Wolfenbüttel: Jahnturnhalle soll "Bürgermuseum" werden und "keine Multifunktionshalle"

von Romy Marschall


| Foto: Marc Angerstein



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Die letzte Zusammenkunft für dieses Jahr im Ausschuss für Kultur, Tourismus und Städtepartnerschaften Foto:



Gestern wurde auch dem Kulturausschuss das Sanierungskonzept Jahnturnhalle vorgestellt, ergänzt um mündliche Ausführungen des anwesenden Amtsleiters des Zentralen Gebäudemanagements der Stadt Ivica Lukanic. Nach dessen Ausführungen, die im Wesentlichen sich nicht unterschieden von denen im Finanzausschuss (WolfenbüttelHeute.de berichtete ausführlich), freute sich der Ausschussvorsitzende Prof. Dr. Christoph Helm darüber, daß der "lang gehegte Wunsch eines Bürgermuseums" nun endlich in Erfüllung gehe.


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Die Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen fragt nach in puncto Jahnturnhalle: v.l. Margarete Schwanhold und Ulrike Krause Foto:



Man wolle aber keine "Multifunktionshalle", äußerten Vertreter der Grünen-Fraktion und hinterfragten das vorgelegte Sanierungskonzept Jahnturnhalle. Im Konzeptpapier heißt es:
Das Konzept verfolgt die Absicht der Einrichtung einer multifunktionalen Veranstaltungs- und Ausstellungsfläche. Die Fläche ist nutzbar für wechselnde sowie Dauerausstellungen.

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Der Amtsleiter des Zentralen Gebäudemanagements der Stadt, Ivica Lukanic, beantwortet Fragen Foto:



Amtsleiter Lukanic lenkte direkt ein und versicherte, daß die Einrichtung einer Multifunktionshalle - wie beispielsweise die Lindenhalle - nicht im Interesse der Stadt liege. "Wir wollen auch keine Versammlungsstelle," sagte er und begründete dies mit erheblichen Mehraufwendungen für Haustechnik und Brandschutzmaßnahmen. "Das ist nicht in unserem Sinne." Lukanic verwies in dem Zusammenhang auf die Erwähnung einer möglichen Bestuhlung, die man gerade deshalb auf unter 200 begrenzt habe. Wir zitieren aus dem Konzeptpapier:
Für die Nutzung der Mehrzweckhalle bestehen mehrere Nutzungsalternativen. Neben einer Dauererstellung kann die Halle für Wechselausstellungen, kulturelle Darbietungen, Tagungen, Podiumsdiskussionen und Vortragsveranstaltungen genutzt werden. In den Kosten sind die verschiedenen Ausstattungsvarianten berücksichtigt. Eine Bestuhlung mit bis zu 200 Sitzplätzen ist möglich.

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Dr. Sandra Donner arbeitet mit am musealen Ausstellungskonzept Foto:



Dem Ausschuss lag des weiteren ein von Dr. Sandra Donner, Cortina Teichmann und Dr. Hans Henning Grothe entwickeltes, vorläufiges Konzept für die museale Gestaltung der Stadtgeschichte vor. Maßgeblich ist auch dabei, zusätzlich zu einer Dauerausstellung zur Stadtgeschichte, die im Mittelraum der Halle Platz finden könnte, die Außenwände für beispielsweise künstlerische Wechselausstellungen zu nutzen.

Dies gab Anlaß zu einer weiteren Nachfrage aus der Fraktion der Grünen. Ulrike Krause fragte nach, ob die Abhängung der Fachwerke durch schlichte weiße Wände wirklich nötig sei. Der Amtsleiter des Gebäudemanagements verwies auf gesetzliche Vorgaben, die im Widerstreit liegen würden. So erfordere die bauaufsichtliche Prüfung eine energetische Sanierung und die Denkmalpflege den Erhalt des Fachwerks. Zudem würden Fachwerke mögliche Ausstellungen thematisch mehr einschränken als weiße Wände, erläuterte Ivica Lukanic. "Die Wände werden so nicht erhalten bleiben können."

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Dr. Claudia Bei der Wieden schlägt eine Infotafel für kulturelle Institutionen vor Foto:



Dr. Claudia Bei der Wieden (SPD) brachte abschließend noch als Vorschlag ein, eine Informationstafel für die angrenzenden kulturellen Insitutionen im künftigen Stadtmuseum aufzustellen, um für eine bessere Vernetzung zu sorgen.

Nach der Diskussion stimmten im gestrigen Kulturausschuss alle Fraktionen den Maßnahmen zur "Neuherrichtung Jahnturnhalle" mitsamt der Mittelbereitsstellung zu. Damit können nun etwa die Hälfte der Gesamtsanierungskosten von 1,5 Millionen Euro in den städtischen Finanzhaushalt eingestellt werden. Bereits Anfang Dezember war das neue Konzept für die Jahnturnhalle im Finanzausschuss vorgestellt und debattiert worden. Die andere Hälfte der Sanierungskosten werde über Drittmittel finanziert. Größter Anteil davon ist das Erbe der Geschwister Elisabeth, Eleonore und Ruth Zimmermann in einer Höhe von über 600.000 Euro. Das Erbe vermachten die Schwestern der Stadt zweckgebunden für das Museum im Schloss Wolfenbüttel, nachdem im vergangenen Jahr mit Elisabeth Zimmermann die letzte der drei Schwestern verstorben war.

Im Museum im Schloß sollen im kommenden Jahr auch die Herzog Anton Ulrich Räume restauriert werden, man erwarte dafür auch Bundesmittel in Höhe von etwa 20.000 Euro, berichtete Museumsdirektor Dr. Hans Henning Grothe.

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Margarete Schwanhold und Ulrike Krause (Die Grünen) freuen sich, daß der Antrag der Ratsfraktion noch so kurzfristig auf die Tagesordnung gekommen ist. Links daneben: Hiltrud Bayer (SPD). Foto:



Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen reichten im Ausschuss zugleich einen Antrag für einen Ideenwettbewerb ein (WolfenbüttelHeute.de berichtete). Dabei sollen Studenten der hiesigen Hochschulen ein Konzept zur Neugestaltung der Dammfeste (Schloßplatz und Bibliotheksquartier) entwickeln. Die veranschlagten Kosten in Höhe von 10.000 Euro für Ausschreibung, Preise und Präsentation waren ausschlaggebend dafür, daß der Ausschussvorsitzende den Antrag zunächst in die Fraktionen weiterreichte, bevor er im kommenden Februar wieder auf die Tagesordnung komme.

Des Weiteren war den Haushaltsberatungen des Ausschusses zu entnehmen, daß die Stadtbücherei im kommenden Jahr 75-jähriges Jubliäum hat und es voraussichtlich Anfang Oktober 2013 eine Festveranstaltung dazu geben wird.


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