Wolfsburg. Die IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt hat die Kündigung von Tarifverträgen bei mehreren Volkswagen-Töchtern in Wolfsburg kritisiert. Das teilte die IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt am Montag in Hannover mit.
Betroffen sind die Volkswagen Group Services GmbH, die Wolfsburg AG und AutoVision GmbH. Auch die Volkswagen AG selbst hat Tarifverträge gekündigt. Die Gewerkschaft spricht von einem orchestrierten Angriff und bereitet mit den Belegschaften eine Auseinandersetzung vor.
Am 30. September hat die Volkswagen AG zehn Tarifverträge gekündigt, die zentrale Arbeitsbedingungen der Beschäftigten regeln.
Binnen Stunden sind die Volkswagen Group Services GmbH, die Wolfsburg AG und AutoVision GmbH nachgezogen und haben tarifliche Regelungen gekündigt. Betroffen ist die sogenannte Tarifgemeinschaft mit rund 1.000 Beschäftigten.
Sie umfasst die Belegschaften der Autostadt GmbH und der Wolfsburg AG sowie die Kernbelegschaften der Volkswagen Group Services GmbH und der AutoVision GmbH. Diese Unternehmen schließen mit der IG Metall einheitliche Tarifverträge ab, damit über alle Firmengrenzen hinweg dieselben Standards bei Entgelt, Arbeitszeit und Leistungen gelten. Die Kündigungen werden zum 1. Januar 2027 wirksam.
Einzig die Autostadt hat sich dem Dominoeffekt entzogen und nichts gekündigt.
Die drei übrigen Unternehmen haben den Tarifvertrag über die tarifliche Zusatzvergütung gekündigt, der seit Januar 2019 gilt. Hinzu kommt § 4.3 des Mantel- und Entgeltrahmentarifvertrags, der die tarifliche Freistellungszeit als Wandlungsoption der tariflichen Zusatzvergütung regelt.
Der Zeitpunkt offenbart nach Einschätzung der Gewerkschaft die Absicht: Am 29. September hat die Tarifkommission der IG Metall ihre Forderung einstimmig beschlossen, fünf Prozent mehr Geld ab Januar 2027 bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber haben keine 24 Stunden verstreichen lassen und mit Kündigungen geantwortet.
"Volkswagen hat sich jahrzehntelang mit dem Begriff der Sozialpartnerschaft geschmückt. Davon ist nichts mehr übrig. Sozial ist an diesem Vorgehen nichts, partnerschaftlich noch weniger", erklärte Katja Brammertz, Tarifsekretärin der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.
"Das ist ein offener Affront gegen die Beschäftigten und ihre Gewerkschaft. Partner suchen gerade in schwierigen Zeiten gemeinsam nach Lösungen. Sie entziehen einander nicht über Nacht die Grundlage der Zusammenarbeit. Die Mutter hat den ersten Stein angestoßen, die Töchter sind ohne Zögern mitgefallen. Hier wird gezielt eine Abwärtsspirale bei den Arbeitsbedingungen in Gang gesetzt."
Die Beschäftigten der Tarifgemeinschaft hielten den Konzern Tag für Tag am Laufen, sagte Brammertz.
"Ausgerechnet ihnen jetzt die Zusatzvergütung zu entziehen, zeugt von erschreckender Geringschätzung. Die Arbeitgeber erhöhen den Druck, verwechseln dabei aber Schock mit Wehrlosigkeit. Gemeinsam bereiten wir nun eine Auseinandersetzung vor, wie es sie bei den Volkswagen-Töchtern noch nicht gegeben hat. Bei Volkswagen und in jedem Unternehmen der Tarifgemeinschaft schließen wir die Reihen. Zum Jahreswechsel werden die Arbeitgeber die Folgen ihres Handelns zu spüren bekommen."
Gekündigte Tarifverträge gelten bis zum Ende ihrer Laufzeit weiter.
Danach wirken sie nach, allerdings nur für Beschäftigte, die zu diesem Zeitpunkt Mitglied der IG Metall sind.
Wer erst später eingestellt wird oder eintritt, ist davon ausgeschlossen. Mit dem Ende der Friedenspflicht sind ab dem 1. Januar 2027 Warnstreiks möglich.
IG Metall kritisiert Tarifvertragskündigungen bei VW-Töchtern in Wolfsburg
Die IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt hat die Kündigung von Tarifverträgen bei mehreren Volkswagen-Töchtern in Wolfsburg kritisiert.
Volkswagen (Archiv) | Foto: Über dts Nachrichtenagentur
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