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Gleichgeschlechtliche Ampelpärchen - Tolle Idee oder reine Geldverschwendung?

Das sagen die Fraktionen.

von Marvin König


Wird es solche Ampeln demnächst auch in Braunschweig geben? (Symbolbild)
Wird es solche Ampeln demnächst auch in Braunschweig geben? (Symbolbild) Foto: pixabay

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23.06.2020

Braunschweig. Bis zum Sommerlochfestival im August sollen auf mehreren Ampeln in der Braunschweiger Innenstadt gleichgeschlechtliche Paare statt der gewöhnlichen Ampelmännchen realisiert werden. Ein entsprechender Antrag der Grünen soll noch am heutigen Dienstag im Bezirksrat Innenstadt behandelt werden. Für richtig viel Begeisterung sorgt die Idee nicht bei allen Fraktionen. Nicht etwa wegen der Ablehnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, sondern zumeist aus rein pragmatischen Gründen.


Die BIBS-Fraktion, die im Stadtbezirksrat Innenstadt mit Fritz Walz vertreten ist, ist nicht grundsätzlich dagegen, findet die Idee nur nicht wirklich originell. Köln, Marburg, München und Wien haben das Projekt mit den gleichgeschlechtlichen Paaren auf Fußgängerampeln bereits behandelt. Walz spricht sich für eine Alternative mit mehr Lokalbezug aus: So wie in Mainz die Mainzelmännchen und in Hameln der Rattenfänger auf verschiedenen Ampeln den Weg leuchten, soll in Braunschweig jeweils ein stehender und springender Löwe die Ampeln zieren. Die Idee der Löwenampel wird auch von der Borek Stiftung, der Öffentlichen Versicherung Braunschweig und der Braunschweiger Verkehrswacht unterstützt. Die BIBS-Fraktion hat einen Änderungsantrag zugunsten des Ampellöwen in den Bezirksrat eingebracht.

Sexualität der Ampelmännchen bleibt ein Geheimnis


Die FDP-Fraktion unterstützt das Ziel, mehr Akzeptanz für sexuelle Vielfalt und geschlechtliche Identität zu schaffen, hält "Ampelpärchen" dafür aber für reichlich ungeeignet, da diese nicht dazu beitrügen, mehr Akzeptanz zu schaffen. Mathias Möller, Mitglied im Stadtbezirksrat Innenstadt dazu: "Für den konkreten Fall der gleichgeschlechtlichen Ampelmännchen glauben wir, dass diese Idee zwar gut gemeint ist, aber eher Unverständnis und Ablehnung erzeugt und vielleicht sogar auf manchen provozierend wirkt. Es handelt sich um eine symbolische Handlung, die nicht mit Informationen oder Aufklärungsarbeit verbunden ist und so den einen oder anderen Bürger mit seinen Fragen oder gar Ressentiments alleine lässt." Zudem sei in den bestehenden Ampelmännchen keine Diskriminierung zu erkennen, die es zu beheben gelte: "Ampelmännchen sind Einzelpersonen - ob sie homo-, hetero- oder asexuell sind, bleibt ihr Geheimnis."

"Es gibt Wichtigeres"


Die AfD verweist ebenfalls darauf, dass die Idee bereits aus anderen Städten bekannt sei, sodass sie weder originell noch unterhaltsam wirken könne. "Die Grünen betreiben hier tatsächlich nur eine Spaßidee, um bei einer ihrer Zielgruppen einige Pluspunkte einzufahren. Tatsächlicher Inhalt dieser Aktion wäre aber nicht vorhanden", meint Stefan Wirtz, Vorsitzender der AfD-Fraktion im Rat der Stadt Braunschweig und weist außerdem auf den unnötigen Kostenfaktor hin: "Es ist unverständlich, warum ein solcher Aufwand finanziert werden muss für einen geringen kurzfristigen Effekt, während gleichzeitig über die dauerhafte Schließung der Ortsteilbüchereien nachgedacht wird.
Wir sollten alle Wichtigeres zu tun haben als Spielereien mit Ampellichtern."

Regenbogenflagge auf dem Europaplatz


Die Linke hielt sich insgesamt eher kurz, ließ aber mitteilen, dass man die Idee unterstütze. Die Fraktion P2 aus der Piratenpartei und der Partei "Die Partei" begrüße, so Ratsherr Maximilian P. Hahn, den Antrag ausdrücklich: „Wir brauchen generell mehr Sichtbarkeit von Vielfalt, gleichberechtigter Teilhabe und unterschiedlichen Lebensformen in der Öffentlichkeit. Aus Angst vor Anfeindungen trauen sich viele dies immer noch nicht zu zeigen. Wenn diese Ampelpiktogramme dazu beitragen können, auch im Verkehr zu zeigen, dass die Stadt Braunschweig zu ihrer Vielfalt steht, dann ist damit wieder ein kleiner Schritt zu einer aufgeklärteren Gesellschaft getan. Und vielleicht geht einigen ja ein Licht auf, das zum Überdenken der eigenen Position anregt."

Der Ratsherr betont, dass diese Idee außerdem hervorragend den Antrag seiner Fraktion auf eine Regenbogenflagge auf dem Europaplatz ergänzen würde: "Bei den dort stehenden Masten ist ja jetzt ein Platz frei, sodass wir die Gelegenheit nutzen, auch an diesem Platz die Verbundenheit und Hoffnung der Stadt nach einem vielfältigen friedlichen Miteinander überall ausdrücken wollen. Gerade in Zeiten, die von Unsicherheit, Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung geprägt sind, würde dies ein klares, sichtbares und hoffnungsvolles Zeichen des Rates und der Stadt in das zukünftige Europa setzen!“

Integration von queerem Leben ins Stadtbild


Die SPD in Braunschweig leitete die Anfrage unserer Online-Zeitung gar an die Braunschweiger Landtagsabgeordnete Annette Schütze weiter. Sie befürworte diese Idee ebenfalls: "Die Ampelaktion setzt ein wichtiges Zeichen für Akzeptanz und integriert queeres Leben sichtbar ins Stadtbild. Als Vorsitzende des Sozialausschusses der SPD-Ratsfraktion begrüße ich den Vorstoß der Grünen zur temporären Umgestaltung einzelner, zentraler Ampeln im Stadtgebiet", so die Landtagsabgeordnete. Sie erinnert: "Die Braunschweigerinnen und Braunschweiger feiern mit dem Sommerlochfestival als zentralem Event und jährlichem Höhepunkt seit 1996 die Vielfalt, die unsere Gesellschaft ausmacht und belebt."

Die CDU-Fraktion äußerte sich auf Anfrage nicht zum Antrag der Grünen. Der Antrag der Grünen, sowie der Ergänzungsantrag der BIBS-Fraktion zu den Ampellöwen werden am heutigen Dienstag um 19 Uhr im Stadtbezirksrat Innenstadt besprochen.


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