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In der Nacht: Polizei führte im Fall des toten Schülers Kontrollen durch



Braunschweig

In der Nacht: Polizei führte im Fall des toten Schülers Kontrollen durch

von Werner Heise


Foto: Werner Heise

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Braunschweig. Heute Nacht führte die Polizei Braunschweig eine Verkehrskontrolle unter der Graffiti-Brücke am Ringgleis durch. Egal ob Fahrrad-, Auto- oder Lkw-Fahrer, jeder der die Strecke zwischen 3.30 Uhr und 4.30 Uhr passierte wurde angehalten, befragt und überprüft. Man erhoffte sich neue Hinweise zu dem rätselhaften Tod des 17-jährigen Schülers. BraunschweigHeute.de begleitete die Beamten bei ihrer Arbeit.




Vor genau einer Woche ereignete sich das Unglück, das bis heute viele Fragen aufwirft (BraunschweigHeute.de berichtete mehrfach). Ein Autofahrer hatte den Jugendlichen am Dienstag um kurz nach 4 Uhr, bewusstlos und mit nacktem Oberkörper, auf der Fahrbahn entdeckt. Wenige Stunden später verstarb der Junge in einem Braunschweiger Krankenhaus. Was er zu dieser Zeit dort gemacht hat, ob er alleine oder in Begleitung war und warum sein Oberkörper unbekleidet war? Das sind Fragen, auf die es für die Polizei noch keine Antworten gibt.

Nach einem Gutachten der Rechtsmediziner geht man von einem Unfallereignis mit einem größeren Fahrzeug aus, das den Jungen seitlich getroffen haben muss und ihn dadurch zur Seite schleuderte. Der Fahrer muss, so die Polizei, nicht zwangsläufig etwas von dem Zusammenstoß bemerkt haben.

Bereits die zweite Durchfahrtskontrolle





Es ist eine kalte Nacht. Das Thermometer misst 3 Grad Celsius. Vier Beamten des Verkehrsunfalldienstes und des Fachkommissariats 1 haben sich in der Kurve der Broitzemer Straße an der Graffiti-Brücke positioniert. Sie haben sich freiwillig für den Dienst diese Nacht gemeldet, wollen aufklären. Man merkt ihnen an, wie sie dieser besondere Fall beschäftigt. Wie sie mit dem Herzen dabei sind.

Es ist bereits die zweite Durchfahrtskontrolle, die man hier durchführt. Und genau wie am Donnerstag, ist heute nicht viel los. Vereinzelt, aber vor allem um kurz vor 4 Uhr, kommen Auto- und Fahrradfahrer vorbei. Es sind Mitarbeiter der umliegenden Firmen, deren Schicht gleich beginnt. Für einige ist es nicht die erste Befragung, die die Beamten mit jedem einzelnen von ihnen durchführen.

Besonders interessant sind die größeren Fahrzeuge, die Lastkraftwagen, die die Straße passieren. Mit Taschenlampen leuchten die Polizisten alle Winkel der Fahrzeuge ab. Hoffen auf Spuren zu stoßen, die auf ein Unfallereignis hindeuten - doch ohne Erfolg.

Keine neuen Erkenntnisse




Rund 20 Verkehrsteilnehmer wurden in dieser Stunde kontrolliert. Die meisten von ihnen fuhren auch vor einer Woche, in der Unfallnacht, hier lang. Allerdings entweder vor dem Unglück, oder zu dem Zeitpunkt als die Einsatzkräfte schon vor Ort waren. Neue Erkenntnisse brachte keiner der Befragten.

Anders als bei anderen Verkehrskontrollen der Polizei, verspürten die Beamten viel Verständnis für die Befragung. Viele zeigten sich betroffen von dem Vorfall. Eine Autofahrerin, die Mutter von einem gleichaltrigen Jungen ist, gab an, dass sie die Rettungsarbeiten in besagter Nacht hier sah. Seitdem könne sie nicht mehr durchschlafen.

Kontrollen sollen wiederholt werden




Die Polizei gibt nicht auf, will weiter mit Hochdruck an der Aufklärung arbeiten. Hierfür sollen auch die Kontrollen von Verkehrsteilnehmern an der Unglücksstelle wiederholt werden. Auch wenn man sich bewusst ist, dass die Chancen Neues zu erfahren gering sind. Immerhin habe man bereits sämtliche umliegenden Firmen besucht und mit den Mitarbeitern gesprochen.

Hingegen erhoffe man sich nun Aufschlüsse von einem Ergebnis des Landeskriminalamtes in Hannover, das zur Zeit die Kleidung des 17-Jährigen auf mögliche Lackpartikel eines Fahrzeuges überprüft. Diese könnten zumindest nähere Details bringen, um was für ein Fahrzeug es sich gehandelt haben muss.

Zeugen sollen sich weiterhin melden




Nach wie vor ist die Polizei dringend auf Zeugenaussagen angewiesen. Man hofft, dass das öffentliche Interesse nicht abebbt und sich weiterhin Zeugen bei der Polizei melden. Wer Beobachtungen gemacht hat oder Kenntnisse hat möge sich mit dem Kriminaldauerdienst (0531 / 476 2516) in Verbindung setzen. Unklar ist zudem noch, wer die zwei Personen waren, die Autofahrer um 3.20 Uhr und 3.45 Uhr mit Fahrrädern unter der Brücke gesehen haben. War es der 17-Jährige? Falls ja, wer war bei ihm?

Bislang bekannte Fakten


Dienstag, 4. November 2014

  • zirka 3.20 Uhr: Ein Zeuge sieht zwei Personen mit Fahrrädern, beide mit Kapuzenjacken bekleidet, unter der Graffiti-Brücke.

  • zirka 3.45 Uhr: Ein weiterer Zeuge macht die gleiche Beobachtung und gibt ebenfalls an zwei Personen mit Fahrrädern und Kapuzenjacken unter der Graffiti-Brücke gesehen zu haben.

  • 3.46 Uhr: In der unmittelbaren Umgebung bei Möbel-Boss löst die Alarmanlage aus. Die Polizei stellt später fest, dass am östlichen Eingangsbereich ein Einbruchsversuch vorliegt.

  • Zeitraum bis 3.57 Uhr: Zeugenaussagen schließen die zeitliche Lücke unter der Graffiti-Brücke bis 3.57 Uhr.

  • 3.58 Uhr bis 4.05 Uhr: Was in dieser Zeit geschah ist unklar. Vielleicht ein Unfall mit einem Fahrzeug mit Ausbau, so die Polizei

  • 4.06 Uhr - Ein Autofahrer entdeckt den bewusstlosen 17-Jährigen, mit nacktem Oberkörper, auf der Straße liegen. Er verständigt Polizei und Rettungsdienst.



  • Der 17-Jährige starb wenige Stunden später an einem Schädel-Hirn-Trauma und schwersten inneren Verletzungen im Krankenhaus.

  • Seine Geldbörse trug er bei sich, sein Handy wurde in der Nähe aufgefunden. Die Polizei schließt ein Raubdelikt aus.

  • Auch einen Sturz von der Brücke schließt die Polizei aus

  • Er war mit seinem Fahrrad unterwegs. Dieses wurde in direkter Nähe aufgefunden. Es zeigt keine erkennbaren Unfallschäden. Nur die Kette war abgesprungen.

  • Es gibt keine Anhaltspunkte für ein Sexual-Delikt.

  • Den Abend hat er mit Freunden verbracht. Die Wege sollen sich später getrennt haben.

  • Er hatte Alkohol zu sich genommen.

  • Die Polizei veröffentlicht einen neuen Ermittlungsansatz. Ein Fahrzeug könnte die Verletzungen verursacht haben.



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