Gymnasium im Schloss und Große Schule: "Auch wir sind G9"

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Wolfenbüttel. Die bevorstehende Änderung des Schulsystems an Gymnasien wirft in der Öffentlichkeit noch immer die ein oder andere Frage auf. Welche Schule geht wann mit dem neuen "alten" System an der Start? Ulrike Schade (Schulleiterin Gymnasium im Schloss, GiS) und Hartmut Frenk (Schulleiter Große Schule) sagen ganz klar: "Auch wir sind G9". Die beiden Schulleiter hatten am Vormittag eingeladen, um Fragen und Missverständnisse aus dem Weg zu räumen.

"Wir glauben, die Öffentlichkeit hat noch sehr viele Fragen zum Thema G9. Viele verstehen nicht, wie und wann das System kommen soll. Deshalb möchten wir einige Fragen aufklären", sagen Hartmut Frenk, Schulleiter der Großen Schule und Ulrike Schade, Schulleiterin Gymnasium im Schloss.

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Ulrike Schade Foto:



"Es gab unglaublich viele Nachfragen von Eltern, ob unsere Schulen denn auch das Abitur nach 13 Jahren anbietet. Natürlich tun wir das. Alle Schulen gehen diesen Weg gemeinsam. Auch das Gymnasium im Schloss und die Große Schule", so Hartmut Frenk.

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Hartmut Frenk Foto: Marschall



Das Tauziehen um die Schulzeit für Gymnasialschüler hat endlich ein Ende. Nach zehn Jahren wird das Abitur nach 12 Jahren wieder abgeschafft. Ab dem Schuljahr 2015 kommt das "alte" System zurück. Dann können Schüler ihr Abitur wieder nach 13 Jahren absolvieren. Haben also neun Jahre Zeit, sich nach der Grundschule auf das Abitur vorzubereiten. Die Option auf ein Abitur nach G8 bleibt jedoch bestehen. Die Veränderung bringt Herausforderungen für Schüler, Lehrer und Schulleiter mit. "Wir kennen die genauen Raumbedingungen noch nicht, das hält uns aber nicht davon ab, uns schon jetzt auf das neue System zu konzentrieren. Wir erarbeiten schon jetzt Pläne und Gestaltungsmöglichkeiten. Sozusagen die Kür. Wir machen uns schon jetzt Gedanken, wie wir die neuen Ressourcen nutzen können", erklärt Ulrike Schade. Fest steht schon jetzt:

Die neue Stundentafel im G9-System (30 Stunden) lässt den Pflichtunterricht am Nachmittag schmelzen. Offenen Ganztagssschulen wie das GiS und die Große Schule werden mehr Lernstunden zur Verfügung  gestellt. Die Lernzeit der Schüler von der Einschulung bis zum Abitur wird gestreckt.

Ressourcen effektiv nutzen


Alle am Gymnasium im Sommer 2014 eingeschulten Schüler in Niedersachsen sind G9-Schüler. Sie können ihr Abitur nach 13 ablegen. Auch die Schüler, die mit dem Schuljahresbeginn 2015/2016 in die fünfte, sechste, siebte oder achte Klasse wechseln, machen Abitur nach 13 Jahren. Müssen also ein Jahr länger die Schulbank drücken. "Das verschafft den Schülern aber auch mehr Gelassenheit. Ein Jahr länger Schule heißt dann nämlich, dass wir den Unterricht entschleunigen können. Wir werden jetzt nicht die Hände in den Schoss legen und denken 'wir haben Zeit und lassen das mal laufen'. Nein, es ist für uns und die Schüler eine Chance, neue Möglichkeiten zum Lehren und Lernen zu schaffen", sagt Ulrike Schade. Die Freude über das wiedergekehrte System ist groß. Ein Jahr länger Schule bedeutet, dass die Schüler mehr Gelegenheiten bekommen zu lernen, zu reifen und ihren Weg zu finden.

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Gymnasium im Schloss (Neubau Spiegelschloss) Foto: Anke Donner)



Durch die längere Schulzeit ergeben sich auch mehr Stunden, die die Schüler effektiver nutzen können. Es gibt ihnen Zeit, sich in Wahlfächern und Kursen zu verwirklichen und Interessen zu vertiefen. "Der Pflichtunterricht am Nachmittag wird schmelzen. Das gibt den Schülern die Möglichkeit, sich stärker in Wahlfächern und Arbeitsgemeinschaften einzubringen. Für uns heißt  das, dass wir Profile und Wahlangebote vertiefen können", so Ulrike Schade.

"Die Veränderungen im System bieten tolle Chancen für engagierte Schulen. Und wir werden sie nutzen. Die Leherinnen und Lehrer der Großen Schule haben in einer schulinternen Lehrerfortbildung ihre wichtigsten G9-Ideen aus schulfachlicher Sicht beraten", fügt Frenk an. Die Große Schule legt dabei ihre Schwerpunkte beispielsweise auf die stärkere Nutzung der Lernzeiten durch Übung, Training und praktisches Arbeiten, Aufbau eines qualifizierten Wahlangebots in den "Mint-Fächern" (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), Ausbau einer Orchesterklasse, Stärkung der dritten Fremdsprache und Ausbau eines qualifizierten Förderunterrichts.

Aus G8 gelernt


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Das Gymnasium Große Schule. Foto: Anke Donner



Nicht alles an dem G8-System war schlecht. Vieles aus den vergangenen Jahren nehmen die Lehrkräfte und Schulleiter mit. "Jedes System hat seine Vorteile. Wir haben gelernt, dass die Schüler unwahrscheinlich leistungsfähig, neugierig und offen sind. Wir haben auch festgestellt, dass die ehrenamtlichen Aktivitäten der Schüler nicht gelitten haben. Sie haben sich trotz straffen Stundenplans immer noch in Vereinen und Institutionen eingebracht", freut sich Ulrike Schade.

Auch innerhalb der Schule war das Engagement der Schüler ungebrochen. "Wir haben Schüler, die sich in den Arbeitsgemeinschaften und Kursen selbst organisieren und sogar ganz Feste ausrichten", lobt Hartmut Frenk die Arbeit seiner Schüler.

Das jetzige G8-Modell hat gezeigt, dass Schüler unter erhöhtem Druck viel leisten können. Die Umbruch-Stimmung soll von den Schulen genutzt werden. "Wir sind fest entschlossen, die neuen Chancen zu nutzen und die Erfahrungen aus den letzten Jahren einzubringen. Nur etwas entschleunigt. Und wenn auch die Rahmenbedingungen noch nicht festgelegt sind, wollen wir schon jetzt handeln und unsere Päckchen packen", fügt Ulrike Schade an. Froh ist man, dass Lehrer und Schulleiteer nicht in das künftige System "hineinstolpern", sondern ein Jahr Vorlauf haben und sich intensiv mit den neuen Plänen geschäftigen können.

Die Herausforderung annehmen


Die Gymnasien in Wolfenbüttel sind vorbereitet und arbeiten auf Hochtouren an ihrem Konzept. "Das neue System wird bei uns Schule machen. Wir nehmen die Herausforderungen und Chancen an. Das ist unser Job", sagt Hartmut Frenk entschlossen.

Helfen soll dabei auch der Austausch mit anderen Schulen, Lehrern und Schulleitern. "Wir sind alle gut vernetzt und werden in einen dialogischen Prozess mit anderen Schulen eintreten. Der Austausch untereinander ist wichtig und gewünscht. Alle Schulen gehen diesen Weg gemeinsam und wir müssen uns gegenseitig unterstützen", schließen die Schulleiter ab.


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