Vierter Prozesstag im Fall Manczak: War der Angeklagte Freund oder Feind?

Am heutigen Prozesstag sagte unter anderem der Sohn des vermissten Karsten Manczak aus.

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Die Frau und der Sohn des vermissten Karsten Manczak sagten vor Gericht aus.
Die Frau und der Sohn des vermissten Karsten Manczak sagten vor Gericht aus. | Foto: Anke Donner

Braunschweig. Im heutigen, vierten Prozesstag im Mordfall Karsten Manczak rückte das unterkühlte Verhalten des Angeklagten Martin G. in den Vordergrund der Zeugenaussagen. Und die enge Freundschaft, die den Angeklagten mit Karsten Manczak seit vielen Jahren verband. Doch war es wirklich eine Freundschaft oder reines Kalkül?



In den Zeugenstand wurden heute ein Sohn des mutmaßlichen Opfers und dessen Freundin gerufen. Außerdem wurden die Ex-Schwägerin, die Ex-Frau, der Bruder und ein Freund und ehemaliger Kollege Manczaks befragt.

Manczaks Sohn schilderte die Ereignisse noch einmal, die sich seit dem 12. April in der Familie des Vermissten abspielten. Vom Tag des Verschwindens seines Vaters bis zum freundschaftlichen Verhältnis des Angeklagten und des Opfers. Das wurde während der vorangegangenen Prozesstage von allen Zeugen als sehr eng beschrieben. "Sie waren beste Freunde“, sagt Manczaks Sohn und berichtet von gemeinsamen Abenden und Urlauben. Das Verhältnis sei auch zu der übrigen Familien gut, freundschaftlich und herzlich gewesen. So gut, dass G. seinen Geburtstag, zwei Tage nach dem Verschwinden seines besten Freundes, mit dessen Familie feierte. Doch ging Martin G. wirklich als nur als Freund im Hause Manczak ein und aus? Oder steckte viel mehr dahinter? War er gar nicht der Freund, der er vorgab zu sein, sondern suchte er über diese Freundschaft den Kontakt zu Manczaks Ehefrau? Mit ihr soll er schon seit Jahren ein Verhältnis gehabt haben. Doch so ganz geheim ist die Liaison nicht geblieben. Denn sowohl Karsten Manczak selbst, sein Sohn, andere Familienmitglieder und Nachbarn von G. haben von einer Affäre gewusst - oder dies zumindest vermutet.

So soll es einen Kuss zwischen den beiden gegeben haben, während Manczak nach seinem Herzinfarkt 2019 zur Reha war. Zuvor hatte Manczak eine Nachricht von G. auf dem Handy seiner Frau entdeckt. Darin soll G. geschrieben haben. "Du bist die Liebe meines Lebens." Diese Nachricht soll auch der Grund gewesen sein, dass Manczak seinen Sohn bat, während seiner Reha ein wenig auf seine Mutter "aufzupassen". Sein Vater sei nach diesen Dingen skeptisch gewesen, sagt der Sohn. Das habe auch zu einem Bruch in der Freundschaft geführt, wie er bei seiner Polizeivernehmung abgab. Seiner Meinung nach habe sich das auch seitdem nicht wirklich gebessert. G. aber besuchte die Familie weiterhin - obwohl sich das freundschaftliche Verhältnis verändert haben soll. "Es war aber auch so, dass wenn Martin bei uns zu Gast war und mein Vater nicht da war, dass ich schon ein Auge auf die beiden hatte", sagt er.

War die Freundschaft nur ein Vorwand?


Diese Aussage bei der Polizei nahm Verteidiger Nitschmann zum Anlass, nachzufassen: "Kann es auch sein, dass diese Freundschaft von einer Seite - oder auch von beiden - mehr oder weniger gespielt war? Kennt man ja, so mache Situationen, in denen man nicht für schlechte Stimmung sorgen oder den Schein aufrechterhalten will." Für seinen Vater konnte der 18-Jährige solch ein Verhalten ausschließen. "Mein Vater wäre auf jeden Fall nicht der, der irgendwas vorspielen würde. Der würde Dinge eher ansprechen. Das einzige, was mir dazu einfällt, ist, dass Martin vielleicht eine Freundschaft vorgespielt hat, um meiner Mutter nahe zu sein. Das weiß ich aber nicht", sagt der 18-Jährige und fügt an, dass man das im Nachhinein so sehen könne. "Aber zu dem Zeitpunkt habe ich es nicht so wahrgenommen." Es könnte aber eine Erklärung für das Verhalten von Martin G. sein, räumt der Sohn ein.


Mit "Verhalten" ist der emotionslose Eindruck gemeint, den G. innerhalb der Familie hinterlassen haben soll, nachdem sein langjähriger Freund spurlos verschwunden war. Er habe sich bei seinen Besuchen nach dem 12. April wenig an Gesprächen zum Verschwinden seines Freundes beteiligt, sei nicht besonders aktiv gewesen und hätte beispielsweise nicht bei der Suche nach ihm geholfen. "Er hat nie wirklich Eigeninitiative gezeigt", sagt Manczaks Sohn. Und auch die Freundin des Sohnes beschreibt G. als anteilnahmslos und wenig interessiert an den Ereignissen nach dem 12. April. Aufgefallen sei auch, erzählt das junge Paar, dass G. am Abend, an dem Karsten Manczak von seiner Familie als vermisst gemeldet wurde, mit großem Appetit mit der Familie zu Abend gegessen hatte. Erst als dieser bemerkte, dass niemand am Tisch sein Essen angerührt hatte, schob er mit der Bemerkung, er hätte keinen Appetit, seinen Teller auch von sich. Und auch, dass G. an diesem Abend den Platz von Karsten Manchzak am Tisch einnahm, beschreibt der Sohn als komische Situation.

Noch ein Auto


Karsten Manczak hatte also vom Verhältnis seiner Frau gewusst. Nicht nur aufgrund des Kusses. Auch anonyme Briefe, die an seinem Fahrzeug hinterlassen worden sind, deuteten daraufhin. Bisher konnte nicht eindeutig festgestellt werden, wer die Briefe mit der Unterschrift "Ein alter Döhrener" geschrieben hatte. Manczak vertraute auch seinem Freund und ehemaligen Kollegen bei einem Treffen im Januar an, dass seine Frau ein Verhältnis mit seinem besten Freund habe. Zu ihm habe er gesagt, dass er der Ehe eine Art Gnadenfrist einräumen wolle. Er wollte an der Ehe festhalten. Kurz zuvor hatte Manczak den anonymen Hinweis Brief erhalten, in dem er aufgefordert sein soll, an einem bestimmten Tag am Friedhof Döhren zu sein, um die Untreue-Beweisfotos zu sehen. Er soll auch dann zu dem Treffen gefahren sein. Doch am Treffpunkt angekommen, sei niemand dort gewesen. Lediglich ein weißer Kleinwagen sei ihm aufgefallen, berichtet er später. Den Fahrer konnte er nicht beschreiben.


Aus der heutigen Verlesung einer Klarstellung der Nebenklage aus der Zeugenaussage der Ehefrau Manczaks geht hervor, dass Karsten Manczak seiner Frau von einem weißen Kleinwagen berichtet haben soll, den er am 6. November 2020 am Friedhof in Döhren verfolgte. Hierbei soll es sich um einen weißen Toyota Aygo gehandelt haben. Das Kennzeichen zum Wagen habe er damals als GS-A beschrieben, als Ziffern will er die Zahlen 97 oder 79 erkannt haben. Es sei von seiner Mandantin aber ausdrücklich erklärt worden, dass es sich dabei um Teile der Zahlenkombination handele, die in Gänze auch drei- oder vierstellig sein könnte und die Ziffern beinhalten. Diese Klarstellung der Aussage der Zeugin sei vor dem Hintergrund, dass die Ermittlungen ergeben haben, dass der Angeklagte vom 2. bis 7. November 2020 bei der Autovermietung Harms einen weißen Toyota Aygo mit dem Kennzeichen BS-A-5697 angemietet haben soll, bedeutsam, machte die Nebenklage-Vertretung deutlich.


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