05371/82386.

