Tag der Entscheidung bei VW: Konzernvorstand stellt Zukunftsplan vor

Im Vorfeld war über Werksschließungen und massiven Stellenabbau spekuliert worden. Nun äußert sich der Konzern in einer Pressemitteilung.

Volkswagen-Werk (Archiv)
Volkswagen-Werk (Archiv) | Foto: via dts Nachrichtenagentur

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Wolfsburg. Über mehrere Stunden tagte am heutigen Donnerstag der Aufsichtsrat des Volkswagen Konzerns. Dabei ging es um den Zukunftsplan des Konzernvorstandes. Im Vorfeld wurden Werksschließungen und ein massiver Stellenabbau befürchtet worden. In einer Pressemitteilung, die die Volkswagen Group am Abend veröffentlicht hat, ist davon allerdings keine Rede.



Dort heißt es, der Vorstand der Volkswagen Group wolle die strategische Neuausrichtung des Unternehmens weiter fortsetzen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens nachhaltig zu stärken. Der Konzernvorstand habe dem Aufsichtsrat in seiner heutigen Sitzung ein umfangreiches Maßnahmenpaket mit zwölf Initiativen und das Zielbild 2030 vorgestellt.

Erste Maßnahmen gestartet


Im globalen Marktumfeld sei maßgeblich, das Unternehmen noch robuster, effizienter und schneller aufzustellen. Der Konzernvorstand habe die Umsetzung erster Maßnahmen seines Zukunftsplans bereits gestartet. Dazu zählen unmittelbar, Komplexität und Variantenvielfalt im Produktportfolio zu reduzieren, Produkte, Technologien und Entwicklung noch regionaler in den Märkten auszurichten, Kapazitäten im Produktionsnetzwerk an die Markterwartungen anzupassen sowie die Strukturen und das Beteiligungsportfolio zu straffen.

Grundlage für künftigen Erfolg


Die Volkswagen Group trete jetzt in die nächste Phase der Transformation. Der Konzern habe sich in den vergangenen drei Jahren auf Basis seiner Top-10-Programme strukturell neu aufgestellt und technologisch saniert, begleitet von Performance-Programmen in allen Marken und Gesellschaften. Die zentralen Ziele bei Produkten, Technologien und in den Regionen wurden erreicht – teils schneller als geplant. Trotz massiver geopolitischer und externer finanzieller Gegeneffekte, die in großem Umfang kompensiert werden konnten.

Mit der größten Modelloffensive seiner Geschichte, deutlich verbesserten Produkten in Design, Qualität und Technologie, einer neuen globalen Softwarestrategie und einer grundlegenden regionalisierten Neuausrichtung seines China-Geschäfts habe der Konzern die Voraussetzungen geschaffen, aus eigener Kraft eine erfolgreiche Zukunft zu gestalten. Finanziell behaupte sich das Unternehmen in einem zunehmend intensiven Marktumfeld robust im Wettbewerb. Als klarer Marktführer in Europa habe die Volkswagen Group im vergangenen Jahr bei Elektrofahrzeugen erstmals einen höheren Marktanteil als bei Verbrennern erreicht. Im ersten Quartal 2026 startete der Konzern als Marktführer in China und erreichte in Südamerika den stärksten Marktanteil seit über 10 Jahren.

Zukunftsplan für die nächste Phase der Neuausrichtung


In den vergangenen zwölf Monaten habe sich die Weltlage weiter zugespitzt. Geopolitische Spannungen, steigende Kosten – im Wesentlichen durch Zölle – wachsende Regulierungsanforderungen und ein zunehmend intensiver globaler Wettbewerb hätten die Herausforderungen für die Automobilindustrie in einer ohnehin tiefgreifenden Transformationsphase verschärft. Daraus abgeleitet habe der Vorstand der Volkswagen Group einen umfassenden Zukunftsplan entwickelt, der das Unternehmen noch robuster gegen äußere Einflüsse und zunehmende Risiken aufstellen und so nachhaltig seine Wettbewerbsfähigkeit stärken soll – mit klarem Fokus auf das automobile Kerngeschäft.

Gestraffte Modellpalette und reduzierte Angebotskomplexität


Die Modellpalette wird schrittweise um bis zu 50 Prozent gestrafft und konzentriert sich auf die attraktivsten Marktsegmente. Die Angebotskomplexität – zum Beispiel die Anzahl möglicher Ausstattungsoptionen – wird um bis zu 75 Prozent reduziert. Damit werden Investitionen und Entwicklungsressourcen auf die Produkte und Technologien fokussiert, die den größten Mehrwert für Kundinnen und Kunden sowie den höchsten Wertbeitrag für den Konzern liefern.

Harmonisierte Technologiefelder


Die zentralen Technologiefelder Plattformen, Elektronik-Architekturen und Softwarelandschaften werden auf die Anforderungen der westlichen und östlichen Hemisphäre jeweils harmonisiert und konzentriert. Ziel sei es, konzernweite Synergien noch stärker zu heben, technologische Parallelstrukturen abzubauen und die Technologieführerschaft weiter zu stärken. Dafür setzt die Volkswagen Group auf wettbewerbsfähige Technologien mit hohem Skalierungspotenzial und klarem Kundennutzen.

Angepasste technische Kapazitäten


Mit der weiteren Straffung seiner technischen Kapazitäten will der Konzern sein Produktionsnetz an die veränderte Marktlage und den massiv wachsenden Wettbewerb anpassen. Markenübergreifendes Ziel sei ein nachfragegerechtes Niveau von rund 9 Millionen Einheiten pro Jahr. Das Unternehmen war in der Vor-Corona-Zeit auf rund 12 Millionen Fahrzeuge investiert und hat mit der Reduzierung von 2 Millionen Einheiten bereits große Fortschritte erzielt. Weitere Schritte folgen in China und Europa. Parallel werden Entwicklung und indirekte Bereiche effizienter aufgestellt. Dabei helfen Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Shared Services, Produktivität und Geschwindigkeit zu steigern. Durch schlankere Führungsstrukturen werden Entscheidungswege vereinfacht.

Fokus auf automobiles Kerngeschäft


Die Volkswagen Group konzentriert sich auf ihr automobiles Kerngeschäft. Das Beteiligungs- und Investitionsportfolio wird auf seinen strategischen Beitrag, seine Rendite und seine Kapitalbindung ausgerichtet – mit dem Ziel, mehr Fokus, geringere Komplexität und zusätzliche finanzielle Flexibilität zu schaffen. Die Ende Juni erzielte Vereinbarung zur Veräußerung einer Mehrheitsbeteiligung an Everllence unterstreiche die konsequente Umsetzung dieser Strategie. Mit einem Mittelzufluss von rund 7,4 Milliarden Euro stärkt die Transaktion zugleich die Substanz des Konzerns und erweitert den finanziellen Spielraum für die strategische Weiterentwicklung der Volkswagen Group.

Gestärkte Wettbewerbsfähigkeit


Das umfassende Maßnahmenpaket werde die robuste Position der Volkswagen Group in einer für die Automobilindustrie anspruchsvollen Phase des weltweiten Umbruchs weiter verbessern. Die Stärkung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit sei zugleich ein Beitrag zur Zukunft des Industriestandorts Deutschlands. Mit einer erfolgreichen Transformation wird die Volkswagen Group die Voraussetzungen für Wachstum, Investitionen und nachhaltige Wertschöpfung ausbauen.

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