Wolfenbüttel. Die ganze Geschichte liest sich zunächst wie ein Drama, dann wie ein Wirtschaftskrimi. Und am Ende wird es plötzlich eine Komödie. Wer der Autor dieses Dreiakters ist wissen wir auch nicht. Fakt ist jedoch: Eine Anzeige auf dem Immobilienportal "Immobilienscout24.de" brachte die Kugel ins Rollen…
Dort wurde in den letzten Tagen nämlich die Bowlingbahn im CheckIn am Bahnhof zur Miete angeboten. Viele Wolfenbütteler trauten ihren Augen nicht, in den sozialen Netzen begannen die Spekulationen. Im Objektbeschreibungstext hieß es dann wörtlich: "Das Mietobjekt wird derzeit noch als Bowlingbahn genutzt. In dem Gebäudekomplex befindet sich ein Hotel, mit Veranstaltungssälen, ein Kinocenter mit sechs Kinosälen, eine Diskothek und ein Casino." Auch unter dem Punkt "Ausstattung" wird abermals auf die derzeitige Nutzungsart hingewiesen: "da das Mietobjekt derzeit noch als Bowlingbahn genutzt wird, muss alles umgebaut werden. Wer was an Kosten zu tragen hat, wird im Gespräch geklärt." Die 1.400 Quadratmeter Restaurantfläche seien ideal für ein China-Restaurant…
Die WolfenbüttelHeute.de-Redaktion erreichten zahlreiche Zuschriften besorgter Bürger, die ein Aus der Bahn befürchteten und kritisierten. Denn sie schätzen das Freizeitangebot – und wollen es in Wolfenbüttel auf jeden Fall behalten. WolfenbüttelHeute.de übernahm die Regie und hakte bei den Akteuren nach.
Erster Akt: Betreiber der Bowlingbahn fällt aus allen Wolken
Der Betreiber der Bowlingbahn, Heiko Küppers ist am Morgen aus allen Wolken gefallen, als ihn die Nachricht über die Anzeige im Internet erreichte. "Das ist geschäftsschädigend", meint er sauer. In seinen Augen kann die Anzeige nur ein böser Scherz sein. "Ich habe noch einen gültigen Mietvertrag bis 2020", sagt er. Und den will er auf jeden Fall erfüllen. "Wir haben sogar geplant mehr zu machen, haben unserem Geschäftspartner, der AVW, sogar ein Konzept zur Gesamtbewirtschaftung vorgelegt", erklärt Küppers weiter. Er glaubt nicht, dass die AVW den Makler beauftragt hat, für seine Fläche einen neuen Mieter zu finden. "Das würden die selbst machen", ist er sich sicher. Momentan prüfe sein Anwalt rechtliche Schritte und ob die Anzeige gelöscht werden kann. Vielleicht treibe hier ein Neider mit ihm ein böses Spiel. "Das lassen wir uns nicht bieten", gibt er sich kämpferisch.
Zweiter Akt: Der Makler fällt mit
Makler Peter Fuhlbohm aus Seevetal fiel, von WolfenbüttelHeute.de mit der Aussage Küppers konfrontiert, ebenfalls aus allen Wolken. "Ich bin selbst zu Fuß in die Hauptniederlassung gegangen", erinnert er sich. Dort habe er persönlich den Auftrag zur Vermarktung des Objektes erhalten. Daraufhin sei er tätig geworden. Er bestätigt ausdrücklich, dass es sich um die Fläche der Bowlingbahn handelt, die neu vermietet werden soll. Von einem gültigen Mietvertrag bis 2020 wisse er auch nichts.
Dritter Akt: AVW dementiert – und fällt auch noch aus allen Wolken
Seitens der AVW will man von so einer Anzeige in Immobilenscout24 allerdings nichts wissen. "Die von Ihnen angeführten Gerüchte und Informationen kann ich nicht bestätigen und bitte Sie, diesen keinen Glauben zu schenken. Unsere derzeitigen Aktivitäten in Wolfenbüttel konzentrieren sich auschließlich auf eine Nachvermietung des Restaurants", erklärt AVW-Pressesprecher Dirsko von Pfeil. Als er die Anzeige schließlich nach unserem Hinweis einmal aufruft, fällt er auch noch aus allen Wolken. "Da hat der Makler wohl was in den falschen Hals bekommen", sagt von Pfeil, nachdem er seine Sprache wiedergefunden hat. Natürlich sorge man sofort dafür, dass der Immobilienvermittler die Anzeige korrigiere. "Wir wollen wirklich nur einen neuen Mieter für das Restaurant", so von Pfeil. Und das müsse nicht unbedingt ein China-Restaurant sein. Vorhang!

