Goslar. Vor vier Jahren hatten sie zuletzt groß und bundesweit für Aufsehen gesorgt, jetzt legen sie zum Unesco-Welterbetag am morgigen 7. Juni nach. Denkmalschützer Henning Frase und die Initiativgruppe Altstadt Goslar mit Unterstützung der World Heritage Watch Berlin formulieren in einem offenen Brief Forderungen, die die Goslarer Altstadt betreffen.
Der Vorwurf, den der Architekt Frase schon 2022 formuliert hatte, lautet in etwa: Goslar lässt die Bauten der Altstadt, die seit 1992 zum Weltkulturerbe gehören, verfallen. In dem am heutigen Samstag veröffentlichten offenen Brief, der unter anderem an den Ministerpräsidenten Olaf Lies, Wissenschaftsminister Falko Mohrs, aber auch den Unesco-Generaldirektor Khaled El-Enany und das Auswärtige Amt adressiert ist, untermauert die Initiativgruppe Altstadt Goslar diese Vorwürfe.
"Defizite im Erhalt der historischen Gebäudesubstanz"
So heißt es in dem von 72 Personen namentlich unterzeichneten Brief: "Trotz bestehender Instrumente zeigen sich seit Jahren Defizite im Erhalt der historischen Gebäudesubstanz, im Straßenbau und in der technischen Infrastruktur. Hinzu kommen eine unzureichende personelle Ausstattung im Denkmalschutz, lange Bearbeitungszeiten und fehlende fachliche Kontinuität."
Andere Welterbe-Städte wie Quedlinburg, Bamberg, Regensburg oder Stralsund/Wismar seien in der Beziehung deutlich weiter. Dort sei das Welterbe "in der kommunalen Verwaltung mit eigenen Strukturen und Konzepten dauerhaft verankert." Das sei laut der Initiativgruppe in Goslar nicht der Fall. "Auch Goslar sollte nach über 34 Jahren Welterbestatus prüfen, wie diese Standards im Rahmen der eigenen Möglichkeiten bestmöglich erreicht werden können", heißt es im Brief.
In dem offenen Brief, der auch an Goslars Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner adressiert ist, heißt es weiter, dass mit dem Welterbe-Status eben auch Verantwortung verbunden sei, dieses baulich zu erhalten. "Wer den UNESCO-Status als gemeinsame Verpflichtung versteht, muss die Altstadt und die weiteren Bestandteile des Welterbes nicht nur verwalten, sondern aktiv erhalten, pflegen und zukunftsfähig entwickeln. Dafür sind nachvollziehbare, transparente und verlässliche Rahmenbedingungen erforderlich", heißt es in dem Brief.
Sechs Forderungen dazu schicken die Briefautoren an ihre Adressaten. An erster Stelle fordern sie "ein klares und öffentlich sichtbares Bekenntnis der Stadt Goslar zur Altstadt als lebendigem Teil des UNESCO-Welterbes." Der Schutz der Goslarer Altstadt sei keine freiwillige Zusatzaufgabe. Er folge aus der Verantwortung für ein Unesco-Welterbe von außergewöhnlichem universellem Wert und aus den gesetzlichen Verpflichtungen des Denkmalschutzes, heißt es im offenen Brief abschließend.

