Zunz-Platz wieder im Gespräch: Parkplatz nicht würdig genug?

Noch immer ist man in der Stadt auf der Suche nach einem passenden Ort, um einen Leopold-Zunz-Platz zu schaffen.

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Der Parkplatz hinter dem Bürger Museum soll zum Zunz-Platz werden. So schlägt es jedenfalls Jürgen Kumlehn vor.
Der Parkplatz hinter dem Bürger Museum soll zum Zunz-Platz werden. So schlägt es jedenfalls Jürgen Kumlehn vor. | Foto: Werner Heise

Wolfenbüttel. Das Thema, einen Platz in Wolfenbüttel nach Leopold Zunz zu benennen ist nicht neu. Bereits 2017 hatten sich die politischen Gremien damit befasst. Herausgekommen ist bis dato aber nichts. Nun bringt Erinnerer Jürgen Kumlehn den Leopold-Zunz-Platz wieder ins Gespräch. Sein Vorschlag: Der Platz hinter dem Bürger Museum soll zum „Zunz-Platz“ werden.


Vor mehr als drei Jahren wurde in den städtischen Ausschüssen darüber diskutiert, ob und an welchem Ort ein Leopold-Zunz-Platz entstehen könnte. Zunz gilt als einer der bedeutendsten modernen Gelehrten des deutschen Judentums und war einer der bekanntesten Absolventen der Wolfenbütteler Samsonschule. Nach Auffassung der Grünen sollte dies entsprechend gewürdigt werden. Der damalige Vorschlag der Grünen, den Harztorplatz in Leopold-Zunz-Platz umzubenennen, stieß in den Ausschüssen auf wenig Begeisterung. Und auch der zweite Vorschlag, den Bereich an der Bahnhofstraße 12 umzubenennen - dort wo das Jüdische Denkmal steht - wurde abgelehnt. Stattdessen schlug man vor, eine Plakette am Harztorwall anzubringen oder eine andere Straße nach Leopold Zunz zu benennen. Am Ende einigte man sich darauf, weitere Ideen zu sammeln und sich später mit der Frage neu zu befassen. Dabei ist es offenbar auch geblieben. Obwohl sogar aus New York Zuspruch für die Idee kam.


Dass das Thema irgendwie untergegangen ist, ist auch Jürgen Kumlehn aufgefallen, der nun eine neue Idee zur Namensgebung hat. Wie er in einem Vorschlag an die Ratsfraktionen, die Stadtverwaltung, Bürgermeister Thomas Pink und die Bürgermeister-Kandidaten mitteilte, halte er den Platz am Bürger Museum geeignet für eine Würdigung von Zunz. "Die Stadt Wolfenbüttel könnte, was schon lange getan werden sollte, das Projekt „Leopold-Zunz-Platz“ wieder aufgreifen und nach nun drei Jahren verwirklichen. Ich schlage daher vor, den Platz hinter dem Bürger Museum in Leopold-Zunz-Platz zu benennen", wagt Kumlehn einen neuen Versuch.

Zunz in bester Gesellschaft?


Der Bereich, den Jürgen Kumlehn als Leopold-Zunz-Platz ins Auge gefasst hat, liegt auf der Rückseite des Bürger Museums, der Parkplatz Ecke Schlossplatz und Schiffwall. In der Nähe liegen das Zeughaus, die Herzog August Bibliothek, der Synagogenstein, der Lessingplatz mit der Nathan-Figur und der Paul-Raabe-Platz. "Bei einer Betrachtung der näheren Umgebung fällt auf, dass Leopold Zunz in seiner Bedeutung als Persönlichkeit in einer angemessenen Umgebung positioniert wäre", argumentiert Kumlehn. Der Vorteil, so Kumlehn weiter, sei auch, dass Anwohner keine Adressenänderung vornehmen lassen müssten. Die Änderung der Adresse war bei dem Vorschlag Harztorplatz unter anderem ein K.O.-Kriterium.

Der Vorschlag der Grünen, den Bereich an der Bahnhofstraße -dort wo das Jüdische Denkmal steht - umzubenennen, wurde abgelehnt.
Der Vorschlag der Grünen, den Bereich an der Bahnhofstraße -dort wo das Jüdische Denkmal steht - umzubenennen, wurde abgelehnt. Foto: Sina Rühland


Platz nicht angemessen und würdig


Von den Wolfenbütteler Grünen kam bereits eine Antwort und die dürfte so gar nicht nach Kumlehns Geschmack sein. "Mein zwischenzeitlich den Grünen vorgetragener Vorschlag, den Platz hinter dem Bürger Museum zum „Zunz-Platz“ zu machen, wollten die Grünen nicht vertreten", teilt er mit.

regionalHeute.de hat bei der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Ulrike Krause nachgefragt, warum Kumlehns Vorschlag nicht unterstützt werde. Diese erklärt, dass man nach wie vor der Meinung sei, dass Leopold Zunz eine Würdigung seiner Person in der Stadt erfahren sollte. "Und nach wie vor bietet sich die Form, eine Straße oder einen Platz nach ihm zu benennen oder auch umzubenennen, als absolut angemessener Weg der Würdigung an. Der von Herrn Kumlehn in die Auswahl gebrachte Parkplatz hinter dem Bürgermuseum ist in unseren Augen allerdings seiner Person nicht angemessen. Zum einen allein durch die heutige Nutzung des formlosen Platzes als innerstädtische Parkfläche. Aber die Tatsache, dass es an dieser Stelle keinen echten Adressaten geben würde, da sich dort tatsächlich durch eine Umbenennung keine Wohnadresse bildet, wiegt in unserer Meinung viel schwerer und spricht daher dagegen", so Ulrike Krause. Erinnerung und Würdigung bräuchten Widerhall in schriftlicher oder geschriebener Form - auch allein durch die stetige Nennung des Straßennamens - um sich im alltäglichen Gebrauch und Gedächtnis zu manifestieren - um einfach dadurch in den Spachgebrauch übergehen zu können, erklärt diese weiter.

Das sei bei der von Kumlehn eingebrachten Idee nicht der Fall und er bleibe mit seiner Forderung, nach Meinung der Grünen, diesmal damit selbst hinter seinen an anderer Stelle geäußerten häufig sehr hohen Ansprüchen zurück. "Nach wie vor wünschen wir uns eine direktere und angemessenere Würdigung Leopold Zunzs in Nähe seiner Wolfenbüttler Wirkungsstätte und Lebensmittelpunkt", so Ulrike Krause weiter und kündigt an, dass man das Thema weiter im Hinterkopf habe und ein entsprechender Ratsantrag bereits in Vorbereitung sei.

Neue Idee der Grünen


"Unser damaliger Vorschlag, den Platz vor dem historischen Harztor, an dem der Schulwall, der Harztorwall und die Bahnhofstraße zusammentreffen, als Leopold-Zunz-Platz zu benennen, fand keine Mehrheit im Rat. Aus heutiger Sicht würden wir unseren damaligen Antrag dahingehend präzisieren, indem wir nun den Straßenraum vor dem ehemaligem Hotel Kronprinz (den Abschnitt der Bahnhofsstraße ab ehemaligem Harztor) bis zu dem Gebäude in der Kommißstraße 9, in dem sich heute Subway befindet, als Leopold-Zunz-Straße oder -Platz definieren. Mit einer Umbenennung dieser Straßen-Teilabschnitte bilden sich tatsächliche Adressen und könnten somit in den Sprachgebrauch sowie Schriftverkehr übergehen. Eine Umbenennung dieser Straßenabschnitte würde wahrscheinlich eine Adressänderung für etwa zehn Haushalte nach sich ziehen. Darüberhinaus und für uns ein absolutes Argument ist, dass dieser sich neu definierende Ort auch aus touristischer Sicht ein wirklicher Erinnerungsort werden und eine angemessene Würdigung Leopold Zunzs darstellen würde."


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