KolumneHeute: Die Halloweenisierung des Abendlandes

von Sina Rühland


| Foto: Anke Donner)

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Hexen, Geister, Monster und Zombies – wer am Samstagabend durch die Straßen ging, dem dürften die kleinen gruseligen Gestalten nicht entgangen sein. Doch nicht jeder kann sich an dem amerikanischen Fest erfreuen. Was für den einen eine entzückende Gruselshow ist, stellt für den anderen die Halloweenisierung des Abendlandes dar.

Es ist viele Jahre her, da sind wir Kinder mit einem Beutel in der Hand, lauthals "Martinsabend..." singend, durch die Straßen unseres Einfamilienhaus-Idylls gezogen und haben die Nachbarschaft mit der Bitte um Süßigkeiten terrorisiert. Es war fabelhaft. Nicht etwa, weil wir den Heiligen Martin so verehrt haben, wohl eher aus Freude an dem ganzen herrlichen Süßkram. Einige Jahre später hat sich dieser evangelischen Brauch fast erledigt. Man deckt sich nun einen Tag vor Halloween mit Süßigkeiten ein, schnitzt Kürbisse zurecht und hängt Spinnennetze an die Tür. Wenn es dann am frühen Abend an der Haustür klingelt, rufen einem zwei kleine Monster, eine Hexe und ein Zombie "Süßes sonst gibts Saures" entgegen. Man tut so, als habe man sich unheimlich erschrocken und befüllt die Beutel mit dem Zuckerzeug. Zufrieden ziehen die Kinder mit ihrer Ausbeute wieder ab.

Es gibt aber auch Menschen, die ziehen um 16 Uhr ihren Rolladen herunter. Verbarrikadieren sich im Dunkeln und hoffen, dass ja niemand klingelt. Jede Straße hat einen solchen Grinch. Der Grinch ist alterslos, ist weder besonders zufrieden noch besonders unglücklich. Er wohnt nicht alleine, allerdings auch nicht in einer Großfamilie. Seine wöchentlichen Einkäufe erledigt er nur dann, wenn seine Lieblingstütensuppe im Angebot ist. Gelegentlich teilt der Grinch auch sein Hab und Gut, allerdings nur zu seinen Konditionen. Verkleideten Kindern, die drohen, Eier an die Hauswand zu werfen, kann er nichts abgewinnen und versteckt sich daher grummelnd in seinem Loch. Er schimpft über Amerika, über kleine, bunte Schnorrer und den Untergang der abendländischen St. Martin-Kultur. Überhaupt würde man mit Halloween den Kindern Erpressung beibringen. Und wer dürfe die Zahnarztbesuche nach den Zuckerorgien bezahlen? Natürlich der kleine Mann. Aber so nicht, sagt sich der Grinch, und schaltete auf stur. Gegenargumente lässt er nicht durchgehen. Dieser ganze Halloween-Multi-Kulti sei ohnehin nur von denen da oben bestimmt. Das Volk solle denken, Monster seien gar nicht gefährlich. Aber nicht dem Grinch. Er hat das Spiel nämlich durchschaut.

 Die Autorin: RegionalHeute.de-Redakteurin Sina Rühland.
Die Autorin: RegionalHeute.de-Redakteurin Sina Rühland. Foto:



Wenn man dem Spektakel persönlich auch nichts abgewinnen kann, so erwärmt sich doch eigentlich jedes Herz, wenn man die Kleinen dann vor der Türe stehen sieht. Sollte der hinterste Zombie 1,90 Meter groß sein und einen Schnurrbart haben, darf man selbstverständlich freundlich nach dem Alter fragen. Aber eigentlich hat doch auch für den jungen Mann noch ein Stück Schokolade übrig, oder? So wie der Grinch, halten es übrigens 25 Prozent aller Deutschen an Halloween. Sie tun so, als seien sie nicht zuhause. Und das finde ich wirklich gruselig.