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Im Ernstfall lacht keiner mehr



Goslar

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Im Ernstfall lacht keiner mehr

von Alec Pein


Das nachgestellte Unfallszenario machte deutlich, wie ernst ein Unfall werden kann. Fotos: Alec Pein Foto: Alec Pein

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Goslar. "Stay alive" heißt die Präventionsveranstaltung, die am heutigen Mittwoch bereits zum fünften Mal in Zusammenarbeit zwischen Rettungsdienst, Freiwilliger Feuerwehr Goslar, Krankenhausmitarbeitern und der Unfalldarstellung des DRK Kreisverbandes Goslar und den Asklepios Harzkliniken in Goslar stattgefunden hat. Rund 70 Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen verschiedener Schulen nahmen teil.

Den Ernst der Veranstaltung erkannten die Schülerinnen und Schüler spätestens als Olaf Laue (Feuerwehr Goslar) von schockierenden Unfällen berichtete, mit denen ein Feuerwehrmann oder eine Feuerwehrfrau früher oder später konfrontiert wird. Fälle mit schwerwiegenden Folgen oder Todesfällen, deren Auslöser oftmals nur ein kurzer Blick auf das Handy oder ein vorheriger Konsum von Alkohol oder Drogen sein können. Auch an Feuerwehrleuten gehen Eindrücke, die bei schweren Unfällen gemacht werden, nicht spurlos vorbei, betonte Laue. Wie genau ein solcher Unfall aussieht, sollte später noch dargestellt werden. Vorerst nutzte die Leiterin des Intensivstations-Teams, Marion Kruse, die Gelegenheit, aus ihrem Arbeitsbereich zu berichten. Dort werden nicht nur Notfallpatienten behandelt, die vorher einen Verkehrsunfall hatten, sondern häufig junge Menschen, nach übertriebenen Alkohol- und Drogenmissbrauch. "Von den Hacken bis zum Nacken vollgekotzt", beschrieb Kruse einige der Patienten, die wegen eigenem Verschulden eingeliefert werden. Daher warnte sie vor übermäßigem Konsum von Alkohol, um unangenehme Erfahrungen, wie etwa im eigenen Erbrochenen aufzuwachen, zu vermeiden. Außerdem sei ein Trend der Jugend hin zum Konsum neuartiger Drogen erkennbar. Jene Auswirkungen, die "Spice", "Badesalz" oder andere synthetisch hergestellte Drogen haben können, habe man in der Intensivstation bereits erlebt. Krampfanfälle, Panikattacken und Atemnot seien Nebenwirkungen mit denen Konsumenten häufig nicht rechnen. Sogar das derzeit beliebte "Shisha-Rauchen" sei nicht, wie weitläufig angenommen, ungefährlich.

Unfallszenario mit vier Verletzten


Auf die Vorträge folgte das Beispiel in der Praxis. Das Szenario: Vier Verletzte in einem völlig demolierten Fahrzeug, Feuerwehr und Rettungsdienst noch nicht vor Ort. Wie kann den Verunfallten geholfen werden? Diese Frage stellte der moderierende Leiter der DRK-Unfallsdarstellung, Stefan Kruse. Erst nach dem Hinweis, dass man das Verbinden einer verletzten Person nicht gelernt haben müsse, um Verletzten helfen zu können, meldeten sich freiwillige "Ersthelfer" und verhielten sich richtig: Sie versuchten die Türen zu öffnen und sprachen mit den Verletzten, während einer die Unfallstelle mit einem Warndreieck absicherte. Dann traf auch schon der alarmierte Rettungswagen ein. Zusammen mit der Feuerwehr wurde eine Patientenrettung aus dem Fahrzeug demonstriert.

„Mit 'Stay alive' wollen wir erreichen, dass die Jugendlichen nach dem Projekttag erkennen, wie ein einfaches ,Nein´ zu Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss ihr Leben retten kann“, sagt Adelheid May, Geschäftsführerin der Harzkliniken GmbH. Entscheidend ist dabei: Die jungen Menschen werden bei dem Aktionstag zu persönlich Betroffenen, indem sie aktiv in die nachgestellten Unfallszenarien eingebunden werden. „So kann man sie emotional erreichen und sie sensibilisieren, was ein schwerer Unfall für sie alles bedeuten kann“, sagt Dr. med. Thomas Peterson, Chefarzt der Abteilung Unfall-, Wiederherstellungs- und Handchirurgie der Asklepios Klinik in Goslar. „Es ist besonders wichtig, gerade junge Menschen bei dem Thema zu erreichen, bevor sie Autofahren lernen.“


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