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Landgericht Braunschweig: Schauplatz spektakulärer Fälle

In den langen Jahren seines Bestehens war das Landgericht Schauplatz zahlreicher spektakulärer und aufsehenerregender Prozesse.

Am Landgericht Braunschweig wurden viele spektakuläre Prozesse geführt.
Am Landgericht Braunschweig wurden viele spektakuläre Prozesse geführt. Foto: Anke Donner

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06.10.2020

Region. Immer wieder werden vor dem Braunschweiger Landgericht spektakuläre und aufsehenerregende Prozesse verhandelt. Viele davon waren Mordprozesse, die bundesweit für Interesse gesorgt haben. regionalHeute.de hat die bekanntesten Verhandlungen zusammengefasst.



Außer den Tötungsdelikten fand beispielsweise auch 2005 das Berufungsverfahren gegen einen ehemaligen Fußballprofi wegen Beleidigung eines Polizeibeamten oder 2007 ein Verfahren wegen Untreue gegen einen ehemaligen VW-Personalvorstand sowie einen Betriebsratsvorsitzenden bundesweit Beachtung. Ganz aktuell wurde bekannt, dass der Tatverdächtige im Fall Maddie McCann bereits wegen Vergewaltigung vor dem Landgericht in Braunschweig stand.

Für besondere Aufmerksamkeit aber haben die Mordprozesse gesorgt, die in der Münzstraße verhandelt worden. So zum Beispiel der Prozess gegen einen 34-jährigen Mann, der den Lebensgefährten seiner Schwester auf offener Straße erschoss. Im Januar 2019 kam es zu dem schrecklichen Mord auf einem Parkplatz in Salzgitter, gut ein Jahr später, im Februar 2020 erging dann am Braunschweiger Landgericht das Urteil gegen ihn. Der Mann wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe mit besonderer Schwere der Schuld verurteilt.

Im Januar 2019 sprach die 9. Große Strafkammer des Landgerichts Braunschweig einen 38-jährigen Albaner des Mordes für schuldig. Anton B. Wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht stellte überdies die besondere Schwere der Schuld fest. Der seit 1992 in Deutschland lebende Albaner kann auch nach 15 Jahren nicht aus dem Gefängnis entlassen werden. Anton B. Hatte im Mai 2018 seine Ex-Lebensgefährtin Emine A. in Salzgitter kaltblütig auf offener Straße mit einem Kopfschuss getötet.


Siegfried C. beim Prozess 2016 vor dem Landgericht Braunschweig. Foto: Anke Donner


Im Januar 2016, mehr als drei Jahre nach dem Mord an einer Küsterin in Braunlage, stand der Ehemann der Frau erneut vor Gericht. In der Verhandlung sollte die Frage der besonderen Schwere der Schuld geklärt werden. Zuvor war der Mann, der am 16. November 2012 seine Ehefrau in der Sakristei der Kirche, in der sie als Küsterin arbeitete, durch einen Schuss in den Hinterkopf getötet haben soll, wegen Körperverletzung und Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Zu einer Urteilsverkündung kam es allerdings nicht mehr, da der Angeklagte während des Prozesses verstarb.

2014 bewachten rund 50 Beamte der Bereitschaftspolizei das Landgericht an 12 Prozesstagen bei einem Strafverfahren, das eine Schießerei auf offener Straße in Salzgitter-Lebenstedt zwischen zwei Mhallamye-Kurden-Clans zum Gegenstand hatte. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat gegen einen 55-Jährigen aus Bremen Anklage wegen versuchten Totschlags zur Schwurgerichtskammer des Landgerichts Braunschweig erhoben. Dem Mann wurde vorgeworfen, in der Nacht vom 23. zum 24.7.2013 nach Streitigkeiten mit einer Pistole auf drei Männer der gegnerischen Gruppe geschossen zu haben. Zwei der Geschädigten erlitten Schussverletzungen im Bauchbereich, der Dritte eine Prellung.



2011 wurden in dem sogenannten Torso-Prozess ein damals 49-jähriger Schlachter aus Vienenburg und sein 28-jähriger Sohn wegen Mordes an einem Bordellbesitzer zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt. Aus Verärgerung über mangelndes Entgegenkommen und zur Erlangung der von diesem mitgeführten 25.000 Euro soll er einen 35-jährigen Mann den Ermittlungen zufolge zunächst mittels eines Revolvers durch einen aufgesetzten Bauchschuss niedergeschossen haben. Als er bemerkt habe, dass das Opfer den Tötungsversuch überlebt hatte, habe er diesem einen gezielten Messerstich ins Herz versetzt, an dem es alsbald verstorben sei. Später wurde das Opfer zerstückelt. Der Torso wurde in der Okertalsperre gefunden.

1999 fand der Prozess um den spektakulären Mord an dem griechischen Gastronomen und Bordellbetreiber Elefterios Varlamis statt, der auf der Autobahn in seinem Wagen aus einem vorbeifahrenden Auto heraus erschossen worden war. Für die Todesschüsse auf der A 395 am 22. Juli 1998 wurden die fünf Angeklagten zu lebenslänglichen Freiheitsstrafen verurteilt.


Foto: Anke Donner


1997 sorgte der Mord an der Pastorenfrau Veronika Geyer-Iwand für großes Aufsehen. Die Ortsbürgermeisterin von Beienrode wurde in einem Waldstück bei Hötzum erschlagen aufgefunden. Später stellte sich heraus, dass der eigene Ehemann die Frau tötete. Geyer wurde anschließend am Landgericht Braunschweig als erster Geistlicher in der Bundesrepublik Deutschland überhaupt wegen Tötung seiner Ehefrau zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt. Geyer starb ein Jahr nach seiner Haftentlassung im Jahr 2003. regionalHeute.de hat 20 Jahre nach dem Verbrechen mit den Ermittlern gesprochen.

1978 erging das Urteil gegen den Exil-Ungarn Ferenc Sos, der in Braunschweig-Mascherode die fünfköpfige Familie eines Bankdirektors erdrosselt hatte. Sos wurde vom Braunschweiger Landgericht zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Er starb 2011 in der JVA Celle.

1950 wurde der Massenmörder Rudolf Pleil, der sich selbst „Totmacher" nannte und der an der Zonengrenze mindestens zehn junge Frauen umgebracht hatte, zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Pleil hatte 1946 und 1947 mehrere Frauen ermordet. Unter anderem tötete er zwei Frauen bei Vienenburg, deren Leichen er in einem Brunnen zurückließ.


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