Berlin. Angesichts der laufenden Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrages fordern Suchtberatungsstellen in den Ländern schärfere Regeln bei der Werbung für Sportwetten. Hintergrund sind steigende Fallzahlen von Süchtigen und Suchtgefährdeten, wie eine Abfrage des "Redaktionsnetzwerks Deutschland" (Mittwochausgaben) bei Landesstellen für Suchtfragen ergab.
Alle angefragten Einrichtungen sehen einen Zusammenhang zwischen Glücksspielstörungen und Suizidalität. Sie fordern den Ausbau von niedrigschwelligen Hilfsangeboten und eine schärfere Gesetzgebung, die von eingeschränkter Sichtbarkeit bis zu einem kompletten Sponsoring- und Werbeverbot für Glücksspielanbieter reicht.
Allein in Niedersachsen zeigt eine Auswertung der spezialisierten Fachstellen, dass der Anteil der Menschen, die sich wegen Problemen mit Sportwetten beraten lassen, in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Machten Sportwetten im Jahr der Legalisierung 2021 noch 22 Prozent aus, stieg der Anteil kontinuierlich auf 33,2 Prozent im Jahr 2025 an. In Mecklenburg-Vorpommern kletterte der Anteil der Klienten mit Glücksspielproblematik im selben Zeitraum von unter einem Prozent auf rund 17 Prozent im Jahr 2025. Im Saarland wird ein Anstieg von 23 Prozent im Jahr 2023 auf mittlerweile 50 Prozent geschätzt.
"Hinsichtlich der Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrages fordern wir eine weitgehende Einschränkung oder ein Werbeverbot für Glücksspielanbieter, ähnlich wie es schon bei Tabakanbietern der Fall ist", sagte Hanna Ritter aus der Landesfachstelle Glücksspielsucht Saarland den Zeitungen. Derzeit wird der Glücksspielstaatsvertrag geprüft, unter anderem mit einer Studie zur Glücksspielwerbung im Fernsehen und im Internet. Bis zum 31. Dezember 2026 soll den Ländern ein Evaluierungsbericht vorgelegt werden.
Die Landesstellen warnen zudem vor einem Anstieg während der Fußball-WM. Wie verbreitet die Werbung ist, zeigt eine neue Auswertung der Uni Hohenheim für das "Redaktionsnetzwerk Deutschland". Allein bei den vier Deutschland-Spielen waren demnach bei einer Übertragungszeit von 958 Minuten 113 Minuten mit Glücksspielwerbung befüllt. Bei ARD oder ZDF waren das pro Spiel durchschnittlich 28 Minuten - auf den Banden am Spielfeldrand, auf den Werbetafeln bei Interviews und in der Vor- und Nachberichterstattung.
"Aus unserer Sicht darf für ein potenzielles Suchtmittel wie es die Sportwetten sind, nicht rund um die Uhr geworben werden", sagte Konrad Landgraf, Geschäftsführer der bayerischen Landesstelle Glücksspielsucht, den Zeitungen dazu. "Allein schon wegen des Schutzes von Kindern und Jugendlichen fordern wir ein Werbeverbot bis zum späten Abend." Zudem müssten auch die Sportwettangebote im Netz deutlich strenger reguliert werden.
Suchtberatungsstellen wollen Werbeverbot für Sportwetten
Angesichts der laufenden Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrages fordern Suchtberatungsstellen in den Ländern schärfere Regeln bei der Werbung für Sportwetten.
Tipico (Archiv) | Foto: via dts Nachrichtenagentur
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