Region. Die Katze benötigt eine Zahnoperation, der Hund leidet unter Atemproblemen oder nach einer Verletzung wird eine aufwendige Behandlung nötig: Für Tierhalter können unerwartete Rechnungen schnell zur finanziellen Belastung werden. Auch beim Tierschutz Braunschweig spielen Geldprobleme bei der Abgabe von Tieren inzwischen eine größere Rolle.
Wie teuer Haustiere geworden sind, zeigen die aktuellsten verfügbaren Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Wie die Behörde im Oktober 2025 mitteilte, kostete Hunde- und Katzenfutter im Jahresdurchschnitt 2024 rund 35,3 Prozent mehr als noch 2020 – bei einer allgemeinen Teuerung von 19,3 Prozent im selben Zeitraum.
Warum der Tierarztbesuch teurer wurde
Besonders spürbar wurde die Entwicklung nach der Neufassung der Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte. Sie trat am 22. November 2022 in Kraft und legt fest, in welchem Rahmen einzelne tierärztliche Leistungen abgerechnet werden dürfen. Pauschale Endpreise für vollständige Behandlungen schreibt sie allerdings nicht vor.
Wie stark sich einzelne Gebühren verändert haben, zeigt die allgemeine Untersuchung eines Hundes oder einer Katze. Wie die Tierärztekammer Niedersachsen mitteilt, kostet sie im einfachen Gebührensatz heute 23,62 Euro. Vor der Neufassung waren es bei einer Katze 8,98 Euro und bei einem Hund 13,47 Euro. Das entspricht rechnerisch einem Anstieg um rund 163 Prozent bei Katzen und 75 Prozent bei Hunden.
Kombination der erbrachten Leistungen
„Die tatsächliche Rechnung ergibt sich aus der Kombination der erbrachten Leistungen, dem gewählten Gebührensatz, den verwendeten Medikamenten und Materialien sowie gegebenenfalls Laborleistungen und der Mehrwertsteuer”, erklärt Dr. Severine Tobias, Geschäftsführerin der Tierärztekammer Niedersachsen.
Bereits bei einer Impfung können neben der allgemeinen Untersuchung weitere Posten wie Beratung, Impfstoff und Verbrauchsmaterialien anfallen. Wie teuer eine Kastration, eine Zahnoperation oder die Versorgung einer Verletzung letztlich wird, hängt vom Gesundheitszustand des Tieres und den medizinisch notwendigen Maßnahmen ab. Endbeträge einzelner Behandlungen ließen sich deshalb nur eingeschränkt miteinander vergleichen.
Finanzielle Gründe führen häufiger zur Abgabe
Welche Folgen hohe Behandlungskosten haben können, erlebt der Tierschutz Braunschweig. Die Tierarztkosten seien in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, sagt Verena Geißler, Leiterin des Tierheims Braunschweig. Allein von 2023 auf 2024 hätten sich die Ausgaben für tierärztliche Behandlungen um 50.000 Euro erhöht. Die Futterkosten fielen dagegen kaum ins Gewicht, da der Verein durch Spenden gut unterstützt werde.
„Es werden vermehrt alte oder chronisch erkrankte Tiere ausgesetzt”, berichtet Geißler. „Zusätzlich werden immer häufiger Tiere von ihren Besitzern abgegeben, weil diese sich die Tierarztkosten auf Dauer nicht mehr leisten können.” Betroffen seien alle Tierarten – von Hund und Katze bis Kaninchen und Wellensittich.
Mehrere Folgen für Tierheime
Für das Tierheim hat das gleich mehrere Folgen: Es müssen mehr Tiere aufgenommen werden, die oft bereits krank sind und dadurch die eigenen Tierarztkosten weiter in die Höhe treiben. Alte oder kranke Tiere lassen sich zudem schwerer vermitteln und bleiben deshalb häufig länger im Heim. Weil sie außerdem eine intensivere Pflege benötigen, sei auch das Personal stärker eingespannt – die Zeit reiche kaum aus, um allen Tieren gerecht zu werden. Um diese Entwicklung abzufangen, brauche es vor allem eines, sagt Geißler: mehr finanzielle Unterstützung für Tierheime.
Tierarztpraxen selbst unter Kostendruck
Die höheren Gebühren bedeuten nach Darstellung der Tierärztekammer nicht automatisch, dass die Praxen entsprechend mehr verdienen. Die vorherige Gebührenordnung beruhte im Wesentlichen auf einer Kalkulationsgrundlage aus dem Jahr 1999. Über mehr als zwei Jahrzehnte sei sie nicht grundlegend an die wirtschaftlichen und fachlichen Bedingungen angepasst worden.
In dieser Zeit hätten sich nicht nur die Möglichkeiten der Diagnostik und Behandlung weiterentwickelt. Der Betrieb einer Tierarztpraxis ist im gleichen Zeitraum spürbar kostspieliger geworden. Die Kammer nennt höhere Personal-, Energie- und Mietkosten sowie Preissteigerungen bei Medikamenten, medizinischen Verbrauchsmaterialien, Labordiagnostik und technischen Geräten.
Auch Praxen vor Herausforderungen
Dazu kommen Ausgaben für Wartungen, Digitalisierung, Datenschutz, IT-Sicherheit und Qualitätssicherung. Gesetzliche Dokumentations- und Arbeitsschutzanforderungen, die Aus- und Fortbildung des Personals sowie der Fachkräftemangel stellten viele Praxen ebenfalls vor wirtschaftliche Herausforderungen.
Die überarbeitete Gebührenordnung soll laut Kammer eine angemessene und transparente Vergütung ermöglichen. Sie bilde moderne diagnostische und therapeutische Verfahren ab und sei eine Voraussetzung dafür, dass Tierarztpraxen weiterhin eine flächendeckende und qualitativ hochwertige Versorgung anbieten könnten.
Ob Tierhalter in unserer Region Behandlungen inzwischen häufiger aus Geldmangel verschieben oder ablehnen, kann die Kammer nicht beziffern. Dazu lägen ihr keine repräsentativen statistischen Erhebungen vor. Behandlungsempfehlungen müssten sich unabhängig von der finanziellen Situation der Halter am Wohl des Tieres und an den anerkannten medizinischen Standards orientieren.
Was Tierhalter vor einer Behandlung tun können
Wer Fragen zu den voraussichtlichen Kosten hat, spricht sie am besten frühzeitig in der Tierarztpraxis an. Bei planbaren Eingriffen lässt sich häufig vorab eine Kostenschätzung erstellen, sagt Tobias. Sie diene allerdings nur der Orientierung, da sich während der Diagnostik oder Behandlung zusätzliche medizinisch notwendige Maßnahmen ergeben könnten.
Auch erwartete Zahlungsschwierigkeiten lassen sich offen ansprechen: Einige Praxen bieten, soweit möglich, individuelle Lösungen an, etwa Ratenzahlungsvereinbarungen oder externe Abrechnungs- und Finanzierungsdienste. Ob und unter welchen Bedingungen solche Angebote möglich sind, entscheidet jede Praxis für sich.
Eine Tierkranken- oder Operationskostenversicherung kann vor unerwartet hohen Rechnungen schützen. Die Tarife unterscheiden sich allerdings erheblich bei den abgedeckten Behandlungen, möglichen Ausschlüssen und Erstattungshöhen. Tierhalter prüfen deshalb am besten genau, welche Leistungen tatsächlich enthalten sind – bevor eine teure Rechnung ins Haus flattert.

