Wolfenbüttel. In der Ratssitzung im Juni kam auch das Thema Ratten zur Sprache. Zu diesem Zeitpunkt hatte es vermehrt Sichtungen der Tiere gegeben. Bürgermeister Ivica Lukanic hatte seinerzeit von einem "eklatanten Problem" und "Phänomen" gesprochen. Er hatte eine Ursachenforschung und gegebenenfalls Unterstützung seitens der Stadt in Aussicht gestellt. Gut zwei Monate später bekommt man auf Anfrage andere Töne aus dem Rathaus zu hören.
Im Juni hatte die CDU-Fraktion das Thema aufgemacht. Man sei von "besorgten Bürgern" mit Schilderungen über Rattenbefall angeschrieben worden. Zudem zitierte die CDU Berichte, dass Bürger sich hilfesuchend an die Stadtverwaltung gewandt hätten, man jedoch geantwortet habe, dass die Stadt Wolfenbüttel aufgrund von Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen derzeit nicht in der Lage sei, etwas zu tun.
"Aus mehreren Ortsteilen"
Bürgermeister Ivica Lukanic (parteilos) hatte seinerzeit sein Bedauern über diese Aussage ausgedrückt. Dies sei nicht der Anspruch der Verwaltung und man werde sich der Fragestellung widmen. "Wir müssen sehen, wie wir damit überhaupt umgehen, denn aus mehreren Ortsteilen wird das gemeldet", erklärte Lukanic. Und weiter: "Es scheint in diesem Jahr ein sehr eklatantes Problem zu sein, ich würde fast schon meinen, ein Phänomen."
Was die Ursachen seien, dazu könne der Bürgermeister noch nichts sagen, hieß es damals. Nach dieser Klärung wolle man sehen, ob die Stadt ordnungsbehördlich unterstützen könne. Lukanic wies ausdrücklich darauf hin, dass es ein flächendeckendes Problem sei, das man "nicht von heute auf morgen" in den Griff bekommen werde. regionalHeute.de wollte nun wissen, was sich in der Sache in den vergangenen gut zwei Monaten getan hat. Weiß man mehr zu den Ursachen? Welche Maßnahmen wurden gegebenenfalls ergriffen? Wie sieht die Situation inzwischen bezüglich der Sichtungen aus?
Keine verlässliche Ursachenermittlung
Von einem "eklatanten Problem" oder "Phänomen" ist seitens der Stadt nicht mehr die Rede. Stadtsprecher Thorsten Raedlein lässt wissen: "Hinsichtlich der Ursachen für die Ansiedlung der Tiere gibt es eine Vielzahl möglicher Gründe, weshalb eine konkrete und singuläre Ursachenermittlung nicht verlässlich vorgenommen werden kann. Betrachtet man die Entwicklung der vergangenen zwei Monate, lässt sich feststellen, dass sich die Situation nicht weiter verschärft hat, da seitens der Stadt und der betroffenen Grundstückseigentümer gemeinsam Schritte unternommen wurden. Auch ein beauftragter Schädlingsbekämpfer bestätigt dies und spricht von einem normalen Befallgeschehen - und nicht von einem Rattenproblem".
Grundstücksbesitzer in der Verantwortung
Grundsätzlich finde bei diesem Thema die Verordnung über die Rattenbekämpfung im Lande Niedersachsen Anwendung. Gemäß Paragraph 2 dieser Verordnung seien die jeweiligen Grundstücksbesitzer oder -eigentümer zur Rattenbekämpfung auf ihrem Grundstück verpflichtet und könnten von der Gemeinde dazu auch rechtlich angehalten werden. Die Stadt Wolfenbüttel habe sich jedoch entschieden, hier unterstützend tätig zu werden. Sollten die privat ergriffenen Maßnahmen der Eigentümer keinen Erfolg zeigen, beauftragt die Stadt ein professionelles Schädlingsbekämpfungsunternehmen, um die Bekämpfung auf dem betroffenen Grundstück durchzuführen.
Prävention statt Bekämpfung
Deutlich effektiver als die reine Bekämpfung seien vorbeugende Maßnahmen, so die Stadt weiter. Daher sei es auch wichtig, dass die benachbarten Grundstückseigentümer (oder Mieter) diese Maßnahmen beachten. "Ratten siedeln sich vorwiegend dort an, wo sie optimale Bedingungen zur Vermehrung sowie leicht zugängliche Nahrungsquellen vorfinden. Werden Futterquellen und Unterschlupfmöglichkeiten konsequent entzogen, ziehen die Tiere häufig von selbst weiter", erklärt Thorsten Raedlein.
Daher sei es ratsam, Vogelfütterungen im Garten oder auf dem Balkon vorübergehend einzustellen, bis die Schädlinge verschwunden sind. Auf Komposthaufen sollten zudem keinesfalls gekochte oder tierische Essensreste entsorgt werden. Wer Nutz- oder Haustiere wie Hühner oder Kaninchen im Garten hält, sollte das Futter über Nacht stets in sicheren, verschlossenen Behältern aufbewahren. Generell trage ein sauber gehaltenes und müllfreies Grundstück maßgeblich dazu bei, einen Befall von vornherein zu verhindern.
Schnelles Handeln gefragt
Sollten sich trotz aller Vorsicht Ratten ansiedeln, sei schnelles Handeln gefragt, um eine größere Ausbreitung zu vermeiden. Da Privatpersonen ohne entsprechenden Sachkundenachweis mittlerweile kein frei verkäufliches Rattengift mehr erwerben dürfen, müssten alternative Methoden angewendet werden. Hierzu zählen beispielsweise das fachgerechte Aufstellen von Schlag- oder Lebendfallen sowie das Versprühen von stark reizenden Duftstoffen wie Eukalyptus-, Minz- oder Nelkenöl auf den bevorzugten Laufwegen der Tiere. "Führen diese Schritte nicht zum gewünschten Ziel, empfiehlt sich die bereits erwähnte Beauftragung eines professionellen Schädlingsbekämpfers", so Raedlein abschließend.

