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Maximal zwölf Pflegearbeitsstunden?: Marburger Bund fordert Entlastung der Fachkräfte

Vor dem Hintergrund der aktuellen Corona-Krise sollen Pflegende entlastet werden, das fordert der Ärzteverband.

Symbolbild.
Symbolbild. Foto: Pixabay

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04.11.2020

Region. Der Marburger Bund Niedersachsen kritisiert in einer Pressemitteilung die Ausweitung der Höchstarbeitszeit in der Krankenversorgung und verlangt Maßnahmen zur Entlastung der Beschäftigten. Die Allgemeinverfügung des Sozialministeriums lasse eine tägliche Höchstarbeitszeit von 12 statt bisher 10 Stunden zu, so der Ärzteverband. Davon betroffen seien Pflegende, ärztliches und therapeutisches Personal in Pflegeheimen und Krankenhäusern sowie Beschäftigte im Rettungsdienst. Um die Pflegenden und Ärzte in der derzeitigen Corona-Krise zu entlasten, schlägt der Marburger Bund auf die Überprüfungspflicht durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder Dokumentationspflichten im Qualitätsmanagement zu verzichten.



„Der Personalmangel in niedersächsischen Krankenhäusern wird nicht geheilt, indem man die Voraussetzungen dafür schafft, dass die Beschäftigten noch mehr über die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit hinaus arbeiten“, kritisiert Hans Martin Wollenberg, Erster Vorsitzender des Marburger Bundes Niedersachsen. „Der Mangel in den pflegerischen und medizinischen Berufen ist lange bekannt. In der aktuellen Situation brauchen wir kurzfristig mehr Personal in der Krankenversorgung.“

Aktuell sei die Corona-Lage in den niedersächsischen Krankenhäusern unter Kontrolle. Das könne sich aber ändern. „Ansteigende Infektions- und Patientenzahlen können wir nur mit und nicht gegen die Beschäftigten bewältigen“, macht Wollenberg deutlich. „Wir müssen die Beschäftigten dringend von Bürokratie entlasten. Dazu könnte das Aussetzen von MDK-Prüfungen, Audits oder bestimmten Dokumentationspflichten, zum Beispiel im Qualitätsmanagement, beitragen.“

Andreas Hammerschmidt, Zweiter Vorsitzender des Marburger Bundes Niedersachsen, weist auf ein Grundproblem hin: „Bereits vor der Pandemie gab es einen Mangel an ärztlichem und pflegerischem Personal in den Kliniken. Aktuell sind mehrere hundert ärztliche Stellen in den niedersächsischen Krankenhäusern nicht besetzt. Es muss endlich dafür Sorge getragen werden, dass sich genügend Beschäftigte um die Patientinnen und Patienten kümmern können. Unterfinanzierung und Stelleneinsparungen rächen sich – nicht nur, aber gerade in einer Pandemie.“

Hammerschmidt kritisiert: „Die Landesregierung mahnt zu Recht flexible Lösungen an. Aber der Ansatzpunkt ist völlig falsch.“ Er schlägt vor, im Ernstfall Personal aus patientenferneren Bereichen ans Krankenbett zu holen: „In der ersten Welle haben auch Kolleginnen und Kollegen aus dem MDK oder dem Controlling am Krankenbett mitgeholfen. Ich bin mir sicher, dass diese im Ernstfall dazu erneut bereit wären.“


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