Wolfenbüttel. Blätter wechseln ihre Farbe, die Tage werden merklich kürzer: Der Sommer ist zu Ende. Und während wir Menschen die letzten Spätsommertage auskosten, bereiten sich die Bienen bereits auf den bevorstehenden Winter vor.
Viele Menschen glauben, dass die Bienen vor dem Winter sterben - und nur die Königin überlebt. Andere meinen, dass sie in einen Winterschlaf verfallen - und erst bei warmen Temperaturen wieder ausschwärmen. Beides ist falsch. „Seit August werden die Winterbienen aufgezogen, die für das Überleben den Bienenvolkes im Winter Sorge tragen“, erklärt Hobby-Imker Michael Schröder. Während eine Arbeiterin im Sommer etwa vier bis sechs Wochen lebt, müssen die Winterbienen den ganzen Winter durchhalten, stellt die Königin die Brut Ende November doch vollständig ein – die Winterbienen stellen sozusagen die „Lebensversicherung“ des Bienenvolkes dar.
Wenn die Temperaturen im Herbst auf 10 Grad sinken, dann wird es den Bienen kalt um die Flügel: Sie bilden mit ihrem Volk eine sogenannte Traube, die eine Größe zwischen einem Hand- und einem Fußball hat. Dicht an dicht kuscheln sie sich an die Honigwaben und schlagen mit den Flügeln, um für die Königin eine wohlige Temperatur von 25 Grad zu erzeugen.
Der Stoffwechsel wird heruntergefahren, die Nahrung (Futtersirup vom Imker) ist in Reichweite gelagert, Wärme wird selbst produziert - und bis zum Reinigungsflug (dem erstes Koten nach im Freien) bei ersten Sonnenstrahlen im Frühling bleibt das Volk den gesamten Winter im Stock. Der Imker kontrolliert in dieser Zeit seine Bienenstöcke auch nur von außen, damit das Bienenklima nicht unnötig gestört wird.
Die Bienenvölker haben natürlich auch ein ausgeklügeltes Wachsystem: Der Eingang der Bienenfamilie, das sogenannte Flugloch, wird ständig bewacht, um den Bienenstock vor Plünderungen durch andere Völker zu schützen. Auch der Imker hilf hier und verkleinert das Flugloch. Große Räuber wie Mäuse kommen so nicht mehr in den Stock.
Doch der Imker muss im Spätsommer noch eine weitere wichtige Aufgabe übernehmen: die Behandlung gegen die Varroamilbe. In den vergangenen Jahren haben sich Varroa-Milben in Bienenstöcken stark vermehrt. Dabei handelt es sich um einen eingeschleppten Parasiten, der die Bienen meist schon in der Brutzelle befällt um dort Bienenblut von Larve und Puppe zu saugen. Meist mit schwerwiegenden Folgen, denn wie die Zecken beim Menschen überträgt auch die Varroa-Milbe gefährliche Sekundärinfektionen. „Befallene Bienen erkennt man an verkrüppelten Flügeln oder verkürztem Hinterleib“, erklärt Imker Michael Schröder. Zum Abtöten der Milben verwenden Imker Ameisensäure. Die ist für die Honigbiene harmlos, der Milbe verätzt es in der sauren Luft jedoch die Beißorgane, mit denen sie sich an die Bienen heftet.
„Die Imkerei ist ein faszinierendes Hobby“, sagt Schröder. Wer damit loslegen möchte, bekommt für rund 1000 Euro eine passable Grundausstattung inklusive Bienenvölker. Weiterhin sollten angehende Imker entsprechende Lehrgänge besuchen.
Bienen ohne Blümchen – Winterfest im Bienenstock
von Thorsten Raedlein
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