Bochum. Der Bochumer Politikwissenschaftler Oliver Lembcke schätzt die innerparteiliche Machtstellung von AfD-Chefin Alice Weidel als deutlich begrenzter ein, als ihr öffentliches Auftreten vermuten lässt.
"Man muss zwischen öffentlicher Wahrnehmung und innerparteilicher Macht unterscheiden", sagte Lembcke dem "Handelsblatt". Nach außen sei Weidel ohne Zweifel das prägende Gesicht der AfD. Innerhalb der Partei gelinge es ihr jedoch nicht, speziell den völkischen Flügel dauerhaft zu disziplinieren. Als jüngstes Beispiel nannte Lembcke die Äußerungen des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke über angeblich "undeutsche" Westdeutsche. Solche Vorstöße zeigten, dass der radikalere Parteiflügel der Bundesführung regelmäßig auf der Nase herumtanzen könne. Für den völkischen Teil der Partei sei Weidel vor allem eine willkommene bürgerliche Fassade, nicht dessen politische Führungsfigur.
Beim Thema Wirtschaft sieht der Politologe Weidel als Türöffnerin. "Weidel dürfte der AfD den Zugang zu Teilen der Wirtschaft erleichtern, wenn auch nur begrenzt", sagte Lembcke. Besonders im Mittelstand stoße ihr Kurs auf Interesse. Bei großen Unternehmen und Verbänden überwiege dagegen die Skepsis - wegen Bedenken hinsichtlich politischer Stabilität und der Folgen einer restriktiven Migrationspolitik für den Fachkräftemarkt.
Politologe: Weidels Macht in der AfD ist begrenzt
Der Bochumer Politikwissenschaftler Oliver Lembcke schätzt die innerparteiliche Machtstellung von AfD-Chefin Alice Weidel als deutlich begrenzter ein, als ihr öffentliches Auftreten vermuten lässt. "Man muss zwischen öffentlicher Wahrnehmung und innerparteilicher Macht unterscheiden", sagte Lembcke dem "Handelsblatt".
Alice Weidel am 04.07.2026 | Foto: via dts Nachrichtenagentur
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