Außer Betrieb, ohne Funktion? So steht es um die E-Ladesäulen in der Stadt

Ein Unternehmen aus München betreibt die ehemalige Stadtwerke-Infrastruktur. Doch an vielen Standorten gibt es Probleme.

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Die Schnellladefunktion der Säule am Bahnhof macht schon länger Probleme.
Die Schnellladefunktion der Säule am Bahnhof macht schon länger Probleme. | Foto: Matthias Kettling

Wolfenbüttel. Die Ladeinfrastruktur ist einer der entscheidenden Faktoren für die E-Mobilität, heißt es immer wieder. Doch in Wolfenbüttel scheint diese Infrastruktur zu schwächeln. So gibt es zum Beispiel reichlich Beschwerden über die Ladesäule am Bahnhof. Die "Tankstellen" am Robert-Everlien-Platz sind sogar außer Betrieb. Was ist da los?



Zunächst einmal: Alle öffentlichen E-Lade-Säulen in Wolfenbüttel werden schon seit mehr als einem Jahr nicht mehr von der Stadt selbst oder den Stadtwerken betrieben. Grund dafür ist Paragraf 7c des Energiewirtschaftsgesetzes, erklärt die Stadt. Dieser legt fest, dass Betreiber von Elektrizitätsverteilernetzen weder Eigentümer von Ladepunkten für Elektromobile sein noch diese Ladepunkte entwickeln, verwalten oder betreiben dürfen. So sollen Monopole und entsprechender Machtmissbrauch verhindert werden.

Am Robert-Everlien-Platz sind die Ladesäulen außer Betrieb.
Am Robert-Everlien-Platz sind die Ladesäulen außer Betrieb. Foto: Matthias Kettling


Zum 1. Januar 2025 hat daher die Wirelane GmbH aus München alle Ladesäulen übernommen, die zuvor von den Stadtwerken betrieben worden waren. Dazu zählen unter anderem die Ladepunkte am Bahnhof, am Robert-Everlien-Platz, im Parkhaus Schulwall, in der Reichsstraße oder auch Am Exer 12, wo ebenfalls eine Störung gemeldet wird. Die Ladesäulen Am Exer 10 wurden dagegen erst im vergangenen Jahr errichtet und gehören nicht in die Liste der ehemaligen Stadtwerke-Standorte.

Wolfenbüttel: Laminierte Zettel weisen auf neuen Betreiber hin


Sichtbar war der Betreiberwechsel von Stadtwerke auf Wirelane im Stadtgebiet zunächst nicht. Inzwischen aber hat das Unternehmen aus Bayern immerhin laminierte Zettel an den Ladesäulen angebracht, auf denen der neue Betreiber vermerkt ist. Die Säulen selbst tragen weiterhin die bisherige Stadtwerke-Optik.

Doch wie steht es nun um die Funktionsfähigkeit dieser Säulen? Am Beispiel der Ladesäule am Bahnhof muss die Antwort wohl lauten: schlecht. Dort funktioniert derzeit die Schnellladefunktion CCS nicht – eine wesentliche Störung also. Betrachtet man die Bewertungen dieser speziellen Säule bei Google-Maps ist eine Häufung an Beschwerden zu erkennen. "Funktioniert nicht", "hat noch nie geklappt" sind nur einige Beispiele der Bewertungen, die dort zu lesen sind und die teils schon Jahre zurückreichen.

Stadtwerke nicht mehr zuständig


Dass es am Bahnhof schon länger Probleme gibt, war auch den Stadtwerken bekannt. Die "geschilderten Probleme sind uns aus der Vergangenheit grundsätzlich bekannt", teilt Stadtwerke-Pressesprecherin Kerstin Hecker auf Nachfrage von regionalHeute.de mit. Sie verweist aber auch darauf, dass die Stadtwerke jetzt – eben seit dem 1. Januar 2025 – nicht mehr zuständig sind. Der Betrieb sowie die Instandhaltung der entsprechenden Anlagen liegen seitdem in der Verantwortung der neuen Betreiber, heißt es.

Damit wäre also die Wirelane GmbH aus München in der Pflicht. Die sei über die Einschränkungen an der Ladesäule am Bahnhof informiert.
"Wir kümmern uns aktuell um die Situation und arbeiten an einer Lösung. Im Laufe der Woche wird ein Hinweis an der Ladesäule angebracht, der auf die laufenden Maßnahmen aufmerksam macht", teilt Lucie Ulbricht, Teamleitung Public Charging bei Wirelane, auf Anfrage von regionalHeute.de mit.

Infrastruktur soll verbessert werden


Es geht aber nicht nur um die Säule am Bahnhof. Wirelane seien auch die Probleme an weiteren von den Stadtwerken Wolfenbüttel übernommenen Ladepunkten bekannt. "Wir arbeiten an einer nachhaltigen Verbesserung", erklärt Ulbricht. Dazu würden insbesondere Initiativen zur umfassenden Modernisierung der bestehenden Infrastruktur zählen.

Dafür spielt Wirelane den Ball zunächst weiter an die Stadtverwaltung: "Voraussetzung dafür ist jedoch entsprechende Planungssicherheit, die wir uns im Rahmen einer zukünftigen Ausschreibung durch die Stadt Wolfenbüttel erhoffen", so Ulbricht.

Wie lange die Behebung der Störung am Bahnhof dauern wird, lasse sich derzeit nicht sagen. "Die Perspektive für den Betrieb dieser Ladesäule steht im direkten Zusammenhang mit der generellen Ladesituation vor Ort – vergleichbar mit dem Standort am Robert-Everlien-Platz, an dem ebenfalls veraltete und nicht mehr reparable Infrastruktur durch moderne Ladesäulen ersetzt werden sollte", erklärt Ulbricht.

Ulbricht weiter: "Unsere entsprechenden Modernisierungskonzepte liegen der Stadt bereits vor. Wir bitten die Bürgerinnen und Bürger daher um etwas Geduld, bis eine Entscheidung seitens der Stadt getroffen wurde.“

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