Region. Eine Nachricht, auf die viele lange warten: „Die Wohnung ist noch frei.“ Gute Lage, bezahlbare Miete, der Kontakt wirkt seriös. Für einen Moment scheint alles zu passen. Doch genau dieser Moment ist es, in dem viele in eine Falle tappen. Für manche endet die Wohnungssuche nicht mit einem Mietvertrag, sondern mit einem finanziellen Schaden. Viele Wohnungssuchende schreiben Dutzende Anfragen, bekommen kaum Rückmeldungen und hängen ständig am Handy. Wenn dann doch jemand antwortet, wird oft schneller vertraut als sonst. Genau darauf setzen die Täter. Sie geben sich als Vermieter aus, bauen Vertrauen auf und verlangen Geld, noch bevor es überhaupt zu einer Besichtigung kommt. Die Wohnung gibt es oft gar nicht.
Auch in Niedersachsen ist das Problem real, auch wenn es statistisch nur eingeschränkt erfasst wird. Das Landeskriminalamt Niedersachsen macht deutlich, dass Mietbetrug nicht als eigenständiges Delikt in der polizeilichen Kriminalstatistik auftaucht. Stattdessen werden die Fälle unter allgemeinen Betrugsarten geführt. Interne Auswertungen zeigen dennoch ein klares Bild. Für das Jahr 2024 wurden Fallzahlen im oberen zweistelligen Bereich festgestellt, 2025 lag die Zahl ebenfalls im hohen zweistelligen Bereich, zuletzt leicht rückläufig. Im ersten Quartal 2026 bewegten sich die Zahlen im niedrigen zweistelligen Bereich. Auffällig ist dabei: Ein erheblicher Teil dieser Fälle bleibt im Versuchsstadium. Wer zahlt, bekommt in vielen Fällen nichts. Gleichzeitig zeigt genau das, wie häufig Wohnungssuchende überhaupt mit solchen Betrugsversuchen konfrontiert werden. „Mietbetrug über digitale Plattformen hat eine relevante Bedeutung innerhalb der Internetkriminalität“, teilt das Landeskriminalamt Niedersachsen mit. Zugleich gehen die Ermittler von einer hohen Dunkelziffer aus.
Trügerische Ruhe
Der Polizei in Wolfenbüttel sind aktuell keine konkreten Fälle bekannt. Dort konnten „aufgrund fehlender Vorkommnisse keine konkreten Aussagen zur Entwicklung getätigt werden“. Das wirkt zunächst beruhigend, vor allem für Menschen, die in der Region eine Wohnung suchen. Tatsächlich lässt sich daraus jedoch nur begrenzt Sicherheit ableiten. Denn Betrugsdelikte dieser Art entstehen nicht gleichmäßig verteilt, sondern folgen bestimmten Mustern. Sie treten dort auf, wo Nachfrage besonders hoch ist und wo viele Menschen gleichzeitig suchen. Hinzu kommt: Ein großer Teil solcher Fälle bleibt unsichtbar. Nicht jeder Betrugsversuch wird angezeigt, nicht jede verdächtige Anfrage gemeldet. Oft brechen Betroffene den Kontakt ab, bevor es zu einem Schaden kommt. Die erfassten Fälle zeigen deshalb nur einen Teil des tatsächlichen Geschehens. Die fehlenden Vorkommnisse sind kein Beleg dafür, dass es die Masche nicht gibt.
Warum der Betrug so gut funktioniert
Der entscheidende Faktor ist nicht die Anzeige selbst, sondern die Situation der Menschen, die sie lesen. Wohnungssuche ist für viele mit Druck verbunden. Wer dringend etwas braucht, entscheidet schneller und hinterfragt weniger. „Vorkasse- und Kautionsbetrug ist perfide, weil es in Zeiten von Wohnungsnot und hoher Nachfrage, auch einen entsprechenden Druck für Verbraucher gibt“, erklärt Kathrin Bartsch von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Die Täter nutzen genau diesen Moment. Sie wirken zunächst seriös, antworten schnell und geben sich verbindlich. Dann folgt der Druck: „Viele Interessenten“, „entscheiden Sie schnell“, „die Wohnung ist sonst weg“. Was wie ein normaler Ablauf wirkt, ist Teil der Strategie. Die Entscheidung fällt oft nicht aus Überzeugung, sondern aus Angst, eine Chance zu verpassen.
Es geht nicht nur um Geld
Am Ende geht es immer um dasselbe: Geld, oft so schnell wie möglich. „Viele Ratsuchende leisten Kautionszahlungen oder Reservierungsgebühren oder versenden ab und an auch Geld für angebliche Schlüsselübergaben“, so Bartsch. Doch der Schaden geht häufig weiter. Es wird nicht nur Geld überwiesen, auch Zahlungsdaten werden auf nachgeahmten Seiten abgephisht, zudem laden Betroffene Personalausweise oder Gehaltsnachweise hoch. In einigen Fällen versuchen Täter darüber hinaus, noch weitergehende Kontrolle
über finanzielle Daten zu erlangen. Betroffene werden etwa aufgefordert, neue Konten oder Zahlungsaccounts anzulegen, Zugangsdaten weiterzugeben oder bestimmte Zahlungswege zu nutzen. Wer darauf eingeht, gibt unter Umständen nicht nur Geld aus der Hand, sondern
ermöglicht auch den Zugriff auf eigene Konten oder Zahlungsstrukturen. Der Betrug endet damit nicht bei einer einzelnen Überweisung, sondern kann sich weiter
ausdehnen.
So arbeiten die Täter heute
Die Masche ist nicht neu, hat sich aber deutlich verändert. Täter arbeiten heute professioneller, unauffälliger und arbeitsteilig im Hintergrund. Nach Angaben des Landeskriminalamts Niedersachsen agieren sie oft grenzüberschreitend. Besonders perfide: „Zunehmend reale Wohnungsinserate kopiert und für betrügerische Zwecke gespiegelt“. Das bedeutet, dass selbst scheinbar echte Angebote Teil eines Betrugs sein können. Zudem beobachten Experten, dass digitale Inhalte insgesamt immer glaubwürdiger werden. Bilder lassen sich leicht bearbeiten, Inhalte gezielt inszenieren. Auch neue Technologien wie künstliche Intelligenz können dazu beitragen, dass Inserate oder angebliche Einblicke in Wohnungen noch realistischer wirken. Für Wohnungssuchende wird es dadurch zunehmend schwieriger, echte Angebote von Täuschungen zu unterscheiden.
Warum Ermittlungen schwierig sind
Für die Polizei ist die Aufklärung solcher Fälle aufwendig. Täter sitzen oft im Ausland, nutzen gefälschte Identitäten und verschleiern ihre Spuren über digitale Kanäle. Inserate tauchen auf, verschwinden wieder und werden unter neuen Namen erneut eingestellt. Die Kommunikation läuft fast ausschließlich online, Beweise sind oft nur kurzfristig verfügbar. Bis ermittelt wird, ist das Geld in vielen Fällen längst weg. Eine Rückverfolgung ist häufig schwierig und dauert lange.
Warnsignale sind bekannt – werden aber oft übersehen
Dabei gibt es klare Hinweise, die auf Betrug hindeuten können. Das Problem ist nicht das fehlende Wissen, sondern der Moment, in dem entschieden wird. „Warnsignale sind, (unrealistische) Mietpreise; oft wird eine Besichtigung angeboten, im Nachhinein kann diese aus verschiedenen Gründen nicht stattfinden oder es wird erst gar keine Besichtigung angeboten oder nur unter der Bedingung, man solle eine Gebühr bezahlen“, so Bartsch. Hinzu kommen nicht überprüfbare oder unklare Kontaktdaten sowie Kommunikation ausschließlich per E-Mail. Auch Bilder können täuschen, da sie häufig aus anderen Anzeigen übernommen wurden. Im Alltag hilft oft ein einfacher Gedanke: Warum soll Geld fließen, bevor man die Wohnung überhaupt gesehen hat?
Was jetzt wichtig ist
Im Alltag passiert genau das immer wieder: Eine Nachricht, ein gutes Gefühl, ein kurzer Moment, in dem alles passt. Und dann die Frage, ob man schnell handeln sollte oder lieber noch einmal genauer hinschaut. Genau an diesem Punkt entscheidet sich, ob ein Angebot seriös ist oder nicht. Denn die meisten Betrugsversuche folgen einem ähnlichen Muster: Erst Vertrauen, dann Druck, dann eine Forderung. Wer in dieser Situation innehält, nachfragt und sich nicht zu einer schnellen Zahlung drängen lässt, erkennt viele dieser Fälle frühzeitig. Und manchmal reicht genau dieser eine Moment, um aus einem vermeintlichen Glücksgriff keinen finanziellen Schaden werden zu lassen.

