Wolfenbüttel. Im Barock wandelt sich die Einstellung zur Antike. Darüber referiert Professor Dr. Christoph Helm im Rathausvortrag am Dienstag, den 18.11.2014 um 19.30 Uhr, im Ratssaal. Prof. Helm ist klassischer Philologe und Historiker und lehrt an der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Europauniversität Viadrina in Frankfurt/Oder im Bereich Europäische Kulturwissenschaften.
Die Renaissance und der Humanismus waren von der Auffassung geprägt, die Antike stelle ein erstrebenswertes alternatives Lebensmodell zur von kirchlichen und weltlichen Machtansprüchen charakterisierten Gegenwart dar, indem sie es den Menschen ermöglicht habe, sich in Freiheit und Selbstbestimmung um die bestmögliche Ausbildung der eigenen guten Anlagen zu bemühen. Während also in der Renaissance das Bestreben im Vordergrund stand, durch intensives Studium der Antike diesem Lebensgefühl nahe zu sein und es der eigenen Sinngebung zugrunde zu legen, stellt sich im Barock der Rückgriff auf die Antike als attraktiv zu nutzende Möglichkeit dar, eigene Herrschaftsansprüche zu legitimieren.
Die Ausstrahlungskraft antiker Mythologie wird so auch bei Herzog Anton Ulrich zum Dekor und zur Hülle, um die eigene Persönlichkeit zu überhöhen und das Haus der Welfen antiken Herrschern und Heroen anzugleichen. Ausgestattet mit einer vorzüglichen sprachlichen Ausbildung und Kenntnis antiker Autoren versteht es Anton Ulrich in bewundernswerter Weise, auf den unterschiedlichsten Gebieten der Oper, Literatur, Architektur und staatlichen Repräsentanz die unsterblichen antiken Mythen für eigene Zwecke nutzbar zu machen und für die politischen Intentionen seiner Zeit umzugestalten.

