Wolfenbüttel. Seit mehr als 30 Jahren findet der bundesweite Tag der Organspende statt. In jedem Jahr in einem anderen Bundesland. Nach den Städten Hannover, Frankfurt am Main, Dresden, Essen und Stuttgart werden die zentralen Veranstaltungen in diesem Jahr am 6. Juni wieder einmal in Hannover ausgerichtet.
Das Städtische Klinikum Wolfenbüttel bietet am 6.Juni von 14 Uhr bis 16 Uhr einen Infostand in der Eingangshalle des Klinikums an. Die Transplantationsbeauftragte des Klinikums, Frau Ursel Fricke, steht interessierten Bürgerinnen und Bürger für Fragen zur Organ- spende und Organtransplantation zur Verfügung und hält Informationsmaterial zum Thema bereit.
Das Motto lautet: „Richtig. Wichtig. Lebenswichtig.“ Diesem Tag wird erfreulicherweise bereits seit Jahren bundesweit große Aufmerksamkeit gewidmet. Das Ziel ist, möglichst viele Menschen zu erreichen um über das Thema Organspende und Organtransplantation zu informieren und zu motivieren.
Obwohl in Deutschland seit 1963 Organtransplantationen erfolgreich durchgeführt werden, gelang es erst nach vielen vergeblichen Versuchen und umfangreichen Diskussionen am 01.12.1997 ein bundesweit geltendes Transplantationsgesetz (TPG) in Kraft zu setzen. Das Transplantationsgesetz gibt Rechtssicherheit für die Organspende. Es regelt die Spende, Entnahme, Vermittlung und Übertragung von Organen, die nach dem Tode oder zu Lebzei- ten gespendet werden. 2007 erfolgten notwendige Anpassungen an die durch die Europäi- sche Union vorgegebenen Regelungen zur Gewebespende und zur Sicherheit bei der Über- tragung von Organen und Geweben.
Seit 2012 sieht das Transplantationsgesetz die „Entscheidungslösung“ als Weiterentwick- lung der bis dahin geltenden „erweiterten Zustimmungslösung“ vor. Danach soll jeder Mensch über 16 Jahre, nach ergebnisoffener Aufklärung, regelmäßig über die Organspende zu einer eigenverantwortlichen Entscheidung über die Organspende nach seinem Tode aufgefordert werden. Des Weiteren wurde die verpflichtende Bestellung von Transplantati- onsbeauftragten für die Spenderkliniken (Entnahmekrankenhäuser) eingeführt und die sozi- ale Absicherung der Lebendspender verbessert.
Zum 1 August .2013 wurde das TPG in weiteren Punkten geändert: Es wurden nach den sog. „Transplantationsskandalen“ mit Manipulationsvorwürfen neue Strafvorschriften ins Trans- plantationsgesetz eingefügt, die unrichtige Angaben und Manipulationen von Patientenda- ten zur Verbesserung des Platzes auf der Warteliste zukünftig ausdrücklich verbieten und unter Strafe stellen. (Freiheitsstrafen bis zu 2 Jahren oder Geldbußen).
Durch fest definierte Vorgaben für die Organisation der Organspende sollen alle Möglichkei- ten zur Hilfe für Wartepatienten im Endstadium ihrer Erkrankung effektiver genutzt werden. Weiterhin wird die Gleichbehandlung aller Menschen, die ein neues Organ benötigen, durch zwei Grundsätze sichergestellt: 1. Das Verteilungssystem ist strikt und individuell patienten- orientiert und 2. Die Zuteilung der Organe erfolgt nach rein medizinischen Kriterien. (Not- wendigkeit, Dringlichkeit, Erfolgsaussicht).
Die Qualität der Transplantationsmedizin ist heute so sicher wie nie zuvor. Leider spiegelt sich das nicht in der Zahl der Organspender wider. Das Vertrauen in die Organspende ist offenbar durch Diskussionen um das Transplantationsgesetz und den Manipulationsskandal stark beeinträchtigt worden. 2014 wurden bundesweit 864 Menschen nach ihrem Tod zu Organspendern, 2013 hatte es noch 876 Organspender gegeben (Tabelle). Insgesamt wur- den im Jahr 2014 in Deutschland 3 169 Organe aus dem Eurotransplant-Verbund transplantiert, im Jahr 2013 waren es noch 3 248. Im Vergleich zum Jahr 2008 ist der Rückgang der Organspenden besorgniserregend (TABELLE).
Der seit dem Jahr 2011 bestehende negative Trend muss aufgehalten werden und zu ei- nem Anstieg der Spenderzahlen umgekehrt werden. Die Rückgewinnung des Vertrauens in die Transplantationsmedizin und eine damit verbundene Zunahme der Bereitschaft zur Or- ganspende ist nur mit umfassender Transparenz und mehr Öffentlichkeitsarbeit zurück zu gewinnen. Der jährliche Tag der Organspende leistet dazu einen Beitrag.
Tag der Organspende am 6. Juni im Klinikum
| Foto: Anke Donner)
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