Pi(n)kant: Wie Stammtischparolen das Leben verlängern

Ehefrau und Stammtischbrüder, statt veganer Gänseblümchenblüten-Coktails mit Tofu - so findet unser Kolumnist und Bürgermeister a.D. Thomas Pink Kraft.

von Thomas Pink


Haben sich einiges zu erzählen: Thomas Pink und seine Stammtischbrüder.
Haben sich einiges zu erzählen: Thomas Pink und seine Stammtischbrüder. | Foto: regionalHeute.de

Liebe Leserinnen und Leser, bringen wir es mal auf den Punkt: Die Zeit, in der wir justament leben, ist schwierig! Keine Frage! Kriege, Krisen, Katastrophen prägen die Berichterstattung auf allen Kanälen!


Gefühlt 25 Meinungsforschungsinstitute erklären uns wöchentlich – natürlich mit unterschiedlichen Zahlen – wer beliebt, wer unbeliebt, wer doof und wer charismatisch ist und wenn Bundestagswahlen wären, wer dann gewinnt! Zu durchaus relevanten Themen kommen dann noch miese, negative Meldungen vom Boulevard, die eigentlich völlig unwichtig sind und keinen interessieren dürften, aber den eh schon demoralisierten Menschen gründlich in die mentale Grauzone manövrieren. Dazu wird uns von einschlägigen Magazinen, (Un)Sozialen Netzwerken und sonstigen, oft promovierten Lebenserklärern mit strengem Blick suggeriert, wie man endlich schlank, alkoholresistent und vegan wird, obwohl man das gar nicht will und was man doch mit Brennesselwurzeln, Gänseblümchenblüten und frisch gemähtem Gartenrasen für leckere Cocktails panschen kann und Tofu in jeder Zubereitungsform glückliche Bürger:innen formt! Jawoll!

Mit Verlaub: Da braucht der schlichte Mensch von heute, besser gesagt „der alte weiße Mann“ wie ich einer bin, Kraft und festen Halt! Natürlich ist da zunächst die Familie, mit der allerbesten Ehefrau von allen, die die Grundrichtung überzeugend kreiert und wie ein Feldherr anzeigt! Aber da ist noch etwas anderes, was mir persönlich Orientierung gibt! Gleich gucken Sie sparsam! Mein Stammtisch!

Stammtische, so die Wissenschaft, gibt es wohl schon seit der Zeit, als unsere germanischen Vorfahren im Lendenschurz durch den Oderwald pirschten. Gibt man bei Google „Stammtisch“ ein, so landet man u.a. bei Wikipedia und bekommt eine ausführliche Lektion zum Thema: Gruppe von mehreren Personen. Stimmt! Meist große, runde Tische. Stimmt nicht! Geselliges Zusammensein. Oh ja! Politische und philosophische Diskussionen. Und wie, aber nicht nur!

Die Charaktere meiner Stammtischbrüder können nicht unterschiedlicher sein! Und das ist gut so! Feine, großartige Kerle sind sie alle! Hundertprozent verlässlich! Aber halt! Ordnung muss sein! Wir sind militärisch organisiert und wie könnte es anders sein: Unser Chef ist ein pensionierter Berufssoldat mit klarer Orientierung! Politisch, moralisch und vor allem fußballerisch! Er ist wertekonservativ, wie der Schreiberling dieser Zeilen und ein Eintracht-Fan von den akkurat gelegten Haarspitzen bis zur Knobelbecher-Sohle! Einen größeren Eintracht-Fan kenne ich nicht!

Neben den normalen Mitgliedern gibt es noch einen Kassenwart. Ein ehemaliger Promi-Gastronom, nun mutiert zum kleinlichen Buchhaltertypen! Unsere regelmäßigen Einzahlungen für die saisonalen und nicht veganen Lustbarkeiten wie etwa Spargel- oder Grünkohlessen akzeptiert dieser Kollege nur in Form von glatten, gebügelten Euroscheinen. Etwas anderes nimmt dieser Erbsenzähler nicht an!

Es gibt auch Randgruppen-Vertreter, die bei uns tatsächlich keine Minderheit sind! Echte Sozialdemokraten und noch etwas linker, was natürlich die regelmäßigen Diskussionen zum würzigen – ach was, feurigen – wöchentlichen Vergnügen macht! Grüne oder gar FDP-liberale Thesen dienen vornehmlich dem kollektiven Lästern nach der dritten Runde Bier, sind diese doch oft zu lau und moralisierend oder Kubicki-triefend und damit ein geeignetes Ziel des Spottes des Hopfen- und Malz-seligen Zusammentreffens!

Vereint stehen wir in einer solidarischen, tiefen und stabilen Abneigung gegenüber dem Auffangbecken für Desorientierte (AfD)! Fußballwissenschaftlich empfinden wir uns absolut als höhere Intelligenz, obwohl wir regelmäßig unsere Wochenendtipps krachend in den Sand setzen! In Wikipedia wird im Übrigen bösartig gemutmaßt, dass die Argumentationsweise in Stammtischen vereinfachend und undifferenziert sein könnte, was zur sogenannten Stammtischpolitik, Stammtischparole führt! Richtig! Treffer! Genauso ist das!

Nachhaltig kompliziert und möchtegern-intelligent versuchen es ja viele und manche mit Erfolg! Man möchte gern klingen, so dass es keiner versteht! Bei uns bringt es jeder knackig auf den Punkt und jeder Stammtischbruder weiß sofort, was das Stündchen geschlagen hat! Das befreit, das gibt Kraft und hat auch enorme medizinische Wirkung: Es ist erwiesen, dass man mindestens einmal am Tag richtig herzhaft und mit Wucht lachen soll, um sein Leben zu verlängern! Wir lachen an diesem Tag immer auf Vorrat!

Herzlichst Ihr Bierfreund
Thomas Pink

Pi(n)kant ist die Kolumne von Wolfenbüttels Bürgermeister a.D. Thomas Pink auf regionalHeute.de. Sie erscheint in unregelmäßigen Abständen und gibt allein die Meinung des Autors wieder.

Themen zu diesem Artikel


FDP AfD