Wasserstoff-Pipeline: Steht hier noch der Feldhamster im Weg?

Der Ausbau der Rohrleitungen aus Sachsen-Anhalt in unsere Region soll voranschreiten. Für Prüfungen werden Mitarbeiter private Grundstücke betreten müssen.

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Gasrohre sollen durch die Landkreise Helmstedt und Wolfenbüttel nach Salzgitter laufen.
Gasrohre sollen durch die Landkreise Helmstedt und Wolfenbüttel nach Salzgitter laufen. | Foto: Ontras

Helmstedt/Salzgitter/Wolfenbüttel. Der Plan, den Stahl-Standort Salzgitter mit Wasserstoff über eine Rohrleitung aus Sachsen-Anhalt zu versorgen, schreitet offenbar voran. Jetzt stellt zunächst noch der Feldhamster auf Flächen in Helmstedt, Wolfenbüttel und Salzgitter eine Hürde dar.



Für den Neubau dieser Pipeline von Wefensleben nach Salzgitter war die Ontras Gastransport GmbH vor zwei Jahren bereits im Landkreis Helmstedt unterwegs, dort soll es jetzt weitergehen, und dann über Wolfenbüttel und Salzgitter zum Zielort: dem Stahlwerk der Salzgitter AG. "Das integrierte Hüttenwerk in Salzgitter wird in mehreren Schritten auf eine CO2-arme Stahlherstellung umgestellt", heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Salzgitter AG. Für das Transformationsprogramm SALCOS - Salzgitter Low CO2 Steelmaking sei Wasserstoff ein zunehmend wichtiges Gut zur Erzeugung von „grünem Stahl“, deshalb sei der Anschluss an das Wasserstoffkernnetz und dessen zügige Errichtung von hoher Bedeutung.

Trassenplanung durch Helmstedt, Wolfenbüttel und Salzgitter


Dass es bald an die Planung für die konkrete Trasse geht, durch die die Rohre verlaufen sollen – das geht jetzt unter anderem aus einer öffentlichen Bekanntmachung des Leipziger Gasversorgers Ontras im Amtsblatt der Stadt Wolfenbüttel hervor. Ontras betreibt nach eigenen Angaben ein über 7000 Kilometer umfassendes Fernleitungsnetz in Ostdeutschland.

Noch 68 Kilometer Gas-Pipeline bis zum Anschluss nach Salzgitter


In den kommenden Jahren baue das Unternehmen ein etwa 600 Kilometer umfassendes Wasserstofftransportnetz für Ost- und Mitteldeutschland auf. Rund 80 Prozent davon entstehen durch die Umstellung bestehender Gaspipelines, etwa 20 Prozent werden neu gebaut. Eine der zentralen Transportrouten sei die Verbindung zwischen dem mitteldeutschen Raum und der Stahlregion Salzgitter. Teil dieser Transportverbindung ist der geplante Neubau der Wasserstoffleitung zwischen Wefensleben (Sachsen-Anhalt) und Salzgitter mit einer Länge von etwa 68 Kilometern und einem Durchmesser von 80 Zentimetern. Dafür hat Ontras bereits die Rohre bestellt – und zwar bei Mannesmann, einem Tochterunternehmen der Salzgitter AG. Dabei geht es auch um eine weitere Strecke. Es handele sich für die Leipziger um die bisher größte Einzelbeschaffung der Unternehmensgeschichte.

Der Bau und Betrieb einer solchen Ferngasleitung erfordert eine Planfeststellung. Um entsprechende Anträge zu stellen, müssten für das Projekt Vorarbeiten – unter anderem im Hinblick auf den Umwelt- und Naturschutz – getätigt werden, um einen konkreten Trassenverlauf zu ermitteln.

Gasversorger sucht nach Feldhamstern


Deswegen untersucht das Leipziger Unternehmen ab Ende Juni bis Anfang August – in der Nachernte-Zeit – Flächen in den Landkreisen Helmstedt, Wolfenbüttel und Salzgitter in einem 600 Meter breiten Untersuchungskorridor rund um die geplante Trasse. Es geht um das Vorkommen des Feldhamsters. Dieses soll genau kartiert werden.

Für die Kartierungsarbeiten werden Mitarbeiter im Auftrag von Ontras die abgeernteten Flächen zu Fuß erkunden. In der öffentlichen Bekanntmachung heißt es dazu: "Im Zuge der vorgenannten Maßnahmen lässt sich das Betreten von privaten Grundstücken nicht vermeiden." Sofern eine Durchführung der Maßnahmen vom öffentlichen Grund aus möglich ist, könne im Einzelfall auf eine Betretung verzichtet werden. Grundstückseigentümer sind demnach laut Energiewirtschaftsgesetz verpflichtet, diese Vorarbeiten zu dulden.

Für dieses Neubauprojekt hat das Planfeststellungsverfahren begonnen. Nach jetzigem Planungsstand sollen ab 2027 die Baumaßnahmen beginnen, heißt es in einer Pressemitteilung von Ontras. Die Transportbereitschaft des Leitungsabschnittes und damit der kommerzielle Betrieb und die Versorgung von Kunden mit Wasserstoff sollen demnach im Dezember 2029 hergestellt sein.