Stadt Wolfenbüttel wird für teilautarke Kläranlage ausgezeichnet

Beim Landeswettbewerb „Klima kommunal 2026“ erhielt die Lessingstadt eine von landesweit acht Auszeichnungen von Leuchtturmprojekten.

Dr. Carolin Fornaçon (Niedersächsisches Umweltministerium), Klara Krüger (Klimaschutzmanagerin der Stadt Wolfenbüttel), Christian Meyer (Umweltminister von Niedersachsen), Ingo Schulz (Geschäftsführer der Stadtwerke Wolfenbüttel), Henning Kramer (Ratsmitglied Bündnis90/Grüne und Initiator des Projektes), Tamina Reinecke (MdL Bündnis90/Grünen für den Landkreis Wolfenbüttel) und Dr. Jan Arning (Geschäftsführer des Niedersächsischen Städtetags NST) (v. li.).
Dr. Carolin Fornaçon (Niedersächsisches Umweltministerium), Klara Krüger (Klimaschutzmanagerin der Stadt Wolfenbüttel), Christian Meyer (Umweltminister von Niedersachsen), Ingo Schulz (Geschäftsführer der Stadtwerke Wolfenbüttel), Henning Kramer (Ratsmitglied Bündnis90/Grüne und Initiator des Projektes), Tamina Reinecke (MdL Bündnis90/Grünen für den Landkreis Wolfenbüttel) und Dr. Jan Arning (Geschäftsführer des Niedersächsischen Städtetags NST) (v. li.). | Foto: Stadt Wolfenbüttel / Hoffmann

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Wolfenbüttel. Die Gewinner des niedersächsischen Klimawettbewerbs „Klima kommunal“ 2026 stehen fest. Bei der feierlichen Preisverleihung am gestrigen Donnerstag überreichte Umweltminister Christian Meyer in Hannover die Auszeichnungen für besonders klimafreundliche Projekte auf kommunaler Ebene. Unter den acht prämierten Leuchtturmprojekten befindet sich auch die Stadt Wolfenbüttel, die mit der teilautarken Kläranlage im Rahmen des Forschungsprojekts „Fluxlicon“ überzeugte.



Der seit 2010 alle zwei Jahre stattfindende Wettbewerb „Klima kommunal“ wird vom Umweltministerium und den kommunalen Spitzenverbänden Niedersachsens ausgerichtet. Mit Preisgeldern in Höhe von insgesamt 190.000 Euro werden kreative und innovative Maßnahmen zum Klimaschutz sowie zur Klimafolgenanpassung gefördert. Das berichtet die Stadt Wolfenbüttel in einer Pressemitteilung.

"Sie sind echte Vorbilder"


„Die ausgezeichneten Kommunen haben mit ihren innovativen und vielfältigen Projekten eindrucksvoll gezeigt, wie engagiert und kreativ in Niedersachsen an Klimaschutz und Klimaanpassung gearbeitet wird. Sie sind mit ihren Ideen und ihrem Einsatz echte Vorbilder – nicht nur für andere Kommunen, sondern für die gesamte Gesellschaft“, freut sich Minister Meyer. „Ihr Beitrag macht Niedersachsen lebenswerter und zukunftsfähiger. Für dieses herausragende Engagement danke ich allen Preisträgerinnen und Preisträgern herzlich.“

Ingo Schulz (li.), Klara Krüger und Henning Kramer.
Ingo Schulz (li.), Klara Krüger und Henning Kramer. Foto: Stadt Wolfenbüttel / Hoffmann


Aus 85 Einreichungen aus 56 Kommunen wählte die Fachjury in diesem Jahr die Stadt Lohne und die Samtgemeinde Gellersen als „Niedersächsische Klimakommunen 2026“ aus. Darüber hinaus wurden acht weitere Kommunen für ihre speziellen Vorhaben gewürdigt. Darunter das Projekt zur gemeinsamen Anpassung an den Klimawandel (COABS) in Braunschweig sowie die erfolgreichen Umsetzung einer teilautarken Kläranlage in Wolfenbüttel.

Meilenstein für die Energieneutralität


Das mit 15.000 Euro prämierte Wolfenbütteler Projekt basiert auf einer leistungsstarken Photovoltaik-Freiflächenanlage, die im April 2026 auf dem Gelände der städtischen Kläranlage in Betrieb genommen wurde. Da die Gebläse für die Belebungsbecken rund um die Uhr Sauerstoff bereitstellen müssen, gehört die Anlage mit einem Jahresbedarf von rund 1,4 Millionen Kilowattstunden zu den größten kommunalen Stromverbrauchern. Bisher wurde dieser Bedarf vollständig aus dem öffentlichen Netz gedeckt.

Ingo Schultz, technischer Geschäftsführer der Stadtwerke und Betriebsleiter des Abwasserbeseitigungsbetriebs Stadt Wolfenbüttel (ABW), betonte bei der Inbetriebnahme die Bedeutung des Vorhabens für die Wirtschaftlichkeit und Klimaneutralität der Infrastruktur. Mit der knapp einen Megawatt-Peak leistenden Anlage können fortan bis zu 40 Prozent des Strombedarfs der Kläranlage aus Sonnenenergie gedeckt werden. Jährlich produziert die Anlage etwa 850.000 Kilowattstunden Strom.

Second-Life-Batterien


Ein zentraler Bestandteil des Konzepts ist die Speicherung der Energie. Hierfür kommt ein Batteriespeicher zum Einsatz, der aus recycelten Fahrzeugbatterien verschiedener Hersteller besteht. Dieses System wurde im Rahmen des Forschungsprojektes „Fluxlicon“ aufgestellt und ermöglicht eine optimale Nutzung des Solarstroms auch in den Nachtstunden. Wolfenbüttel ist neben Ludwigsburg bundesweit eine von nur zwei Kommunen, die für dieses Speicher-Projekt ausgewählt wurden.

Das Projekt ist auch eine direkte Antwort auf die seit Anfang 2025 geltende Kommunalabwasserrichtlinie (KARL), die eine schrittweise Energieneutralität aller deutschen Kläranlagen bis 2040 vorschreibt. In Kombination mit dem neuen Batteriespeicher und dem bereits bestehenden Klärgas-Blockheizkraftwerk (BHKW) sieht Schultz den Betrieb in Wolfenbüttel bereits heute auf einem sehr guten Weg, diese strengen gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen.