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Impftermin unmöglich: Wolfenbütteler nach über 200 Anrufen frustriert



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Impftermin unmöglich: Wolfenbütteler nach über 200 Anrufen frustriert

Max Weitemeier, stellvertretender Landesvorsitzender der Jungen Liberalen in Niedersachsen, scheiterte wie viele andere an der Impfhotline des Landes. Die Jungen Liberalen fordern, dass endlich Professionalität im Sozialministerium einkehrt.

von Marvin König und Niklas Eppert


Symbolbild.
Symbolbild. Foto: Rudolf Karliczek

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Wolfenbüttel. Das Terminportal des Landes Niedersachsen für die Corona-Impfungen ist dicht. Aktuell sind weder online, noch telefonisch Termine buchbar - lediglich Wartelistenplätze. Wer nach teils über 1.000 Anrufen - wie eine Familie aus Immenrode berichtet - bei der Terminhotline für sich oder die Großeltern einen Termin ergattern konnte, darf sich glücklich schätzen. Max Weitemeier, stellvertretender Landesvorsitzender der Jungen Liberalen (JuLis) hat nach über 250 Anrufversuchen ohne Rückmeldung frustriert aufgegeben. Der Wolfenbütteler kritisiert gegenüber regionalHeute.de die "Planlosigkeit" der niedersächsischen Sozialministerin Carola Reimann und fordert Lösungen: "Meine Verständnis kommt da an ein Ende."



"Mir liegt der Schutz meiner Oma am Herzen und ich habe mich sehr gefreut, dass meine Oma sich impfen lassen möchte. Wir haben in der Familie alle gemeinsam versucht einen Termin zu erhalten. Für uns in der Familie war es schon im Vorfeld selbstverständlich, dass wir sie alle unterstützen werden einen der begrenzten Impfterminen zu erhalten." Da seine Oma das Internet selbst nicht nutze und auch immer noch auf einen der Informationsbriefe des Gesundheitsministeriums warte, sei die Ausgangslage laut Weitemeier nicht ideal gewesen. Die Impfhotline des Landes Niedersachsen sorgte jedoch schnell für Verärgerung: "Zuallererst bin ich enttäuscht. Ich hatte mich sehr auf dem Impfstart als Lichtblick in dieser schwierigen Zeit gefreut. Verärgern tut mich aber vor allem die fehlende Warteschleife. Es kostet extrem viele Nerven und Zeit immer wieder zu hören „diese Nummer ist nicht vergeben“, „die Nummer ist besetzt“ oder „zurzeit sind keine freien Mitarbeiter verfügbar“ und dann immer erneut anrufen zu müssen." Nach über 200 Anrufen bei der Impfhotline musste er die Hoffnung auf einen schnellen Impftermin für seine Oma aufgeben. "Ich hoffe noch, dass wir noch einen Termin auf der Warteliste erhalten. Das ist enttäuschend und in dieser schwierigen Zeit nochmal mehr."

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"Weit entfernt von seniorengerecht"


Impfberechtigt sind vor allem die über 80-jährigen. Nach Auffassung von Weitemeier sei die gefundene Lösung für die Terminvereinbarung für diese Altersgruppe jedoch alles andere als geeignet. "Die Landesregierung zeigt wieder, wie weit weg sie sich von der Lebensrealität der Menschen befinden. Während das Kultusministerium glaubt, jeder Schüler verfügt zu Hause über einen Lernort, Internet und einen Computer, so scheint die Gesundheitsministerin zu glauben, jeder über 80 nutzt das Internet und kann mit einem Online-Portal mit zwei Faktor Authentifizierung umgehen", sagt Weitemeier. Bei der Zwei-Faktor-Authentifizierung geben Nutzer ihre Handynummer auf einer Website wie dem Impfportal ein, dann wird eine SMS mit einem Code an diese Handynummer gesendet, um die Echtheit der Nummer zu bestätigen. "Auch die automatischen Ansagen an der Hotline tragen zur Verunsicherung bei und schaden im Ergebnis der Impfbereitschaft. Konkret würde ich fordern, auf die Zwei-Faktor-Authentifizierung zu verzichten, eine Warteschleife einzurichten. Weiter möchte ich anregen zu prüfen, ob eine Vergabe der Terminorganisation wie im Bundesland Schleswig-Holstein innerhalb der Eventbranche nicht professioneller gewesen wäre", schlägt Weitemeier vor.

Wie sollen die Senioren zum Impfen kommen?


Irritierend sei für Weitemeier auch, wie "planlos" die Ministerin zu sein scheine, wenn es um die Frage gehe, wie Senioren insbesondere vom Land eigentlich zum Impfen kommen sollen. "Die Chance von Impfteams auf dem Land hat man bereits verpasst. Ich würde mich aber freuen, wenn die Impfbestätigung auch als ÖPNV Ticket an diesem Tag gilt. Schließlich wollen wir ja eigentlich alle das Impfen mit so wenig Hemmnissen wie möglich über die Bühne bekommen. Vielleicht kann hier auch der Regionalverband vor Ort tätig werden."


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"Unprofessioneller Impfstart"


Weitemeier wird deutlich: "Für die unprofessionellen Impfstart in Niedersachsen trägt die Gesundheitsministerin die Verantwortung. Dass der Impfstart besser funktionieren kann, machen andere Bundesländer bereits vor. Eine Aussage, wo beim fehlenden Impfstoff die Verantwortung liegt, kann ich persönlich nicht seriös tätigen. Ich erwarte aber, dass die Gesundheitsministerin aufhört die Verantwortung zwischen Kommunen, Land, Bund und der EU hin und her zuschieben und sich um die Lösung kümmert. Meine Verständnis für die Verschleppung kommt da an ein Ende."

Personalie Reimann "bedenkenswert"


Die Jungen Liberalen erwarten laut Weitemeier nun, dass so schnell wie möglich Professionalität im Sozialministerium einkehre. "Die Kommunen haben die Impfzentren zuverlässig bereitgestellt und stehen in den Startlöchern. Es ist unverständlich, dass eine Aufgabe mit so hoher Priorität so langsam bearbeitet wird. Wir erwarten, dass der Schutz der vulnerablen Gruppen zügig realisiert wird und schon jetzt auch die nächsten Schritte geplant und vorgestellt werden. Dazu zählt auch, dass die Impfung von jungen Menschen und der breiten Gesellschaft nicht überraschend kommt und Impfen zu einem hippen Erlebnis werden kann."

"Frau Reimann ist persönlich nicht für die gute Führung ihres Hauses bekannt. Daran hat sich bisher auch nichts geändert."

- Mac Weitemeier, Stellv. Landesvorsitzender der Jungen Liberalen Niedersachsen e.V.



"Frau Reimann ist persönlich nicht für die gute Führung ihres Hauses bekannt. Daran hat sich bisher auch nichts geändert", stellt Weitemeier fest und fährt fort: "Ich persönlich halte ihre Personalie schon seit der katastrophalen Abwicklung der Pflegekammer für bedenkenswert. Mit ihrem Management der Pandemie hat Frau Reimann mich bisher noch nicht von sich überzeugt. Herr Weil muss für sich entscheiden, ob das Management von Reimann den Anforderungen seiner Regierungskoalition entsprechen oder nicht – ich in seiner Stelle wäre damit nicht zufrieden."


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