Ende einer Harzer Institution: Die „MS Aquamarin“ verlässt die Okertalsperre

Nach mehr als fünf Jahrzehnten endet die Fahrgastschifffahrt auf dem Okerstausee.

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Ungenutzt: Die "MS Aquamarin" dümpelt an der Anlagestelle Weißwasserbrücke im Okerstausee.
Ungenutzt: Die "MS Aquamarin" dümpelt an der Anlagestelle Weißwasserbrücke im Okerstausee. | Foto: Matthias Kettling

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Goslar. Die Bergung der „MS AquaMarin“ verzögert sich zwar, doch ihre Zukunft ist längst besiegelt. Hinter dem Ende der traditionsreichen Okersee-Schiffahrt stehen Insolvenz, wirtschaftliche Schwierigkeiten und neue Anforderungen an den Trinkwasserschutz.



Fast ein Jahr ist vergangen, seit die „MS AquaMarin“ ihre letzte Fahrt über den Okerstausee unternahm. Wo einst Ausflügler den Harz vom Wasser aus erlebten, liegt das rund 35 Meter lange Fahrgastschiff heute still vor Anker. Seine Bergung war ursprünglich für den Herbst 2025 vorgesehen – doch bis heute ist das Schiff nicht aus der Talsperre entfernt worden.

Harzwasserwerke tragen die Kosten


Nach der Insolvenz der Okersee-Schifffahrt arbeiten die Harzwasserwerke als Betreiber der Okertalsperre derzeit an einer Lösung, wie das ehemalige Fahrgastschiff aus der Okertalsperre entfernt werden kann. "Ziel ist es, das Schiff in Abstimmung mit der Okersee-Schifffahrt über eine Slipanlage zu bergen und an Land zu sichern. Der Zeitpunkt der Bergung ist neben dem laufenden Insolvenzverfahren auch vom Wasserstand der Okertalsperre abhängig", teilen die Harzwasserwerke auf Nachfrage von regionalHeute.de mit. Ein Sicherheitsrisiko für das Gewässer bestehe nicht. Das stillgelegte Schiff sei gesichert und stehe unter Beobachtung.

Weiter heißt es: "Zukünftig ist für uns eine Schifffahrt auf der Okertalsperre generell denkbar. Eine Auflage ist jedoch, das Fahrgastschiff mit einem Elektroantrieb auszurüsten. Die Kosten der Bergung tragen die Harzwasserwerke, nachdem der bisherige Betreiber insolvent geworden ist. Wie hoch diese ausfallen werden, ist derzeit noch offen."

Insolvenz besiegelte das Ende


Die Geschichte des Schiffs nahm ihre entscheidende Wendung bereits Ende 2024. Die Okersee-Schiffahrt GmbH, die gemeinsam mit dem angeschlossenen Vitalhotel wirtschaftlich unter Druck geraten war, meldete Insolvenz an. Als Ursachen galten unter anderem anhaltender Personalmangel sowie wetterbedingte Einnahmeausfälle. Zwischenzeitlich keimte noch Hoffnung auf: Im Frühjahr 2025 nahm die „MS AquaMarin“ den Fahrbetrieb vorübergehend wieder auf, während nach Investoren gesucht wurde.

Außer Betrieb: Die
Außer Betrieb: Die "MS AquaMarin" auf dem Okerstausee. Foto: Matthias Kettling



Mit der Stilllegung endet ein Stück Harzer Tourismusgeschichte. Ein Blick in die Unternehmensgeschichte auf der Internetseite der Okersee-Schiffahrt GmbH zeigt, dass bereits seit 1972 Fahrgastschiffe auf der Okertalsperre verkehrten – als einzige regelmäßige Fahrgastschifffahrt auf einer Harzer Talsperre. Zunächst wurde der Betrieb von der KVG Braunschweig organisiert, ehe ihn 1976 die Kurbetriebsgesellschaft „Die 5 Oberharzer“ übernahm. 1983 kaufte Kapitän Hermann Römermann die Schiffahrt und gründete die Okersee-Schiffahrt GmbH. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Reederei zu einer festen Größe im Oberharzer Tourismus. 1994 übernahm sein Sohn Michael Jonas Römermann den Familienbetrieb und führte ihn in zweiter Generation weiter.

Schiff vom Biggesee


Mit steigenden Fahrgastzahlen wurde das ursprüngliche Schiff schließlich zu klein. Deshalb erwarb die Reederei Ende der 1990er-Jahre die ehemalige „Sauerland“, die zuvor auf dem Biggesee im Sauerland im Einsatz gewesen war. Nach umfangreichen Umbauten nahm das Schiff im März 2001 als „MS AquaMarin“ den Betrieb auf der Okertalsperre auf und wurde schnell zum Wahrzeichen des Okerstausees.