Region. Der Goldschakal breitet sich seit Jahren in Europa aus. Auch in Deutschland wird das Wildtier inzwischen regelmäßig nachgewiesen. Ob er bereits durch die Region Braunschweig streift, beantworten das Niedersächsische Umweltministerium und die Landesjägerschaft Niedersachsen unterschiedlich.
Der Goldschakal gehört zur Familie der Hundeartigen. Mit einem Körpergewicht von acht bis 15 Kilogramm und einer Körperlänge von rund 80 bis 95 Zentimetern ist er deutlich kleiner als ein Wolf, aber größer als ein Rotfuchs.
Zwischen Fuchs und Wolf
Sein Aussehen führt immer wieder zu Verwechslungen. „Ich beschreibe den Goldschakal gerne mit dem Satz: ‘Vorne Fuchs, hinten Wolf’“, erklärt Raoul Reding, Wolfsbeauftragter der Landesjägerschaft Niedersachsen. Der Kopf erinnere in seinen Proportionen an einen Fuchs, das Hinterteil eher an einen Wolf. Auffällig sei außerdem die kurze Rute, die höchstens bis zum Sprunggelenk reiche.
Auf größere Entfernung oder bei schlechten Lichtverhältnissen sei eine sichere Unterscheidung selbst für erfahrene Naturbeobachter schwierig. Deshalb dürfte ein Teil der Tiere unerkannt bleiben. „Viele Goldschakale werden vermutlich nicht als solche erkannt und dementsprechend auch nicht gemeldet. Es ist daher davon auszugehen, dass die tatsächliche Verbreitung derzeit unterschätzt wird“, sagt Reding.
Seit Jahren auf dem Vormarsch
Nach Angaben des Wolfsmonitorings Niedersachsen wurde der Goldschakal 2015 erstmals in Niedersachsen nachgewiesen. Inzwischen liegen mehr als 24 gesicherte Nachweise vor. 2022 wurde im Landkreis Uelzen erstmals Nachwuchs bestätigt. Damit steht fest, dass sich der Goldschakal in Niedersachsen inzwischen auch fortpflanzt.
„Aus Naturschutzsicht ist die Ausbreitung des Goldschakals in Niedersachsen zunächst kein Grund zur Sorge“, sagt NABU-Pressesprecher Lamin Neffati. Der Goldschakal breite sich auf natürlichem Weg aus und sei keine invasive, vom Menschen eingeschleppte Art.
Als Gründe für die Ausbreitung gelten vor allem die hohe Anpassungsfähigkeit der Art und zunehmend milde Winter. Auch bei der Nahrung zeigt sich der Goldschakal flexibel. Anders als der Wolf jagt er nur selten größere Beutetiere. Er frisst Kleinsäuger, Amphibien, Insekten, Vögel, Früchte, Beeren und Aas. „Der Goldschakal kann im Ökosystem die Rolle der Gesundheitspolizei übernehmen. Er verwertet Aas und kann so zur natürlichen Aufräumarbeit in der Landschaft beitragen“, erklärt Lamin Neffati.
In der Region angekommen?
Bei der Bewertung der regionalen Lage gehen die Angaben auseinander. Das Niedersächsische Umweltministerium teilte auf Anfrage von regionalheute.de mit, dass für Braunschweig, Wolfenbüttel, Salzgitter und Peine derzeit keine bestätigten Nachweise oder belastbaren Hinweise auf Goldschakale vorlägen. Die Landesjägerschaft Niedersachsen verweist dagegen auf zwei bestätigte Nachweise aus dem Raum Braunschweig aus dem Jahr 2023: einen Totfund auf der A2 bei Braunschweig sowie einen Sichtungsnachweis zwischen Braunschweig und Gifhorn.
Keine Gefahr für Menschen
Die Ausbreitung des Goldschakals sorgt immer wieder für Verunsicherung. Für Menschen sehen Fachleute jedoch keinen Anlass zur Sorge. „Nein, von dem Goldschakal geht keine direkte Gefahr für den Menschen aus“, stellt Lamin Neffati klar. Goldschakale meiden den Kontakt zum Menschen in der Regel. Begegnungen bleiben selten.
Auch Angriffe auf Hunde oder Katzen sind in Deutschland bislang nicht belegt. „Für Angriffe auf Hunde oder Katzen liegen aus Deutschland bislang keine belegten Nachweise vor und ist als unwahrscheinlich zu bewerten“, erklärt NABU-Sprecher Lamin Neffati. Wer einem Goldschakal begegnet, sollte ruhig bleiben, Abstand halten und dem Tier eine Rückzugsmöglichkeit lassen. Füttern, Anlocken oder Verfolgen sollte man Wildtiere grundsätzlich nicht.
Vom Zufallsfund bis zur DNA-Probe
Ob ein Goldschakal in einer Region tatsächlich vorkommt, entscheidet sich nicht anhand einer einzelnen Sichtung. Für einen gesicherten Nachweis müssen Hinweise wissenschaftlich überprüft werden. Nach Angaben des Umweltministeriums werden Goldschakal-Meldungen nach den europaweit anerkannten SCALP-Kriterien bewertet, die auch beim Wolfsmonitoring angewendet werden. Als gesichert gelten unter anderem eindeutige Foto- oder Videoaufnahmen, genetische Nachweise und Totfunde. Die Ergebnisse werden anschließend bundesweit abgestimmt.
Eine wichtige Rolle spielt dabei das Wolfsmonitoring. Viele Hinweise stammen von Fotofallen, die ursprünglich für Wölfe aufgestellt wurden. In Gebieten mit Verdachtsfällen können weitere Untersuchungen folgen. Auch Jäger tragen nach Einschätzung der Landesjägerschaft wesentlich zur Erfassung bei. Sie sind regelmäßig in den Revieren unterwegs, kennen die örtlichen Wildbestände und bemerken Veränderungen häufig früh.
„Diese Kombination aus Ortskenntnis, Erfahrung und flächendeckender Präsenz bietet ideale Voraussetzungen für ein effizientes Monitoring der Art“, sagt Wolfsbeauftragter Raoul Reding. Wer glaubt, einen Goldschakal gesehen zu haben, kann den Hinweis über das
niedersächsische Wolfsmonitoring melden. Dafür stehen ein Online-Meldeformular sowie die App „Wolfsmeldungen Niedersachsen“ zur Verfügung.

