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Pressekonferenz zur Hochwasserflut - Keine Entwarnung

von Alexander Dontscheff


Großes Medieninteresse an der Pressekonferenz. Foto: Werner Heise
Großes Medieninteresse an der Pressekonferenz. Foto: Werner Heise Foto: Werner Heise

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28.07.2017

Wolfenbüttel. Der Krisenstab hat getagt. Um 10 Uhr informierten Landkreis, Stadt, Feuerwehr und Polizei in einer Pressekonferenz über den aktuellen Stand der Hochwasserlage. regionalHeute.de informierte Sie im Liveticker.



Unter anderem äußerten sich Landrätin Christiana Steinbrügge, Bürbermeister Thomas Pink und Jörg Koglin, Leiter des Katastrophenstabs.

Offenbar war die Versorgung und Sicherheit der Wolfenbütteler Bevölkerung gefährdet, betont Steinbrügge. Die Gründe seien die erschöpften Kräfte und die eventuelle Evakuierung der Steinhäuser Gärten. "Wir haben die Notwendigkeit gesehen, die Einsätze zentral zu leiten", so die Landrätin. Auch die Spielregeln im Umgang mit den Medien würden sich ändern. "Wir wollen sicherstellen, dass die Informationen zielgerichtet weitergegeben werden und keine Verwirrung entsteht", so Steinbrügge.

Christiana Steinbrügge im O-Ton:

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Thomas Pink: "Wir haben nach dieser Nacht drei Schwerpunktbereiche, die zur Zeit abgesichert sind aber unter ständiger Kontrolle stehen müssen. Das sind zum einen der Germania Sportplatz mit dem angrenzenden Pflegeheim. Dort ist ein Wall errichtet und dort sind Pumpen im Einsatz. Die Lage scheint aber stabil zu sein. Der Rosenwall ist der zweite kritische Punkt. Das Wasser steigt nicht, hält dort aber stabil den hohen Pegel. Der dritte Punkt ist Groß Stöckheim. Neben der Oker gibt es dort auch den Brückenbach, daher ist es immer so, dass das Wasser in den Ort hereindrückt. Dort haben vor allem die Kameraden der Feuerwehr Stöckheim die Nacht durchgehalten. Ein gefährdetes Haus wurde abgesichert. Die Lage ist aber stabil.

Sandsäcke sind ausreichend befüllt


Ein generelles Problem für die gesamte Innenstadt ist der stabile Okerpegel, aber auch das Grundwasser, das in Wolfenbüttel sowieso sehr niedrig angesetzt ist weil wir in einer Tallage liegen und nun durch die Kellerböden dringt. Wir können nicht genügend Tauchpumpen zur Verfügung stellen, die Bürger sind aufgefordert, sich vorrangig selbst zu helfen. Das ist ein bekanntes Problem, aber das schaffen wir nicht. Wir kriegen viele Anrufe für freiwillige Hilfe vor Ort. Wir haben ausreichend Sandsäcke befüllt. Ab 16 Uhr würden wir nach Bedarf auf die Bürger zurückkommen, wir schreiben die Telefonnummern auf und kommen auf die Menschen zu ob wir sie benötigen oder nicht.

Thomas Pink im O-Ton:

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Problem "Hochwassertourismus"


Ein Punkt ist mir ganz besonders wichtig: Wir kriegen hier jetzt zunehmend eine Gafferproblematik und Hochwassertourismus. Eine Feuerwehrfrau wurde gestern beinahe von einem Fahrzeug überfahren. Wir bitten alle dringendst von diesen Dingen abzusehen. Wir beobachten das und würden dann auch einschreiten und Platzverweise aussprechen. Neuralgischer Punkt ist der Rosenwall ab Kreisel. Die Einsatzkräfte müssen dort und an den Steinhäuser Gärten ungestört arbeiten!


Von links: Jörg Koglin, Christiana Steinbrügge und Thomas Pink. Foto: Werner heise



Steinbrügge: Bürgertelefon, da geht es um Fragen "Wie komme ich in die Stadt", wo kann ich lang fahren aber auch die Frage, wie ist das mit Versicherungsansprüchen. Das Telefon wird bereits rege genutzt.

Jörg Koglin im O-Ton:

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Jörg Koglin informiert über den Einsatz der Feuerwehr. Foto: Werner Heise



Koglin: Wir arbeiten nach den Grundsätzen des Katastrophenschutzes. Erstmals seit Bestehen des Landkreises wurde der Katastrophenschutzfall ausgerufen! Die Situation habe es geboten. Normalerweise arbeitet man nach Lage, jetzt wird vorausschauend gearbeitet. Die Feuerwehr Wolfenbüttel ist nach drei Tagen total erschöpft, die Einsatzführung hat das Ende ihrer Kräfte gesehen. Wir brauchten dringend Unterstützung. Daher musste der Katastrophenalarm ausgelöst werden.

Derzeit sind 170 Einsatzkräfte unterwegs und 30 Kräfte im Ruhezustand in der Lindenhalle. Im Verlauf des gestrigen Tages wurden zirka 600 Einsatzkräfte in der Stadt Wolfenbüttel eingesetzt. Es besteht ein enger Kontakt mit der Polizeidirektion Braunschweig um Einsatzkräfte zu koordinieren. Heute morgen ist auch die Feuerwehrbereitschaft Salzgitter im Einsatz. Normalerweise gelte acht Stunden Einsatz, dann erfolgt eine Ablösung. Weitere Kräfte aus dem Land Niedersachsen wurden avisiert.

Medizinische Versorgung sicherstellen


Die Einsatzkräfte haben hohen Nahrungsmittelbedarf, das ist eine großer Herausforderung, das DRK Wolfenbüttel hat die Aufgabe übernommen. Unser Ziel ist, immer weit vor die Lage zu kommen. Wir wussten, was im Rosenwall auf uns zukommen wird, der Rosenwall ist uns bekannt, wir wissen was dort für Menschen leben, die durchaus auch in einem reiferen Alter sind, wir mussten die medizinische Versorgung sicherstellen, das war vor Ort nicht mehr möglich, aus dem Grunde entschlossen wir zu evakuieren.

Dass das richtig war, stellte sich heraus als der Rosenwall am späten Abend stromlos geschaltet werden musste, da die Verteilerstation im Parkhaus überzulaufen drohte. Wir haben dann einige Personen aus dem Rosenwall transportieren müssen. Eine beatmungspflichtige Patientin kam ins Jugendgästehaus, so wie die anderen auch. Die aktuelle Lage hat sich derzeit stabilisiert. Die gleiche Aussage haben wir aber vor wenigen Tagen auch aus Schladen und Hornburg bekommen, aber das hat sich innerhalb weniger Stunden wieder geändert. Das wollen wir nicht auch durchmachen, daher die Frage nach einer langfristigen Lösung.


Matthias Tramp bei der PK. Foto: Werner Heise



Matthias Tramp im O-Ton:

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Verbesserung erst ab Sonntag


Matthias Tramp (Stadtwerke) zur Prognose für die kommenden Tage: Ein Prognose ist für die Bewohner von Wolfenbüttel sehr wichtig, da man sich vorbereiten möchte. Wir haben in der aktuellen Situation aber ein kleines Prognoseproblem. 1994 hat uns ein großes Hochwasser überrascht, seitdem haben wir schon viele Hochwasser erlebt, aber nicht in der Situation, wie es jetzt passiert ist. Bislang Pegel Schladen maximal Werte von 3,10 Meter (2007 Höchststand) 26. Juli 3,55 Meter 45 Zentimeter mehr als den wir kennen, eine einzigartige Situation die wir haben. Zweiter vorgelagerter Pegel in Ohrum, bisher 1994 4,30 Meter diesmal 4,40 Meter. Die Situation wird ergänzt durch die Problematik der großen Regenmengen im Vorfeld und den großen Regenfällen im Harz. Dies führte zur Veränderung der Abfolge von Hochwassern, wir können aus heutiger Sicht sagen, wir haben hier eine Situation, dass wir vom Pegel Ohrum auskommend rund 22 Stunden später erst eine Veränderung in Wolfenbüttel feststellen. Aus Ohrum ist von heute bis morgen Mittag die Prognose unverändert bei 4,30 Meter, immer noch auf einem Top-Niveau, es gibt keinen Grund an der Prognose zu zweifeln, wenn wir dann die 22 Stunden Nachlauf noch rechnen, werden wir mit den jetzigen Ständen noch zu tun haben. Aus heutiger Sicht gilt die Einschätzung, bis Sonntag noch nahezu die gleiche Situation wie heute zu haben. Wenn das Wetter nicht schlechter wird, dann könnte es ab Sontag eine Verbesserung geben.

Laut Tramp ist ein Stromausfall für ganz WF nicht zu befürchten.

Koglin: Zur Wasserqualität kann er sagen, dass im Bereich Rosenwall zirka 40 Autos langsam nass wurden als das Wasser anstieg, daher vermutlich leichte Gewässerverschmutzung. "Das hat für uns keine große Relevanz derzeit."

Fake-News: "Freunde, macht ne Pause!"


Pink: Zu Fake-News: Es gibt viele Leute die viel posten weil sie viel Zeit haben, oft ist nur die Hälfte wahr. Wir haben festgestellt, das Gräuelmeldungen über die sozialen Netzwerke gingen. Er bittet die Freunde "mal ne Pause zu machen".

Frage Versicherung: Auf Welche Hilfe können sie bauen? Pink: Die Situation in der Innenstadt -besonders in der inneren Okerumflut - ist allen bekannt. Seit diese Stadt gebaut wurde kommen die Keller in Bedrängnis, das müssen die Eigentümer wissen.

Gab es bislang Verletzte? Sowohl helfend oder Bürger? Koglin: Bislang keine erfassten Bürger außer den Evakuierten. Bei der Feuerwehr gebe es Stauchungen und Kratzwunden.

Eine dringende Bitte der Einsatzleitstelle: Bürger die Fragen zur Problematik haben bitte nicht 112 wählen sonder Bürgertelefon (05331 86-150 beziehungsweise -151, -152, -153 oder 154). Nicht die Leitungen blockieren.

Es gab zirka 60 bis 70 freiwillige Helfer.

Fragen zur Finanzentschädigung kann Steinbrügge noch nicht beantworten, Lage erst einmal abwarten.

Es sei eine unglaubliche Hilfe aus der Bevölkerung zu Teil geworden. Hierfür bedankt sich Pink außerordentlich.

Koglin: Für die Feuerwehr ist es immer sehr bedauerlich, den Bürgern mitzuteilen, dass man eine Einsatzstelle aufgibt. Das ist sehr sehr unangenehm wenn man das sieht. Beispiel Große Schule Gebiet, auch hier wollten wir helfen, das Wasser stand schon vor der Tür, es ging so schnell, wir konnten nicht mehr helfen.

Schützenfest verlegt - Wochenmarkt abgesagt


Eigentlich sollte Schützenfest gefeiert werden, was ist damit: Pink: Das Schützenempfang im Ratssaal wurde abgesagt da hier der Stab tagt. Die Feierlichkeiten werden sich im Schützenhaus abspielen, die Innenstadt steht in diesem Jahr nicht zur Verfügung. Auch der Wochenmarkt wird abgesagt.

Gefahr für Rathaus ist nach wie vor da. Bislang ist Pink kein Schaden bekannt.

Im Anschluss im Interview:

Christiana Steinbrügge:

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Christiana Steinbrügge nach der Pressekonferenz vor dem Rathaus. Foto: Werner Heise



Thomas Pink:

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