„Heute Nacht zerstückele ich dich“: 27-jähriger Ehemann vor Gericht


Der Angeklagte soll seine Frau mit dem Messer am Kopf und im Rücken verletzt haben. Symbolfoto: Alexander Panknin
Der Angeklagte soll seine Frau mit dem Messer am Kopf und im Rücken verletzt haben. Symbolfoto: Alexander Panknin | Foto: Alexander Panknin

Goslar/Braunschweig. In der Silvesternacht 2018/19 wurde Scharif J. aus Goslar 27 Jahre alt und um Haaresbreite zum Mörder. Nur durch puren Zufall verfehlte die tückisch scharfe Klinge seines Tapetenmessers die Halsschlagader seiner Ehefrau Gidi. Am heutigen Montag begann der Prozess am Braunschweiger Landgericht.


Von Klaus Knodt

„Mit einer fließenden Ausholbewegung“ und „einem zehn Zentimeter langen Schnitt vom Ohrläppchen bis zum Kinn“, so Staatsanwältin Creutzburg, habe der aus Afghanistan stammende Mann versucht, seiner Frau die Kehle durchzuschneiden. Als sein Opfer fliehen wollte und sich umdrehte, schlitzte Scharif J. ihr laut Anklage mit einem weiteren, 30 Zentimeter langen Schnitt den Rücken von der linken Schulter bis zum rechten Schulterblatt auf .

Angeklagter begrüßt artig die Zuschauer


Seit heute steht der kleine und schmächtig wirkende Mann wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung vor dem Schwurgericht Braunschweig. Als er vomJustizbeamten in Handschellen in den Gerichtssaal geführt wird, dreht er sich zu den Zuschauern und Reportern um und sagt artig „Hallo“. Kaum zu glauben: Der bieder wirkende Angeklagte (Jeans, grauer Pullover, korrekt gescheitelter Kurzhaarschnitt) soll außerdem noch versucht haben, seine eigene Tochter umzubringen.

Baby mit Kissen fast erstickt


Laut Anklage schlich er sich im August 2018 nachts zum Bettchen der kleinen Ayse (13 Monate) und drückte ihr ein 40 mal 40 Zentimeter großes Kissen auf’s Gesicht, bis die Atmung des Säuglings aussetzte. Nur weil die Ehefrau in letzter Sekunde aufmerksam wurde und einschritt,sei das Baby gerettet worden.

Die Ehefrau tritt als Nebenklägerin auf, sie wollte sich offenbar von ihrem Mann trennen. Schon äußerlich unterscheidet sie sich von dem Vater ihrer beiden kleinen Kinder: halbhohe schwarze Stiefel, Nylons, schwarzes Minikleid, modisches schwarzes Lederjäckchen. Die Haare sind zu einem langen Zopf gebunden. Die blutrote lange Narbe vom Ohr bis zum Kinn in ihrem hübschen und dezent geschminkten Gesicht erinnert an die Schrecken der tragischen Silvesternacht.

„Heute Nacht zerstückele ich dich“


Da war sie mit ihrem neuen Begleiter und einer Freundin in der Goslarer Innenstadt ausgegangen. Als sie zufällig auf ihren Noch-Ehemann traf, soll der geäußert haben: „Heute Nacht zerstückele ich dich.“ Auch den neuen Begleiter seiner Frau soll Scharif J. mit den Worten bedroht haben: „Dich bring ich auch um, wie ich meine Frau umbringe.“ Dann zog er das Tapetenmesser aus der Tasche...

Auf Antrag der Verteidigung musste der Prozess gleich am heutigen ersten Tag unterbrochen werden. Rechtsanwalt Voß rügte nicht eingehaltene Termine bei der Besetzung der Ehrenamtlichen Richter. Dem Angeklagten droht eine langjährige Haftstrafe.

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