Wolfenbüttel. Am Gymnasium im Schloss (GiS) wurde am gestrigen Mittwoch das Richtfest für den Erweiterungsneubau – verwaltungsintern als „Entlastungsbau II“ geführt – gefeiert. Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung, Politik, Bauwirtschaft und Schulgemeinschaft kamen zusammen, um den planmäßigen Fortschritt des 18,9 Millionen Euro umfassenden Hochbauprojekts zu würdigen. Darüber berichtet die Stadt Wolfenbüttel in einer Pressemitteilung.
Den Auftakt der Veranstaltung gestaltete die schuleigene Big Band unter der Leitung von Florian Sievers. In Vertretung von Bürgermeister Ivica Lukanic begrüßten der Erste Stadtrat Thorsten Drahn und Stadtbaurat Klaus Benscheidt die Gäste.
Nach alter Tradition
Nach Ansprachen der Ausschussvorsitzenden Gerhard Kanter (Bauausschuss) und Birgit Oppermann (Schulausschuss) folgte der traditionelle Handwerksbrauch: Martin Ziaja von der ausführenden Firma Holzbau Schaab brachte die Richtkrone an, sprach den Richtspruch hoch über dem Baufeld und besiegelte den Akt nach alter Tradition mit dem Zerschlagen des Glases. Den feierlichen Abschluss der Reden bildete das Grußwort von Schulleiter Oliver Behn, bevor die Gäste zu einem Imbiss in die Schulmensa geladen wurden.
Erster Stadtrat Thorsten Drahn unterstrich die Notwendigkeit des Projekts und verwies auf die durchgängige Fünfzügigkeit des größten Gymnasiums der Stadt. Mit dem Neubau gelinge es, die jahrelange Interimslösung mit Containern im Apfelgarten sowie an der ehemaligen Landwirtschaftsschule endgültig aufzulösen und einen geschlossenen, zeitgemäßen Bildungscampus zu formen. Dass dies politisch parteiübergreifend und mit großem Mut auf den Weg gebracht wurde, sei eine entscheidende Weichenstellung für die Schulentwicklung vor Ort.
Dialog mit historischer Substanz
Das Projekt vereint moderne Lernwelten mit anspruchsvollem Denkmalschutz. Bis zur geplanten Übergabe Ende 2027 entstehen auf drei Etagen insgesamt 27 neue Unterrichts- und Fachräume. Im Erdgeschoss finden künftig die Fachbereiche Kunst und Darstellendes Spiel ihren Platz, während das zweite Obergeschoss einen technisch modernisierten Biologie-Trakt beherbergen wird.
Eine der größten baulichen und planerischen Herausforderungen bestand in der direkten Nachbarschaft zu einer historischen Festungskasematte, die im Vorfeld sowie während der Gründungsphase aufwendig gesichert werden musste. Wie Stadtbaurat Klaus Benscheidt erläuterte, bindet das Konzept des Braunschweiger Büros Struhk Architektur das historische Relikt bewusst in die Außenanlagen und das Schulareal ein. Städtebaulich fungiert der Baukörper zudem als räumliches Bindeglied: Gemeinsam mit den gegenüberliegenden Gebäuden der Landesmusikakademie und des Jugendgästehauses bildet der Neubau eine städtebauliche Torsituation, die den Blick in den benachbarten Seeliger-Park fasst.
Partnerschaftliche Realisierung
Die vorbereitenden Planungen für das Vorhaben begannen im Mai 2022; die Grundsteinlegung fand im September 2025 statt. Trotz witterungsbedingter Verzögerungen zu Jahresbeginn schreitet der Rohbau kontinuierlich voran. Die veranschlagten Gesamtkosten von 18,9 Millionen Euro werden durch Eigenmittel der Stadt Wolfenbüttel sowie durch eine Bundesförderung der KfW in Höhe von 1,22 Millionen Euro getragen. Kosten- und Flächenanpassungen im Verlauf resultieren vor allem aus gestiegenen Bedarfen des Schulbetriebs; flächenbezogen bewegt sich die Maßnahme mit einem moderaten Kostenanstieg von rund vier Prozent gegenüber dem Ursprungsbeschluss im stabilen Rahmen.

Die Richtkrone wurde im Rahmen der Ausbildung im städtischen Grünflächenamt selbst produziert. Foto: Stadt Wolfenbüttel
Verwaltung und Schulleitung hoben gleichermaßen die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten hervor. Neben dem Architekturbüro Struhk Architektur galt der Dank der städtischen Hochbau- und Projektleitung um Roman Rau, Bonnie Germer und Jan Dürrkopf sowie den beteiligten Fachplanern für Statik, Brandschutz und Technische Gebäudeausrüstung. Insbesondere Schulleiter Oliver Behn sowie die anwesenden Schülervertreter, dankten den Handwerkern und Planern für die Realisierung einer Lernumgebung, die der traditionsreichen Schule zukunftssichere Perspektiven eröffnet.
Richtkrone war Azubi-Projekt
Fakt am Rande: Die Richtkrone wurde im Rahmen der Ausbildung im städtischen Grünflächenamt selbst produziert. Die Krone wurde mit Schwarzwaldtanne auf ein Eisengestell (ein Meter Durchmesser und Kronenhöhe von 85 Zentimetern) gebunden. Die bunten Bänder zeigen dazu die Stadtfarben in Rot, Weiß und Blau.
