Schaut man seit einiger Zeit nach Dresden, Freital, Meißen und Heidenau, könnte man meinen, dass Rassismus und Gewaltbereitschaft rein sächsische Probleme seien. In kaum einem anderem Bundesland, hat es in so kurzer Zeit derart viel zur Schau gestellten Hass gegeben. In der Konsequenz witzeln Journalisten über einen „Säxit“. Was wohl humorig gemeint war, verkennt jedoch das eigentliche Problem.
Der alte Stereotyp des gewaltbereiten, glatzköpfigen Neonazis ist zumindest auf die Bundesweite bezogen, obsolet. In Sachsen darf dieses alte Bild jedoch noch ungestört verkörpert werden. Ein wütender Mob, der sinnbildlich die Fackeln für ein ebenso veraltetes Volksbild schwingt – so überliefern es die Kameras in unsere Wohnzimmer. Spaziert man gerade die Straße entlang, echauffieren sich Nachbarn wieder gerne über „die Ossis“. Diese extreme Fremdenfeindlichkeit sei ja letztendlich nur das Erbe einer Diktatur. Die Sachsen müssten doch endlich mal in der Demokratie ankommen und sich der Welt zuwenden. So entsteht ein Bild von einem hässlichen Deutschland, dass sich klar auf einen bestimmten Raum konzentriert. Der ungebildete Neonazi weilt im Osten, während der Rest des Landes ein Ausbund an Zivilcourage und Barmherzigkeit ist.
Tatsächlich muss man aber nicht extra nach Freital oder Heidenau fahren, um den „hässlichen Deutschen“ in freier Natur zu sehen. Man findet den hassenden Wutbürger auch in einem Café in Hamburg, Düsseldorf oder München. Mit Rechtsanwälten geht er gegen Asylunterkünfte vor. Skandiert, er habe Angst Frau und Kinder auf die Straße zu lassen. Flüchtlinge, ja. Aber bitte nicht in Sichtweite. Die Problemzone Mensch beschränkt sich sicherlich nicht nur auf einen Teil der Republik, wenn auch Politiker zur Zeit schreien, das sei nicht ihr Sachsen.
Doch! Es ist unser Sachsen. Sachsen befinden sich nämlich in jenem Deutschland, in dem der Innenminister weniger Taschengeld für Asylbewerber fordert. In dem Flüchtlinge im Winter in Zelten untergebracht werden sollen. In dem eine ganze Regierung darauf hofft, dass Kommunen das „Flüchtlingsproblem“ selber lösen. In dem die Kanzlerin schweigt. Es macht also wenig Sinn, den bösen Deutschen in ein bestimmtes Bundesland zu stecken und dieses dann loswerden zu wollen. Es macht keinen Sinn und es wäre zu einfach.


