Lehrer warnen: "Keine Öffnung der Schulen um jeden Preis!"

Erst wenn die angekündigten Schnelltests und die Impfmöglichkeit bei allen in Schule Tätigen wirklich sichergestellt seien, könne aus Sicht des Lehrerverbandes eine schrittweise Öffnung auch der weiterführenden Schulen erfolgen.

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Symbolbild Foto: Pixabay

Hannover. Der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte (VNL/VDR) appelliert an Ministerpräsident Stephan Weil und Kultusminister Grant Hendrik Tonne mit Blick auf das bevorstehende Treffen der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin, die Schulen angesichts der angespannten Pandemiesituation nur mit Augenmaß zu öffnen. Das teilt der Verband in einer Pressemitteilung mit.


„Eine generelle Öffnung um jeden Preis darf es nicht geben. Die starke und schnelle Verbreitung der Corona-Mutanten in ganz Deutschland auch bei Kindern und Jugendlichen verbietet ein solches Vorgehen, auch wenn ein langes Jahr mit schmerzhaften Einschränkungen hinter uns liegt und eine Schulöffnung herbeigesehnt wird“, so Torsten Neumann, VNL/VDR-Landesvorsitzender.

"Schnelltests und Schutzimpfungen bislang nur Ankündigungen"


Für eine schrittweise Weiteröffnung der Schulen auch in Niedersachsen bedürfe es einer umsichtigen Strategie. Erst wenn die angekündigten Schnelltests und die Impfmöglichkeit bei allen in Schule Tätigen wirklich sichergestellt seien, könne aus Sicht des VNL/VDR eine schrittweise Öffnung auch der weiterführenden Schulen erfolgen. Bislang gebe es in punkto Schnelltests und Schutzimpfungen vor allem nur Ankündigungen, es müssten endlich konkrete Taten folgen. Sowohl alle Lehrkräfte wie auch das weitere Schulpersonal aller Schulen müssten geimpft werden können, wenn die Schulen wieder geöffnet werden sollen. „Solange nicht alle in Schule Tätigen ausreichend geschützt werden können, kann es kein Zurück zu einem halbwegs normalen Schulbetrieb kommen. Präsenzunterricht, egal ob als Szenario A oder B, setzt den Schutz durch eine Impfung voraus“, so Neumann weiter.

Die bevorstehende wärmere Jahreszeit dürfe nicht dazu führen, dass wichtige Entscheidungen wie die zügige Umsetzung des DigitalPaktes oder die weitere Ausstattung der Schulen im Bereich des Gesundheitsschutzes wieder vernachlässigt würden. Das Schleifenlassen der Aktivitäten zur Coronabewältigung in den Schulen im letzten Sommer habe zu schwerwiegenden Problemen während des jetzigen Lockdowns geführt. Das dürfe sich nicht wiederholen. Im Bereich der Digitalisierung müsse der Fokus neben der Bereitstellung der Hardware auf sinnvoll gestaltete digitale Lerninhalte liegen. Analoges und digitales Lernen müssten im Bildungssystem verankert beziehungsweise verzahnt werden. Es werde allerhöchste Zeit, die Digitalisierung intensiver und konsequenter voranzutreiben.

"Schrittweise, versetzte Rückkehr einzelner Jahrgänge"


Neumann abschließend: „Eine generell Öffnung der weiterführenden Schulen sollte aus unserer Sicht nicht überstürzt erfolgen. Der regionale Inzidenzwert muss bei der Entscheidung Berücksichtigung finden, eine pauschale, flächendeckende Schulöffnung darf es nicht geben. Sinnvoll wäre aus unserer Sicht eine schrittweise, versetzte Rückkehr einzelner Jahrgänge in die Schulen, zunächst beginnend mit den Jüngeren im Wechselbetrieb. Eine überstürzte Rückkehr aller Schülerinnen und Schüler auf einmal erscheint gerade angesichts der Ausbreitung der Mutanten und der noch nicht sichergestellten Schutzmaßnahmen wie Schnelltests und Impfungen nicht sinnvoll."


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