Verordnung über Berufsbildende Schulen: Kleine Bildungsgänge vor dem Aus?

Der Kreiselternrat sieht in der Neufassung der BbS-VO zum 1. August ein großes Risiko für die Berufsbildenden Schulen des Landkreises.

Die Neuregelungen gefährden kleine Bildungsgänge und Berufsgruppen in Goslar (Symbolbild).
Die Neuregelungen gefährden kleine Bildungsgänge und Berufsgruppen in Goslar (Symbolbild). | Foto: Pixabay

Goslar. Aufgrund der vermehrten Proteste aus dem Landkreis gegen die Neuregelungen für Berufsschulen schrieb der Kreiselternrat am vergangenen Donnerstag eine Stellungnahme an das Kultusministerium. Auch AfD-Vorsitzender Dr. Tyge Claussen äußert sich in einer Pressemitteilung zu der neuen BbS-VO, die am 1. August in Kraft treten soll.


Im Zuge der geplanten Neufassung herrsche bei vielen Verantwortlichen, wie Berufsschulen und Handwerksinnungen des Landkreises Goslar, eine große Verunsicherung hinsichtlich der Auswirkungen. Die Neufassung der BbS-VO sei nach Auffassung des Kreiselternrates an vielen Stellen unklar und werfe Fragen auf.

Regionalmanagement vs. Schüleranzahl


In seiner Synopse zur Änderung der BbS-VO vom 20. Januar schreibt das Kultusministerium, dass das zukünftige Schulbudget von der Schulbehörde auf der Basis von Schülerzahlen zur Verfügung gestellt werden soll. Bei der Beratung und Unterstützung berücksichtige die Schulbehörde das regional und überregional bestehende Bildungsangebot sowie das Interesse der Schüler an einer wohnortnahen und betriebsnahen Beschulung (Regionalmanagement).

Jahrgangsweise versus jahrgangsübergreifend


Gleichzeitig erklärt das Ministerium, dass Berufsbildende Schulen jahrgangsweise organisiert werden müssen, Schulen in Landkreisen, dessen Einwohnerzahl nicht unter 100.000 liegt, aber eine Mindestanzahl von 27 Schülern prognostizieren müssen. Die tatsächliche Anzahl Schüler zu Beginn eines Schuljahres dürfe 22 nur in begründeten Ausnahmefällen unterschreiten. Jahrgangsübergreifender Unterricht könne nur vorgenommen werden, wenn ein umfassendes Konzept eingereicht würde.

Geplante Änderungen in der Kritik


Die angedachten Änderungen in der BbS-VO werden laut Kreiselternrat zur Folge haben, dass den Schulen nicht mehr genug Personalbudget zur Verfügung stehen werde, um kleinere Bildungsgänge beziehungsweise Berufsgruppen weiter an den Schulen halten zu können. Das würde aber dem von der Landesregierung gewollten Konzept der „wohnortnahen Beschulung“ widersprechen. Den Berufsschulen würde ein großer Teil ihrer Flexibilität genommen.

Die Pflicht zur jahrgangsweisen Organisation der Berufsschulen sei eine unnötige Einschränkung. Ein Zwang zum jahrgangsweisen Unterricht würde funktionierende Modelle zerschlagen und zur Schwächung der wohnortnahen und dezentralen Beschulung führen. Genehmigungen nach Vorlage eines umfassenden Konzepts durch die Landesschulbehörde seien unnötige Belastungen. Die Änderungen würden ein Risiko für die Berufsschulen des Landkreises Goslar darstellen. Sie würden die Beschulung in größeren Städten, quasi die Bildung großer Kompetenzzentren fördern. Die Unternehmen, insbesondere Handwerker, seien aber in der Fläche verteilt.

Sorge beim Kreiselternrat


Diese Entwicklung wird vom Kreiselternrat mit großer Sorge betrachtet, es dürfe nicht sein, dass junge Menschen viele Kilometer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu einer berufsbildenden Schule außerhalb des Landkreises reisen müssten. Es sollte weiterhin möglich sein, jungen Menschen in ihren Heimat-Landkreisen ein breites Bildungsspektrum anzubieten. Der Kreiselternrat fordert das Kultusministerium auf, die Neuregelungen in der BbS-VO zu überdenken, um die Abwanderung von Fachkräften aus ländlichen Regionen zu verhindern.

AfD stimmt zu


Dr. Tyge Claussen, Vorsitzender der AfD-Kreistagsfraktion, stimmt zu: "Es geht wohl letztlich um die Frage, ob die Zentrierung von wenigen großen, jahrgangsbezogenen Berufsschulen in Großstädten, wie es offensichtlich die Landesregierung will, sinnvoll ist. Das ginge jedoch auf Kosten der existierenden kleineren, jahrgangsübergreifenden Berufsschulen auf dem Lande. Würden letztere im schlimmsten Fall geschlossen, müssten die Schüler aus dem Landkreis Goslar beispielsweise weite Strecken zu einer großen Berufsschule in Braunschweig zurücklegen. Ich persönlich teile die Auffassung des Kreiselternrates und plädiere für den Erhalt der kreisangehörigen Berufsschulen auf dem Lande, also auch im Landkreis Goslar."


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