Jugend im Fokus: Stadt Peine will Jugendarbeit stärken

Peine will die Jugendbeteiligung stärken. Neue Projekte und Mitgestaltungsmöglichkeiten geben Jugendlichen mehr Einfluss auf Stadtgeschehen und Freizeitangebote.

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Symbolfoto. | Foto: Pixabay

Peine. Im Zuge der jüngsten Beratungen des städtischen Fachausschusses für Strukturpolitik und Wirtschaft und des hier vereinbarten Gesprächskonzepts zwischen Politik und Verwaltung wurden jetzt die maßgeblichen Punkte, wie die Jugendarbeit verbessert, Beteiligungsformate für Jugendliche weiterentwickelt und neue Angebote geschaffen werden können, intensiv im Rathaus erörtert. Das geht aus einer Mitteilung der Stadt hervor.



„Unser Ziel war es, inhaltliche Positionen abzugleichen und eine gemeinsame Perspektive für den weiteren Umgang mit jugendrelevanten Themen zu entwickeln“, erklärt Erster Stadtrat Christian Axmann, „aufbauend auf den aktuellen Entwicklungen und ergänzend zu den im Gespräch behandelten Themen hat die Stadtjugendpflege inzwischen übrigens auch ein neues Angebot für Jugendliche ab 16 Jahren konzipiert.“ Dieses solle Ende April im Jugendfreizeiteinrichtung Nummer 10 starten.

Austausch mit Jugendlichen


Zur weiteren Ausgestaltung wolle man gezielt den Austausch mit Jugendlichen suchen, die diesen Bedarf jüngst auch in der Lokalpresse artikuliert hatten. Henrik Kühn, städtischer Amtsleiter für Bildung und Kultur und in dieser Funktion verantwortlich für die Stadtjugendpflege, stellte Maßnahmen, Aktionen und Angebote sowie geplante Entwicklungen vor. „Wir haben in den vergangenen Jahren bewusst daran gearbeitet, unsere Angebote stärker an den tatsächlichen Bedürfnissen der Jugendlichen auszurichten“, sagte Kühn. Dabei ging er insbesondere auf die Beteiligungsformate „Pimp your Town!“ und „Projektschmiede“ ein. Beteiligungsformate seien nicht nur punktuelle Projekte, sondern ein zentraler und künftig weiter ausgebauter Bestandteil moderner Jugendarbeit. Ziel sei es, Jugendlichen dauerhaft echte Mitwirkungsmöglichkeiten zu eröffnen und ihre Perspektiven systematisch in Planungs- und Entscheidungsprozesse einzubeziehen.
Mit Blick auf die im Rahmen der Projektschmiede diskutierte Pop-up- Nutzung von Leerständen betonte Kühn sowohl die Chancen als auch die Grenzen: „Solche Formate können Impulse setzen und Aufmerksamkeit erzeugen, sie ersetzen aber keine kontinuierliche, verlässliche Jugendarbeit.“ Viele Fragen – etwa zur Finanzierung, Ausstattung und organisatorischen Betreuung – seien noch zu klären. Nach Auffassung der Stadtverwaltung eignet sich dieser Ansatz für temporäre Nutzungen und flexible Konzepte weitaus mehr für das neue städtische Förderprojekt im Bereich von Start-up-Gründungen.


Stadtjugendpflege präsenter


Deutlich positiv entwickelte sich die verstärkte Präsenz der Stadtjugendpflege in der Innenstadt. Durch Aktionen bei verkaufsoffenen Sonntagen, offene Angebote im Jugendfreizeitzentrum Töpfers Mühle sowie kostenfreie Mitmachaktionen sei die Sichtbarkeit deutlich gestiegen. „Wir erreichen Jugendliche dort, wo sie sich ohnehin aufhalten, und schaffen niedrigschwellige Zugänge“, so Kühn.

Ein sichtbares Ergebnis der Beteiligungsprozesse sei die Schaffung neuer Sitzmöglichkeiten im Innenstadtbereich. Diese seien in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung und Peine Marketing umgesetzt worden und würden bereits intensiv genutzt. „Hier wird deutlich, dass Beteiligung nicht folgenlos bleibt, sondern konkret etwas im Stadtbild verändert“, erklärte Kühn. Auch weitere, im Ausschuss diskutierte Themen griff er auf: So gebe es bereits Angebote kostenfreier Hygieneartikel für junge Frauen, die zur Enttabuisierung beitrügen und die Chancengleichheit stärkten.

Besonders erfolgreich sei die Weiterentwicklung der Angebote für die Altersgruppe der 12- bis 18-Jährigen. Formate wie „Schools-Out-Discos“, Mitternachtssport oder die Beteiligung an der „Langen Nacht der Demokratie“ hätten zu einer deutlich gestiegenen Nachfrage geführt. „Wir sehen, dass unsere zielgruppenspezifischen Anpassungen ankommen – insbesondere freitags haben wir eine sehr gute Resonanz“, sagte Kühn.

Projekte weiteer ausbauen


Für das Jahr 2026 kündigte er an, bestehende Projekte weiter auszubauen und Beteiligungsformate fortzuführen. Dabei komme der aktiven Einbindung von Jugendlichen weiterhin eine herausgehobene Bedeutung zu. Ziel sei es, Jugendlichen sowohl kreative Freiräume als auch konkrete Mitgestaltungsmöglichkeiten zu bieten.

In der anschließenden Diskussion bestand Einigkeit darüber, die positiven Entwicklungen stärker öffentlich zu kommunizieren und Jugendliche noch direkter einzubinden – etwa über Formate im Kontext der „Erstwahlprofis“ und durch eine noch intensivere Social-Media-Präsenz als bisher. Auch finanzielle Rahmenbedingungen wurden offen thematisiert. Nicht alle Projekte können realisiert werden, was transparent vermittelt werden müsse. Gleichzeitig wurde betont, dass einzelne Vorhaben auch über Kooperationen mit externen Partnern angestoßen werden könnten.

Gemeinsames Konzept


Matthias Wehrmeyer, Vorsitzender der Ratsgruppe SPD und Bündnis 90/Die Grünen, zog ein positives Fazit: „Die Entwicklung zeigt, dass Beteiligung ernst genommen und sichtbar umgesetzt wird. Das stärkt das Vertrauen der Jugendlichen in politische Prozesse und macht deutlich, dass ihre Ideen Wirkung entfalten können.“ Zugleich hob er hervor: „Wichtig ist, dass dieser Weg konsequent weitergegangen wird und Beteiligung kein einmaliges Projekt bleibt, sondern dauerhaft verankert wird.“

Thorge Karnick, Vorsitzender der Ratsgruppe „Gemeinsam für Peine - CDU, FDP, Volt und Weitling“, ergänzte: „Die vorgestellten Maßnahmen zeigen, dass Verwaltung und Politik gemeinsam an einem klaren Konzept arbeiten. Besonders wichtig ist, dass neben neuen Ideen auch die bestehenden Strukturen gestärkt werden.“ Mit Blick auf die Umsetzung betonte er: „Es ist richtig, Chancen aufzuzeigen, aber ebenso wichtig, offen über Grenzen zu sprechen – genau das schafft Glaubwürdigkeit gegenüber den Jugendlichen und sorgt für realistische Erwartungen.“