Gifhorn. Der Automobil-Entwicklungsdienstleister IAV, an dem Volkswagen 50 Prozent der Gesellschaftsanteile hält, ließ jetzt eine Bombe platzen. Demnach will das Unternehmen bundesweit 1.400 Stellen streichen und den bisherigen Hauptsitz in Berlin schließen, das dortige Betriebsgelände verkaufen – das alles bis Mitte 2027. Betroffene Beschäftigte aus der Bundeshauptstadt könnten dann zum Standort Gifhorn umsiedeln, auf den – unter anderem – sich IAV künftig konzentrieren will. Diese Pläne stoßen aber nicht nur in Berlin auf Kritik von Arbeitnehmervertretern.
So kündigte gestern bereits der IG-Metall-Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen seinen Widerstand gegen die Pläne an. Am heutigen Donnerstag pflichteten die Metaller aus Niedersachsen ihren Kollegen bei. Die Gewerkschaft schrieb in einer Pressemitteilung zu den Bekanntmachungen von IAV: "Den Standort in der Hauptstadt will das Unternehmen weitgehend schließen. Die Beschäftigten könnten nach Gifhorn in Niedersachsen wechseln, hieß es. Zudem beabsichtigt das Management einen Einschnitt in tarifliche Leistungen."
Gewerkschaft kündigt Widerstand gegen Pläne der IAV an
„Das ist kein Zukunftskonzept, sondern ein brutaler und verantwortungsloser Kahlschlag. Statt eine Strategie für eine langfristige Sicherung der Arbeitsplätze vorzulegen, setzt die Geschäftsführung die Axt an“, wird Jan Otto, IG Metall-Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen, dort zitiert. Schon für den kommenden Dienstag hat die Gewerkschaft die erste Kundgebung in Berlin geplant.
Zwar sind von dem Stellenabbau vor allem Mitarbeiter in Berlin betroffen, doch auch bei den Kollegen aus Niedersachsen – also Gifhorn – kommen die Pläne überhaupt nicht gut an. In einer ausführlichen Pressemitteilung nimmt der IG-Metall-Bezirk Niedersachsen und Sachsen-Anhalt jetzt Stellung zu den angekündigten Maßnahmen und kündigt massiven Widerstand gegen die Pläne der IAV an.
„Die Geschäftsführung nennt das Neuaufstellung. Tatsächlich ist es ein Kahlschlagprogramm“, sagt Thilo Reusch, Verhandlungsführer der IG Metall. „Wer 1.400 Arbeitsplätze streichen, einen ganzen Standort schließen, Tarifstandards schleifen und Beschäftigte mit Tests unter Druck setzen will, legt kein Zukunftskonzept vor. Das ist eine Kampfansage an die Belegschaft.“
Wechselangebot nach Gifhorn wird kritisch gesehen
Besonders schwer wiege laut IG Metall die geplante Schließung des Berliner Standorts. Berlin sei ein zentraler und historisch gewachsener Standort der IAV. Den Beschäftigten einen Wechsel nach Gifhorn anzubieten, sei keine tragfähige Lösung. Für viele wäre das faktisch kaum umsetzbar – wegen Familie, Wohnort, Pflegeverantwortung oder sozialer Bindungen. „Ein Arbeitsplatz ist kein Punkt auf einer Landkarte, den man beliebig verschieben kann“, sagt Reusch. „Wer Berlin schließen will und den Beschäftigten sagt, sie könnten ja nach Gifhorn gehen, verkennt die Lebensrealität der Kolleginnen und Kollegen.“

