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Wolfenbüttel soll Fairtrade-Town werden - CDU stimmt dagegen

von Werner Heise


Sofern der noch folgende Finanz- sowie der Verwaltungsausschuss ebenfalls dafür stimmen, sollte dem "Fairtrade-Town"-Siegel nichts mehr im Wege stehen. Symbolfoto: Werner Heise
Sofern der noch folgende Finanz- sowie der Verwaltungsausschuss ebenfalls dafür stimmen, sollte dem "Fairtrade-Town"-Siegel nichts mehr im Wege stehen. Symbolfoto: Werner Heise Foto: Werner Heise

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23.08.2017

Wolfenbüttel. Auf Antrag der Stadtratsfraktion Bündnis90/Die Grünen und mit Unterstützung der Stadtverwaltung, empfiehlt der Ausschuss für Bau-, Stadtentwicklung und Umwelt, dass sich die Stadt Wolfenbüttel um den Titel "Fairtrade-Town" bewirbt. Das wurde am heutigen Dienstagabend mehrheitlich beschlossen. Die Vertreter der CDU sehen dies kritisch.



Stefan Brix, der die Intention seiner Grünen-Fraktion hinter dem Antrag noch einmal verdeutlichte, hofft, dass man neben dem Werbeeffekt des "Fairtrade-Town"-Siegels, auch dazu beitrage, die Kinderausbeutung auf der Welt zu mindern. Doch Volker Müller (CDU) hielt dagegen: "Ich habe Bauchschmerzen dabei!" Er sei nicht grundsätzlich gegen fair gehandelte Ware, doch das "Fairtrade"-Siegel habe "ein leichtes Geschmäckle", da Müllers Ansicht nach, dann doch nicht alles so fair zugehen würde. Die Erstzertifizierung eines Kaffeebauern würde diesen 3.000 Euro kosten. "Kaffeebauern, die das Geld nicht aufbringen können, werden ins Abseits gestellt", so der CDU-Politiker. Zudem seien diese Bauern vielleicht arm, "aber nicht dumm." Neben fair gehandelten Kaffeebohnen, könne es durchaus sein, dass die selben Kaffeebauern noch andere Sorten produzieren würden. Und auch das Siegel halte nicht immer das ein, was man vielleicht darunter versteht. In Mischprodukten dürften auch nicht fair gehandelte Rohstoffe verwendet werden. Hier schreibt "Fairtrade" vor, das mindestens 20 Prozent aus einem fairen Handel stammen müssten, um das Siegel tragen zu dürfen.

Auch die FDP übt Kritik



Stefan Brix war nicht erfreut über die Kritik. Archivfoto: Förster Foto: Max Förster



Weitere Kritik gab es von Seiten der in diesem Ausschuss nicht stimmberechtigten FDP. Pierre Balder wies darauf hin, dass es neben der Marke "Fairtrade" noch weitere Label gebe, die fairen Handel auszeichnen würden. Er habe ein Problem damit, wenn man sich nun ausschließlich auf dieses Label einlasse. Florian Röpke (Linke/Piraten) entgegnete, dass man diese Kritik schon vor Wochen hätte vorbringen können, damit die Verwaltung auch andere Label hätte prüfen können. Jetzt solle man erst einmal loslegen. Er sei für die Bewerbung um den Titel "Fairtrade-Town", den man nach einer Erprobungsphase auch wieder ablegen könne. Stefan Brix reagierte verständnislos auf die Kritik: "Ich bin in gerütteltem Maße entsetzt!"

Mit zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung seitens der CDU wurde der Antrag mehrheitlich angenommen. Sofern der noch folgende Finanz- sowie der Verwaltungsausschuss ebenfalls dafür stimmen, sollte dem "Fairtrade-Town"-Siegel nichts mehr im Wege stehen, da die Voraussetzungen laut Grünen bereits heute größtenteils erfüllt werden.


Die fünf Kriterien




1. Ratsbeschluss


Die Kommune verabschiedet einen Ratsbeschluss zur Unterstützung des fairen Handels. Bei allen öffentlichen Sitzungen sowie im Büro des Bürgermeisters wird fair gehandelter Kaffee und ein weiteres Produkt ausgeschenkt.

2. Steuerungsgruppe

Eine lokale Steuerungsgruppe wird gebildet, die auf dem Weg zur Fairtrade-Town die Aktivitäten vor Ort koordiniert. Diese Gruppe besteht aus mindestens drei Personen aus den Bereichen Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft.

3. Fairtrade Produkte im Sortiment

In den lokalen Einzelhandelsgeschäften und bei Floristen sowie in Cafés und Restaurants werden mindestens zwei Produkte aus fairem Handel angeboten. Die Anzahl der Betriebe richtet sich nach der Einwohnerzahl der Kommune. Für Wolfenbüttel mit rund 54.000 Einwohnern sind demnach elf Geschäfte und sechs Gastronomiebetriebe erforderlich.

4. Zivilgesellschaft

Produkte aus fairem Handel werden in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Vereinen und Kirchen verwendet. Darüber hinaus werden Bildungsaktivitäten zum Thema fairer Handel umgesetzt, oft im Rahmen weiterer Kampagnen von TransFair z. B. der Kampagne Fairtrade-Schools.

5. Medien

Die örtlichen Medien berichten über alle Aktivitäten auf dem Weg zur Fairtrade-Town.

Die Auszeichnung als Fairtrade Town gilt für zwei Jahre. Nach Ablauf dieser Zeit muss eine Erneuerung beantragt werden.

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