Region. Die Schufa Holding AG hat im März ihr neues Scoring-Modell eingeführt. Dadurch sollte die Bewertung der Kreditwürdigkeit transparenter und verständlicher werden. Allerdings gehen bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen immer wieder Beschwerden von Menschen ein, deren Bonitätsbewertung mit dem neuen Score plötzlich schlechter ausfällt als erwartet – trotz positiver Zahlungshistorie. Die Folge: Verunsicherung, Unverständnis und die Sorge vor Nachteilen bei Krediten, Miet- oder Mobilfunkverträgen.
Für viele ist es unerwartet: Auf einmal ist der Schufa-Score schlechter, obwohl sich beim Zahlungsverhalten nichts geändert hat. „Verbraucherinnen und Verbraucher sehen plötzlich einen niedrigeren Wert und befürchten Nachteile bei Kreditverträgen oder der Wohnungssuche“, sagt Kathrin Bartsch, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. „Dabei ist zunächst wichtig zu verstehen, dass das neue Punktesystem nicht direkt mit dem bisherigen Score vergleichbar ist." Hat die Schufa früher die Wahrscheinlichkeit für einen Zahlungsausfall in Prozent ausgewiesen, erfolgt die Bewertung nun auf einer Skala von 100 bis 999. Dadurch können Werte auf den ersten Blick schlechter erscheinen als sie sind. So erfolgt beispielsweise ab 776 Punkten die Einstufung in die höchstmögliche Klasse „hervorragend“.
Transparenz wirft Fragen auf
Nach Einschätzung der Verbraucherzentrale stammt ein Teil der aktuellen Irritationen auch aus der größeren Transparenz des neuen Systems. „Das neue Modell macht erstmals sichtbar, dass nicht nur Zahlungsstörungen ein Kriterium für die Bonität sind, sondern beispielsweise auch die Dauer bestehender Bankverbindungen, neu abgeschlossene Kreditkartenverträge, vereinbarte Ratenzahlungen oder seit wann die Wohnanschrift besteht“, erklärt Bartsch. Diese statistischen Größen waren auch früher schon Bestandteil der Bewertung. Der Unterschied ist, dass die Kriterien heute nachvollziehbar sind und ihre Gewichtung hinterfragt werden kann. Die Bewertungsgrundlagen treffen vor allem junge Menschen, die mit vergleichsweise niedrigen Scores starten, weil sie keinen langjährigen Wohnort oder ein jahrzehntealtes Konto vorweisen können.
Dennoch bestehe kein Grund zur Panik: „Der Schufa-Score ist nur ein Faktor unter mehreren und darf laut Gesetzgeber auch nicht maßgeblich für die Einschätzung der Kreditwürdigkeit sein“, ergänzt die Expertin. „Banken und andere Unternehmen nutzen häufig zusätzlich eigene Bewertungsmodelle, um Risiken einzuschätzen.“
Veraltete und fehlerhafte Daten
Darüber hinaus erhält die Verbraucherzentrale Niedersachsen weiterhin Hinweise auf fehlerhafte oder veraltete Daten, die bei der Schufa gespeichert sind. „Solche Fehler können die Bonitätsbewertung erheblich beeinflussen“, unterstreicht Bartsch. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen empfiehlt daher den eigenen Schufa-Score regelmäßig zu kontrollieren und von dem Recht Gebrauch zu machen, die bei der Schufa gespeicherten Daten kostenfrei einzusehen. Fehlerhafte oder veraltete Einträge sollten der Schufa gemeldet werden. Um negative Schufa-Einträge zu vermeiden, sollte zudem auf Inkassoforderungen immer reagiert werden - auch wenn sie unberechtigt sind.

